Aichach    

Baubeginn unbestimmt verschoben?

Aichach - Mit einer Zweidrittelmehrheit von 36:18 Stimmen hat sich der Kreisrat in einer Sondersitzung am Montag für die Erweiterung des Landratsamts in Aichach ausgesprochen (wir berichteten). Dabei waren die Fronten, bis auf eine Fraktion, klar verteilt: CSU und Grüne stimmten geschlossen für den Erweiterungsbau, SPD, AfD, ÖDP und Unabhängige votierten dagegen.


Die Freie Wähler-Fraktion war gespalten. Fraktionschef Erich Nagl machte klar, er tue sich extrem schwer mit einer Entscheidung, am Ende sagte er jedoch: "Ich werde nicht zustimmen." Das galt nicht für alle seiner Parteikollegen, drei von sieben Kreisräten der Freien Wähler stimmten für den Baudurchführungsbeschluss.
Wann mit dem Anbau vor dem Blauen Palais begonnen wird und also die rund 60 zusätzlichen Büros von den Mitarbeitern genutzt werden können, steht indes noch nicht fest. Lediglich wann mit der Ausschreibung voraussichtlich begonnen werden kann, konnte geklärt werden, Sachgebietsleiter Rainer Hurler setzte dafür Januar oder Februar nächsten Jahres an.
In dem Zusammenhang wurde auch ein wichtiges Detail des am Montag gefassten Beschlusses noch einmal geklärt: Der Kreistag hat nämlich im Beschluss auch eine Kostenbremse eingebaut. Die hat Landrat Klaus Metzger vorgeschlagen, er sprach dabei von einer "Reißleine". Die kann der Bauausschuss dann ziehen, wenn die veranschlagten Kosten für das Projekt eine beträchtliche Teuerung erfahren. Die Kostenrechnung für die gesamten Maßnahmen - Neubau und Sanierung - wurden Ende 2020 auf 21,6 Millionen festgelegt.
Konkret soll zunächst ein Paket der größten Gewerke ausgeschrieben werden, darin enthalten der Rohbau, Sanitäranlagen, Elektrik. 60 Prozent des gesamten Leistungsumfangs für den Anbau (gesamt 15 Millionen Euro) sind in diesem Paket enthalten.
Hintergrund der Kostenbremse sind die massiv gestiegenen Preise bei den Baumaterialien etwa bei Holz, Stahl oder Dämmstoffen. Als Maßstab der Kostenberechnungen galten die sogenannten Preismeldungen für das Quartal 2020. Für jedes Gewerk wurde zudem ein Budget festgeschrieben. Vor der Ausschreibung Anfang kommenden Jahres, erklärte Sachgebietsleiter Rainer Hurler am Montag, werde man überprüfen, inwieweit die Schätzpreise der Planer vom vorgegebenen Budget abweichen. "Ist das der Fall, werden wir intern noch einmal nacharbeiten." Das ist der erste Bremsklotz; der zweite besteht darin, dass dem Bauausschuss die Angebote der Ausschreibung vorgelegt werden. Befinden die Ausschussmitglieder, die Divergenz zum Budget ist zu hoch, wird die Ausschreibung zurückgenommen. "Dann würde der Bau definitiv nicht losgehen", sagt Hurler, man müsse in diesem Fall überlegen, was zu tun sei. So gesehen ergibt sich mit der jetzigen Kostenbremse eine Abhängigkeit von der Entwicklung der Baupreise. Einfach gesagt: Steigen die Preise weiter an, wird es mit den bitter benötigten zusätzlichen Räumlichkeiten so schnell wohl nichts werden.
Das bedeutet eine Beruhigung für die Anbau-Skeptiker von SPD, AfD, Unabhängigen, ÖDP und Teilen der Freien Wähler; für die Verwaltung heißt es dann aber auch: Sie muss unter den von allen Kreisräten fraktionsübergreifend festgestellten beengten und unzeitgemäßen Bedingungen auf unbestimmte Zeit weiterarbeiten.
Durch die von Landrat Dr. Klaus Metzger eingeleitete Beratungs-Ehrenrunde hat sich der Baubeginn nun ohnehin um mindestens ein halbes Jahr verschoben. Zur Erinnerung: Geplant sind zwei Jahre Bauzeit für die Erweiterung. Anschließend soll das in die Jahre gekommene Bestandsgebäude innen in zwei Abschnitten saniert werden. 2025, so der ursprüngliche Plan, wären alle Arbeiten dann beendet gewesen.
Der Großteil der Belegschaft, bis auf drei verbleibende Außenstellen (Kreisgut, Gesundheitsamt an der Klinik und Schlossplatz) sollten dann am zentralen Sitz der Verwaltung an der Münchener Straße zusammenarbeiten können, Stichwort "Einhäusigkeit". Nun wird der Zeitplan um ein halbes Jahr verschoben - oder auch mehr. Das eben hängt von der Entwicklung der Baupreise ab. Rainer Hurler wird dennoch nicht bange. "Ich bin noch entspannt", erklärte er gestern. Er hoffe, dass sich der Markt bis kommendes Jahr wieder beruhige. Zudem würden die Kostenrechung und mithin die Budgets im Herbst dieses Jahres den vom Statistischen Bundesamt vorgegebenen Preisen angepasst. Hoffnung, dass die Baupreise sich bald wieder normalisieren

Von Thomas Winter


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Veröffentlicht am 08.06.2021 16:32 Uhr