Aichach    

Auensee ist fast wieder voll

Aichach - Sie können wieder schwimmen, die Forellen in der Friedberger Ach. Die Frage ist nur, wie lange. Fischbestand und Umgebung ächzen nach wie vor unter der Trockenheit (wir haben berichtet). Regen lässt auf sich warten. Das Gewitter vergangene Woche hat den Pegel des stellenweise fast trocken gefallenen Flusses, der den Landkreis Aichach-Friedberg von Süd nach Nord durchfließt, nur zwei Tage lang etwas angehoben. Susan Aktas zeigt sich dennoch erleichtert. "Ein großes Fischsterben in der Friedberger Ach konnte verhindert werden", erklärte die Abteilungsleiterin für die Bereiche Aichach-Friedberg und die Stadt Augsburg am Wasserwirtschaftsamt (WWA) Donauwörth am Freitag auf Nachfrage.


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Idyllisch bettet sich der See östlich des Lechs bei Kissing in die einstige Auenlandschaft, die ihm seinen Namen gab. Bis vor zwei Wochen ist dort Wasser entnommen worden, um den Pegel der benachbarten Friedberger Ach wieder anzuheben - mit Erfolg. Trotzdem sorgt der fehlende Regen weiterhin für Probleme. Foto: Bastian Brummer
Bastian Brummer


Unter Anleitung der Behörde sind bis vor zwei Wochen 120 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Auensee bei Kissing ausgeleitet und in die Ach gepumpt worden. Das hat dafür gesorgt, dass die sauerstoffbedürftigen Salmoniden, das sind Forellen, Äschen und Saiblinge, wieder atmen und frei schwimmen konnten. Vor einigen Wochen hatten sie sich in vereinzelte Gumpen gerettet, in denen der Wasserstand noch höher lag als im Rest der Friedberger Ach.
Die Gumpen glichen allerdings eher Pfützen. In ihnen stand das Wasser aber fast regungslos - und durch die Hitze nahm der Sauerstoffgehalt ab.
Nachdem die lokalen Zeitungen über die Situation an der Ach berichtet hatten, schritt das Landratsamt in Aichach ein und ordnete die Wasserentnahme aus dem Kissinger Auensee an. Inzwischen ist die Maßnahme abgeschlossen und der Pegel der Ach ist gestiegen. Und der Wasserstand des Auensees liegt sogar wieder auf Normalniveau. "Zumindest fast", ergänzt Susan Aktas vom WWA in Donauwörth. Drei Zentimeter fehlten noch.
Was zunächst nach Entwarnung klingt, ist allerdings nur eine kurzfristige Lösung, wie Aktas zu bedenken gibt. Dass der Pegel der Friedberger Ach weiterhin ungewöhnlich niedrig liegt, daran hat auch die Einleitung des Auensee-Wassers nichts geändert. Es brauche Regen, ist sich die Abteilungsleiterin sicher.
Denn mit dem fehlenden Wasser treten weitere Probleme zutage, nicht nur in der Friedberger Ach. Grenzwerte für Chemikalien, darunter Quecksilber, die in Flüssen eigentlich nichts verloren haben, werden seit Jahren etwa auch in der Ecknach überschritten. Je mehr Wasser dort fließt, desto stärker wird das Schwermetall verdünnt. Normalerweise. Neue Messungen sind noch nicht durchgeführt worden. Klar ist aber: Je weniger Wasser, desto höher die Konzentration giftiger Stoffe.
"Davon erholt sich die Ökologie allerdings wieder", meint Susan Aktas. Wohin das Wasser übrigens verschwunden ist, das in der Ach so sehr fehlte, lässt sich laut ihrer Ansicht nicht auf eine Ursache eingrenzen. "Wir haben einige Biberbauten entfernt, die sicher dafür gesorgt haben, das Wasser aus der Ach vorher in Richtung Lech abgeflossen sind", gibt Aktas als einen Grund für den Verlust an. Auch versickert sei das Wasser auf einigen Gewässerstrecken "ganz bestimmt", sagt sie. Ob die Abteilungsleiterin deswegen schwarz sieht, besonders im Hinblick auf immer trockenere Sommer? "Ich würde sagen grau", sagt Aktas. Trockenheit und Wassermangel seien immerhin globale Probleme und Herausforderungen. Was ihre Abteilung dagegen unternehmen kann, lässt sie allerdings offen.
Wasserwirtschaftsämter klagen häufig über die mangelnde Bereitschaft von Grundstückseigentümern, Flächen entlang von Fließgewässern zur Verfügung zu stellen, um Randstreifen etwa mit Gehölzen zu bepflanzen. Die dadurch entstehende Beschattung würde sicher einen Beitrag im Kampf gegen Wasserverlust leisten. Fischereiverbände in ganz Bayern fordern derartige "grüne Säume" seit Jahren. Entlang der Ach allerdings stehen häufig Feldfrüchte bis zur Uferböschung - und auf der anderen Seite des Flusses versiegeln Straßen den Boden. Wo Wasser fehlt, werden Schadstoffe schlechter verdünnt

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 14.08.2022 17:50 Uhr