Aichach    

Landkreis will Menschen aus Moria aufnehmen

Aichach - Der Landkreis Aichach-Friedberg reiht sich in die Riege der mindestens 200 deutschen Städte und Gemeinden ein, die anbieten, Menschen aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufzunehmen. Dazu entschied sich der Kreisausschuss des Kreistags Aichach-Friedberg am Montag nach der Beratung eines Dringlichkeitsantrags der Grünen. Marion Brülls begründete das Ansinnen ihrer Fraktion: "Ich weiß, dass wir das rein rechtlich gar nicht entscheiden dürfen. Das muss das Bundesinnenministerium tun. Aber wir haben Kapazitäten frei, und öffentlicher Druck kann etwas bewegen."


Das hat er offensichtlich getan. Nachdem Innenminister Horst Seehofer vergangene Woche noch höchstens 150 der 12 000 Menschen aus dem Lager in Moria in Deutschland aufnehmen wollte, hat sich die Regierung gestern auf 1500 Menschen geeinigt. Bei 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten in der Bundesrepublik müsste der Landkreis Aichach-Friedberg rein rechnerisch nur vier Menschen aufnehmen, 25 hatten die Grünen in ihrem Antrag vorgeschlagen.
Den nahmen sie im Laufe der Diskussion zumindest in der Formulierung zurück. Denn für eigenständig vom Landkreis aufgenommene Geflüchtete gäbe es vom Bund keinerlei Erstattung für die Dauer ihres Aufenthalts, wie Landrat Klaus Metzger darlegte. Zugleich sieht auch er "die humanitäre Katastrophe" auf Lesbos. Er regte eine andere Formulierung an: "Der Landkreis Aichach-Friedberg unterstützt die Aufnahme von Menschen aus Moria" und werde diese Bereitschaft den zuständigen Stellen mitteilen.
Marion Brülls war damit zwar nicht ganz glücklich, zumal alle von der Bundesrepublik aufgenommenen Geflüchteten ohnehin nach einem festgelegten Schlüssel verteilt werden. "Ich hätte mir hier im Gremium mehr Entschlossenheit gewünscht, aber ich kann mit dem Kompromiss leben." Das konnten alle Mitglieder des Ausschusses mit Ausnahme von Josef Settele (AfD). Er war der Ansicht, die Grünen sollten entweder Geld nach Lesbos schicken, oder die Menschen bei sich zu Hause aufnehmen.

Von Carina Lautenbacher



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Veröffentlicht am 15.09.2020 16:50 Uhr



 
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