Aichach    

Kaum Bedarf für zusätzliche Busse

Aichach-Friedberg - Im abgelaufenen Schuljahr lief es nicht selten so: In den Schulen wurde penibel darauf geachtet, dass die Schüler die nötigen Abstands- und Hygieneregeln einhalten und möglichst nur mit ihren Klassenkameraden Kontakt haben. Und draußen, vor Schulbeginn? Drängelten sich die Jungen und Mädchen dicht an dicht in die Busse - und zwar aus verschiedenen Klassen und verschiedenen Gemeinden.


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Zusätzliche Busse zur Schülerbeförderung sind insgesamt bislang nur wenige im Einsatz. Foto: Erich Hoffmann


Zum Ende der Sommerferien hat die Staatsregierung nun deshalb beschlossen, zusätzliche Busse einzusetzen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen sich nicht zu nah kommen und damit das Infektionsrisiko minimiert wird. Finanziert wird der Einsatz sogenannter Verstärkerbusse vom Freistaat Bayern, so versprach es Ministerpräsident Markus Söder.
Allzu viele zusätzliche Busse sind im Raum Aichach seit Schulbeginn aber noch nicht unterwegs. Busreisen Efinger etwa stellt zwei zusätzliche Fahrzeuge zur Verfügung und das momentan auch nur morgens, wie Josef Ziegler, Geschäftsführer des Busunternehmens, betont. Befördert werden damit Schüler der Grund- und Hauptschulen. Der kommunale Aufgabenträger in diesem Fall ist die Stadt Aichach.
Warum aktuell nicht mehr Busse benötigt werden? Josef Ziegler vermutet, wegen des schönen Wetters, "Da sind viele Kinder und Jugendliche noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs". Bis zu den Herbstferien (31. Oktober bis 6. November) werde man aber beobachten, wie sich der Bedarf entwickelt und gegebenenfalls aufstocken.
Omnibusse zur Schüler-Beförderung hätte die Firma Efinger indes genügend in petto. "Unsere Reisebusse sind alle abgemeldet, es besteht einfach keine Nachfrage nach Busreisen", stellt der Geschäftsführer des Aichacher Unternehmens nüchtern fest.
Obwohl das Reisen mit Bussen wieder erlaubt sei, sogar jeder Sitzplatz belegt werden dürfe, so Josef Ziegler, wolle niemand in Firmen oder bei Vereinen die Verantwortung übernehmen, "falls doch was wäre". Das bestätigt auch Busunternehmer Roland Lunz aus Obergriesbach. Er beschreibt den gleichen Sachverhalt mit den Worten: "Den Schuh will sich keiner anziehen."
Nur sehr langsam laufe das Geschäft wieder an, so Lunz weiter. Zum Beispiel setze allmählich wieder ein Flughafentransfer ein, und auch die Törggelenfahrt nach Südtirol funktioniere. Darüber hinaus sehe es aber eher mau aus. Zusätzliche Busse zur Schülerbeförderung wurden bei der Obergriesbacher Firma, die sich um den Schulverkehr in Dasing kümmert, bisher nicht geordert - auch nicht vom AVV, wie Roland Lunz erklärt. Der AVV, also der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV), ist für die weiterführenden Schulen, etwa Gymnasium und Realschule, zuständig.
Laut Bernd Wagner, beim AVV federführend für die Planung, reichten in Aichach die bisherigen Busse leicht aus. 16 Leute hätten im Landkreis kontrolliert, wo es erhöhten Bedarf gebe. Zudem reagiere man auf Hinweise von Schulleitern und Lehrern. In der Paarstadt "war aber alles in Ordnung", so Wagner.
So weit, so gut? Von Elternseite hört man zu dem Thema gelegentlich andere "Geschichten". Von Busfahrern etwa, die den Infektionsschutz besonders ernst nehmen, alle Klappfenster im Bus geöffnet haben, dass manche Kinder während der Fahrt sogar Mütze tragen müssen. Andere erzählen von Schulbussen, die nach wie vor überfüllt sind.
Im Dachauer Land ist seit dieser Woche ein Verstärkerbus für die Schulfahrt der MVV-Buslinie 729 für die Verbindung "Weichs - Markt Indersdorf" eingesetzt. Zudem fährt ein größerer Bus auf der Linie 708 ab Großnöbach, wodurch die Fahrgastkapazität vor allem von Vierkirchen zu den Indersdorfer Schulen gestärkt wird.
Ob nach den Herbstferien der Bedarf zunimmt, wird sich noch zeigen. Den erhofften finanziellen Ausgleich durch Verstärkerbusse scheint es für die von Corona stark gebeutelten privaten Verkehrsunternehmen bisher noch nicht zu geben. Das zumindest war die anfängliche Hoffnung des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO), der die Maßnahme des Freistaats klar begrüßt hatte.

Von Thomas Winter



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Veröffentlicht am 20.09.2020 16:17 Uhr



 
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