Aichach    

Doppelte Arbeit und kein Miteinander

Aichach - Sie leisten bei Einsätzen mehr, doch kaum ist die Arbeit getan, müssen sie sich wieder voneinander verabschieden: Die Einsatzkräfte der Aichacher Feuerwehr kämpfen in diesem Jahr nicht nur gegen Brände, befreien Menschen aus verunfallten Autowracks - es ist heuer auch ein Kampf mit den Corona-Schutzmaßnahmen, die die Blaulicht-Ehrenamtlichen vor große Herausforderungen stellen.


Belastungsprobe für Feuerwehren
Die Atemschutzträger tragen ihren Mund-Nasen-Schutz sowieso als Teil ihrer Ausrüstung. Alle anderen Feuerwehrler müssen aber ständig wachsam sein, im Umgang miteinander und mit Verletzten.
Manfred Schalk

Seit März finden bei der Aichacher Feuerwehr keine oder nur eingeschränkt Übungen statt, nur noch in Ausnahmefällen gibt es gemeinsame Nachbesprechungen und Treffen abseits des Ernstfalls sind völlig weggebrochen, sagt Kommandant Christoph Fischer. Im Stüberl im Feuerwehrhaus sei sogar schon das Bier abgelaufen, "das gab's noch nie", sagt Fischer und lacht. Doch hinter diesem Lachen versteckt sich natürlich auch Trotz. Denn der 32-Jährige ist sich durchaus bewusst: Die durch die Corona-Beschränkungen weggefallenen sozialen Kontakte mit den Kameraden sind kaum zu ersetzen: "Das Miteinander ist die Schmiere jedes Ehrenamts."
Es sei ein komisches Gefühl, erklärt Fischer weiter, wenn man irgendwo hingerufen werde, wo es heißt "Räum' mal die Ölspur weg", und hinterher sagt man sich kurz Servus und alle gehen wieder auseinander. "Da fehlt was". Während des Sommers habe sich die Lage etwas entspannt, nun sei der Übungsbetrieb und alles andere wieder komplett eingebrochen.
Obwohl das gesellschaftliche Leben im Freistaat heuer streckenweise still stand, seien die Einsätze aber nicht großartig weniger geworden, sagt Fischer. Was sich geändert hat: Die Freiwillige Feuerwehr rückt nur noch mit etwa der Hälfte der üblichen Truppenstärke an. "Wenn nötig, werden weitere Kräfte dann nachalarmiert", sagt Fischer.
Christoph Fischer will durch verschiedene Maßnahmen erreichen, dass bei einem Corona-Fall so wenige Einsatzkräfte wie möglich in Quarantäne müssen. Konkret bedeutet das: Die Einsätze werden körperlich fordernder, "einer arbeitet für zwei", stellt der Kommandant fest, aber anders sei es momentan eben nicht zu machen, wenn die Wehr einsatzfähig bleiben soll. "Wir haben aktuell rund 100 aktive Feuerwehrler", sagt Fischer, davon seien aber nur etwa ein Drittel tatsächlich verfügbar, sprich sie arbeiten in der Nähe. "Wenn unter denen zehn, zwölf durch Corona oder Quarantäne wegfallen, kann es schwierig werden." Seine Kameraden und er müssten deshalb ständig wachsam sein.
"Wir versuchen zum Beispiel den Kontakt mit Verletzten oder Patienten so gering wie möglich zu halten." Gibt es wie kürzlich etwa eine Brandmeldung im Pflegeheim Heilig-Geist-Spital, "geht man mit sehr viel weniger Leuten rein", sagt der 32-Jährige, um zu verhindern, dass Bewohner angesteckt werden oder umgekehrt, dass sich Einsatzkräfte womöglich mit dem Virus infizieren.

Von Thomas Winter

 


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Veröffentlicht am 19.11.2020 15:59 Uhr