Aichach    

Vater und Sohn vor Gericht

Aichach - Eine für den Zuschauer ungeahnte Wendung nahm eine Verhandlung am Aichacher Amtsgericht, bei der sich ein Vater und sein Sohn wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatten. Denn zunächst beteuerten sie in ihren Schilderungen noch, selbst zu Opfern geworden zu sein - am Ende gestanden sie dann.

Der 43-Jährige war mit seinem 19-jährigen Sohn und seiner siebenjährigen Tochter Mitte November des vergangenen Jahres an einem Nachmittag mit dem Auto aus dem südlichen Landkreis aufgebrochen, weil der Vater über Ebay einen Reifenkauf vereinbart hatte. Am Ziel in Gersthofen angekommen, kam es am Grundstück eines Nachbarn des Verkäufers zu den Handgreiflichkeiten.
Laut Aussage des Angeklagten habe er seinen Sohn von außerhalb des Wagens beim Einparken eingewiesen, als der Fahrer eines Geländewagens ebenfalls Halt machte, ausstieg, ihn beschimpfte und schubste, weil er angeblich auf dessen Grundstück gestanden habe. Es seien Faustschläge gefolgt, gegen seine Brust und die Rippen des Sohnes. "Dann hab' ich mich gewehrt und es ist eskaliert", sagte der angeklagte Vater aus. Auch der Sohn des Jeep-Fahrers sei daraufhin ausgestiegen und habe ihn von hinten attackiert. 
Die Aussage des 19-jährigen Mitangeklagten deckte sich mit den Schilderungen seines Vaters neben ihm auf der Anklagebank.
So gar nicht ins bis dahin gezeichnete Bild passte da die Zeugenaussage eines 28-jährigen Nachbarn. Dieser war in seiner Garage, als der Streit zwei Häuser weiter ausbrach. Vier bis fünf Mal habe er seinen Nachbarn schreien hören: "Jetzt runter von meinem Grundstück!" Er habe nachgesehen, was vor sich ging: Der 43-jährige Angeklagte habe sich in diesem Moment seiner Jacke entledigt und gesagt "Dann tragen wir's aus wie Männer!". Er habe zum ersten Schlag Richtung Opfer ausgeholt und dieses mit der rechten Hand auf der Nase getroffen. Bis der Nachbar seine Garage verlassen und an der Szenerie angekommen war, hatte sich diese aufgrund des Gerangels bereits bis in die Garage des Grundstücks, um das es in dem Streit ging, verlegt. Dort habe das Opfer an der Wand gelegen, mit schützenden Händen vor dem Gesicht, während Vater und Sohn auf ihn eingeschlagen und eingetreten hätten. 
Der Bericht des Zeugen zum Tatgeschehen deckte sich mit der Anklage, laut der das Opfer eine Nasenbeinfraktur, Schürfwunden, Prellungen, unter anderem am Schädel, und Hämatome davongetragen hatte.
Zur Kehrtwende in der Verhandlung kam es nach einem Rechtsgespräch zwischen Richterin Eva-Maria-Grosse, der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern der beiden Angeklagten. In dem hatte man sich für den Vater auf ein Strafmaß zwischen zehn und zwölf Monaten geeinigt, sollte sich dieser geständig zeigen. Was er und sein Sohn daraufhin taten, beide gestanden nun vollumfänglich.

Richterin Eva-Maria Grosse verurteilte den Sohn zu 80 Sozialstunden und einer Gesprächsweisung mit dem Thema Konfliktverhalten. Der Vater wurde zu zehn Monaten auf Bewährung und einer Geldauflage von 600 Euro an den Bunten Kreis, der Familien mit chronisch, krebs- und schwerstkranken Kindern betreut, verurteilt. 

Von Nayra Weber



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Veröffentlicht am 14.10.2020 17:03 Uhr



 
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