Aichach    

Ultra kommt ungeschoren davon

Aichach (al) Stell dir vor, es ist Krieg – und niemand geht hin. So ähnlich muss sich auch ein Polizeiaufgebot im Januar vorigen Jahres in Mering gefühlt haben. Wegen Vortäuschung einer Straftat musste sich jetzt ein junger Mann aus dem südlichen Landkreis ...

Aichach (al) Stell dir vor, es ist Krieg – und niemand geht hin. So ähnlich muss sich auch ein Polizeiaufgebot im Januar vorigen Jahres in Mering gefühlt haben. Wegen Vortäuschung einer Straftat musste sich jetzt ein junger Mann aus dem südlichen Landkreis vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Es gab einen glatten Freispruch von Richter Dieter Gockel.

Der 24-Jährige ist Mitglied der Meringer Ultras. Kurzgeschorenes Haar, Trainigsjacke, die Jeans bis zu den Knien hochgekrempelt sitzt er ruhig auf der Anklagebank. Im Januar 2012 hat er angeblich einen Anruf von einem „Augsburger Bürgerwehrler“ erhalten. Inhalt: „Am 14. Januar rücken wir mit 120 Mann an und machen euch am Bahnhof platt.“ Der Maurer hat die Drohung ernst genommen und die Friedberger Polizei verständigt. „Die haben uns schön öfter aufgelauert, das war nicht zum ersten Mal“, betonte der Maurer.

Auch die Polizei nahm die Sache ernst und rückte am besagten Tag mit einem Großaufgebot am Meringer Bahnhof an, um eventuelle Kampfhandlungen zu verhindern. Aber es kam niemand. Weit und breit keine „Augsburger Bürgerwehr“ zu sehen. Der Angeklagte glaubte dennoch, dass einige vor Ort waren und die Lage ausspionierten. Schließlich musste er sich später Hänseln lassen: „Ihr wollt euch nur hinter der Polizei verstecken.“ Der Angeklagte glaubte, dass sich die Kontrahenten aus der Fuggerstadt nur nicht zeigten, weil sie nicht geschnappt werden wollten.

Die „Bürgerwehr Augsburg“ rekrutiere sich aus ehemaligen FCA-Fans, erklärte der Meringer Ultra. „Die haben sich auf die Fahne geschrieben die Stadt auf der Straße zu vertreten und lauter so Käse. Ich weiß auch nicht, was sie davon haben“, schüttelte er verwundert den Kopf.

Seine Telefonnummer sei bekannt gewesen wie „ein bunter Vogel“. Einige Mobil-Netze wurden überprüft, ob es den Anruf tatsächlich auf das Handy des Angeklagten gegeben hat. Fehlanzeige.

Allerdings wurden zwei entscheidende Netzbetreiber, Telekom und 1 &1, nicht kontrolliert. Somit war nicht auszuschließen, dass es den Anruf doch gegeben hat. Staatsanwalt Ralf Hirmer forderte daher einen Freispruch. Dem folgte Gockel, der abschließend betonte: „Ich glaube schon, dass da was war…“.



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Veröffentlicht am 21.04.2013 14:46 Uhr