Aichach    

Diskussionen um einen Rathaus-Umbau

Altomünster - Das Altomünsterer Rathaus platzt aus allen Nähten. Einem Bauwerber kann es schon einmal passieren, dass sein Antrag an einem Stehtisch im Verbindungsraum im ersten Stockwerk verhandelt wird. Die Marktgemeinde wächst, die Verwaltung auch, das Rathaus nicht. Corona hat die Raumnot noch verschlimmert. Aus diesen Gründen legten Bürgermeister Michael Reiter und Amtsleiter Christian Richter dem Gemeinderat am Dienstagabend einen Vorschlag vor, der Abhilfe schaffen soll. So viel vorweg: Er traf auf keine Gegenliebe, vorsichtig gesagt.


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Die Robinie und die Bank im Altohof würden der rückwärtigen Glas-Stahl-Wandkonstruktion zum Opfer fallen. Denn die Wand setzt an der Rathaustür zum Treppenhaus an und trifft genau bei dem Baum auf ihr Gegenstück, quasi die Verlängerung der Außenwand des alten Rathauses. Vor dessen Altohoffront wird zudem eine verglaste Außentreppe gesetzt. Fotos: Horst Kramer


Der Plan: Die Verwaltung bezieht das Erdgeschoss und das Obergeschoss im benachbarten alten Rathaus. Die Volkshochschule, die dort untergebracht ist, erhält neue Räumlichkeiten in der Schultreppe 4. Der Geschirrverleih wird auf das Bauhofgelände verlagert. "Mit den Ansprechpartnern des Asylhelferkreises wird aktuell über verschiedene Alternativen gesprochen", berichtete Richter.
Das Untergeschoss mit dem Altonetz-Büro und dem öffentlichen WC bleibt unverändert.
Alles Pläne, mit denen der Gemeinderat kein Problem hatte.
Doch Reiter und Richter wollen mehr: Das neue Rathaus und das alte Rathaus sollen durch einen Glas-Stahl-Bau miteinander verbunden werden, ähnlich dem Glasdach, das derzeit zwischen den Gebäuden aufgehängt wird. Am oberen Treppenabsatz soll eine Stahl-Glas-Wand mit einer Schiebetür hochgezogen werden. Ihr Gegenstück an der Altohof-Seite soll hinter der Tür, die zum Treppenhaus Richtung Sitzungssaal führt, hochgezogen und mit einer weiteren Außentür ausgestattet werden. Die Robinie mit der Rundumbank würde dem Bau zum Opfer fallen.
Auf der Altohofseite des alten Rathauses muss aus Brandschutzgründen ein zweites Treppenhaus angebracht werden. Zwischen dem ersten Stock des neuen Rathauses und dem Obergeschoss des Vorgängerbaus soll ein Durchgang eingebaut werden, als barrierefreier Zugang und Fluchtweg. Die gesamte Konstruktion muss natürlich überdacht werden. Zudem muss das Dach des alten Rathauses energetisch saniert werden, wie der Bürgermeister anmerkte.
Der gewonnene Raum zwischen den Gebäuden fungiert als neues Foyer. Das bisherige Foyer könne dann besser genutzt werden, erläuterte der Amtsleiter. Die Teambindung der gesamten Verwaltung bleibe erhalten, ergänzte der Rathauschef.
Richter nannte erste Kosteneckpunkte: Demnach addieren sich die Baumaßnahmen in beiden Rathäusern auf rund 238 000 Euro, die Dachsanierung schlägt mit 72 000 Euro zu Buche, der Verbindungsbau mit 155 000 Euro. Für die Büroausstattung sind 55 000 Euro eingeplant. Die Planungskosten betragen rund 70 000 Euro.
Keines der Ratsmitglieder bestritt den Raumbedarf der Verwaltung. Zumal Reiter wie Richter mehrfach auf die "äußerste Dringlichkeit" der Maßnahme hinwiesen. Doch für die Schließung des Durchgangs vom Marktplatz zum Altohof zeigten viele Räte kein Verständnis. Als erster äußerte sich der Dritte Bürgermeister Josef Riedlberger (CSU): "Für die Bürger ist der Durchgang wichtig. Den darf man nicht verbauen." Ähnlich äußerten sich Elisabeth Glas (FWG), Maria Buchberger (CSU) oder auch Josef Stichlmair (CSU). Der Bankmanager verwies auf seine beruflichen Erfahrungen: "Zwei Teams können auch gut zusammenarbeiten, wenn sie in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht sind." Hubert Güntner (FWG) fragte nach, ob man die Glastüren des Verbindungsbaus durchgängig offen halten könne. "Wenn, dann nur zu den Geschäftszeiten des Rathauses", stellte Richter klar. Er brachte stattdessen eine überdachte Verbindungsbrücke zwischen den Gebäuden auf Höhe des ersten Obergeschosses ins Spiel. Eine ähnliche Lösung wurde vor einigen Jahren in Indersdorf realisiert.
Markus Hagl (FWG) schlug schließlich vor, zwei Planungen anzustoßen: eine mit dem kompletten Zwischenbau sowie die Alternative mit der Brücke zwischen beiden Gebäuden. Er warnte: "Der Durchgang ist ein emotionales Thema." Die Brücken-Idee fand Anklang, etwa bei Martina Englmann, Roland Schweiger und Georg Huber (alle CSU). Englmann verwies zudem auf die mutmaßlich geringeren Kosten einer Brückenkonstruktion
Das Gremium beschloss schließlich, zwei Ansichten erstellen zu lassen: eine mit dem Zwischenbau, wie von der Verwaltung geplant, und die zweite mit einer überdachten Verbindungsbrücke. Nur Marianne Kerle (CSU) stimmte dagegen: Sie wollte den Rathaus-Umbau in den ISEK-Prozess integrieren. "So lange können wir nicht warten", beschied ihr der Bürgermeister.

Von Horst Kramer


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Der Durchgang zwischen dem alten und dem neuen Rathaus soll nach den Plänen der Verwaltung geschlossen und mit einem Glas-Stahl-Zwischenbau ergänzt werden.



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Veröffentlicht am 24.09.2020 17:23 Uhr



 
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