Aichach    

Auf alles vorbereitet

Merching - Gewohnt routiniert und gastfreundlich bewirtet durch Mitglieder der Feuerwehr Merching konnte am vergangenen Freitag die erste Dienstversammlung der Feuerwehr des Landkreises Aichach-Friedberg seit Herbst 2019 durchgeführt werden. Zahlreiche Kameradinnen und Kameraden der 96 Feuerwehren des Landkreises waren der Einladung gefolgt.


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Die Kommandanten der 96 Landkreis-Feuerwehren trafen sich in Merching. Foto: Kristina Billhardt


Vor dem stattlichen Zuhörerkreis galt es eine Vielzahl an Fachinformationen der Kreisbrandinspektion, die Tagung des Kreisfeuerwehr-Verbandes sowie Berichte aus den verschiedenen Fachbereichen nachzuholen, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt hatten. Insbesondere jedoch rückten immer wieder drei Schwerpunkte in den Fokus: Atemschutzausbildung, Katastrophenschutz und eine große Dankbarkeit und Anerkennung den Menschen gegenüber, die zum Wohl der Allgemeinheit rund um die Uhr über das gesamte Jahr hinweg bereitstehen, um sich ehrenamtlich zu engagieren und allen Ereignissen zum Trotz immer da sind, um zu helfen.
Der Stellvertretende Landrat Manfred Losinger formulierte es so: "Eine schwierige Zeit liegt hinter uns und wir scheinen von einer Krise in die nächste zu stolpern. Erst Corona, dann die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine. Ihr jedoch steckt immer mitten drin. Wenn wir Hilfe brauchen, rennen wir bei den Freiwilligen Feuerwehren stets offene Türen ein." Laut des CSU-Landtagsabgeordneten Peter Tomaschko seien die Freiwilligen Feuerwehren mit über 300 000 Mitgliedern die größte Ehrenamtsbewegung in Bayern. Einigkeit herrschte bei den Rednern auch darüber, dass die Unterstützung der Familien und Partner, die hinter den Ehrenamtlichen stehen und ihnen den Rücken freihalten, wichtig ist, weil sie das Engagement erst möglich mache.
Gerne wird eine Versammlung mit positiven Nachrichten gestartet und so freute es Kreisbrandrat Christian Happach, aber auch die Vertreter der Politik besonders, das Erreichen eines wichtigen Meilensteins vermelden zu können: Mit dem jüngst abgegebenen Einverständnis des Kreisausschusses zur Anschaffung von zwei Abrollbehältern, rückt die dringend nötige Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern im Landkreis in erreichbare Nähe (wir berichteten).
Dies sei bedeutsam, um den bestehenden Ausbildungsstau abzuarbeiten, den die Feuerwehren förmlich wie eine Bugwelle vor sich herschieben. Darüber hinaus sei es wichtig, zukünftig wieder eine landkreiseigene Ausbildungsstrecke zur Verfügung zu haben, um nicht weiter von anderen abhängig zu sein.
Die Anlage besteht aus zwei Containern. Der erste ist mit einem begehbaren Dach ausgestattet und beherbergt die sogenannte Strecke aus verschiedenen Gitterfeldern, die es in voller Pressluftatmer-Montur zweimal nacheinander zu absolvieren gilt. Der zweite Container, dessen Dach nach oben ausgefahren werden kann, hält als Arbeitsraum die benötigten Arbeitsmessgeräte wie Fahrrad-Ergometer und Endlosleiter bereit.
Die Wintermonate sollen nun für die Erstellung eines Ausbildungskonzepts genutzt werden, um dann in etwa acht Monaten starten zu können. Eine noch zu erstellende Standortplanung sieht vor, im Turnus von etwa fünf Wochen die mobilen Abrollbehälter solange nacheinander an die verschiedenen Standorte zu bringen, bis die Anlage schlussendlich in ein Katastrophenschutzzentrum integriert werden könne.
Im Rückblick auf die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal, aber auch mit einem Auge auf den bevorstehenden, im Zeichen von Energiemangel stehenden Winter oder - noch weitergedacht - mit Blick auf häufigere schwere Unwetterlagen durch den Klimawandel, stand der Katastrophenschutz im Mittelpunkt. Hier gelte es unbedingt, Vorsorge zu treffen, damit insbesondere die kritische Infrastruktur auch im Notfall funktioniere - Stichwort "Sondereinsatzplan flächendeckender Stromausfall", zu dem aktuell eine eigene Projektgruppe ihre Arbeit aufgenommen habe.
Darüber hinaus scheint der Bau eines Katastrophenschutzzentrums für den Landkreis unumgänglich und wie es bereits schon beim Thema Atemschutzausbildung hervorragend funktioniert habe, rief Kreisbrandrat Christian Happach wieder alle Feuerwehren dazu auf, ihren Input zu geben. So könne sichergestellt werden, dass auch wirklich alles verfügbare Fachwissen Berücksichtigung finden könne.
Eigens zum Thema Kat-Schutz-Zentrum geladen war Johann Koller. Als Kreisbrandrat des Nachbar-Landkreises konnte er Interessantes über das im Frühjahr 2020 mit der Ausschreibung gestartete und vor zwei Monaten in Betrieb genommene zukunftsweisende Feuerwehrzentrum des Landkreises Landsberg am Lech berichten, in dem über den Katastrophenschutz hinaus auch eine Stätte für alle Arten von Feuerwehr-relevanten Ausbildungen entstehen konnte.
Abschließend war jedoch eine Information die Bedeutsamste von allen: Allein im Jahr 2021 haben die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises 440 Menschen gerettet. Das sei eine Zahl, auf die man stolz sein könne und die Sicherheit gebe.

Von Kristina Billhardt


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Veröffentlicht am 25.09.2022 18:02 Uhr