Aichach    

Schließung kleiner Kliniken wäre ein völliger Irrweg

Aichach - Auch das Schlimme hat bekanntlich seine guten Seiten. Das gilt auch für die Corona-Pandemie. Die hat nicht zuletzt gezeigt, wie wichtig die kleinen Krankenhäuser sind. "Die Kliniken an der Paar haben exzellente Arbeit geleistet. Es hat sich gezeigt, dass die Schließung von Hospitälern auf dem Land ein völliger Irrweg ist. Die leidige Diskussion sollte für den ländlichen Bereich vom Tisch sein", sagte Landrat Dr. Klaus Metzger am Mittwoch bei der Sitzung des Krankenhaus-Werkausschusses. Wie die gute Arbeit in Aichach und Friedberg genau aussieht, erläuterten Geschäftsführer Dr. Hubert Mayer und sein Stellvertreter Peter Schiele im Detail.


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Gute Arbeit bescheinigte der Werkausschuss dem Aichacher Krankenhaus während der Corona-Pandemie. Foto: Tanja Marsal


Grundsätzlich wurden positiv auf Covid-19 getestete Patienten nur im Krankenhaus Aichach behandelt, alle andere Behandlungen führte Friedberg durch. Bis heute wurden 57 Corona-Patienten versorgt. Seit April wurden praktisch durchweg immer fünf Patienten auf der Intensivstation beamtet, insgesamt waren es sieben. Dabei war die Behandlungsdauer mit zum Teil 50 bis 60 Tagen sehr lange, aber "alle haben gesund und auf eigenen Füßen das Krankenhaus verlassen", sagte Mayer. Teilweise hat das Personal die schwerkranken Menschen in Zwölf-Stunden-Schichten mit voller Schutzausrüstung betreut.
Zwei ältere Patienten wurde so schwer erkrankt eingeliefert, dass sie während der Aufnahme verstarben, sie wurden also gar nicht mehr intensiv behandelt. Andere ebenfalls ältere Patienten, die verstorben sind, wollten keine Intensivbehandlung oder hatten sie von vornherein ausgeschlossen (etwa durch eine Patientenverfügung).
Im Krankenhaus waren auch 350 Personen, bei denen sich der Verdacht auf eine Infektion nicht bestätigte. 200 davon kamen von Friedberg nach Aichach. Das Krankenhaus Aichach war während der Hochzeit der Pandemie eines von vier Schwerpunktkrankenhäusern im Rettungsdienstbereich Augsburg. Die anderen sind Schwabmünchen, Wertingen und die Uniklinik Augsburg.
In Aichach hat sich bei der Arbeit kein Klinikmitarbeiter infiziert. Allerdings mussten für einen Tag 25 Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden, nachdem ein Test bei einer Patientin, die nicht wegen Corona in der Klinik war und verlegt werden sollte, positiv ausgefallen war. Alle Mitarbeiter waren dann jedoch bei mehrfach durchgeführten Tests negativ. Dennoch habe man, erklärte Mayer, die Schutzmaßnahmen noch einmal verstärkt.
Als im Frühjahr noch völlig unklar war, welches Ausmaß die Pandemie annimmt und wie viele Erkrankte behandelt werden müssen, wurde die Zahl der Intensivbetten im Landkreis wie überall nach Maßgabe der Staatsregierung stark ausgebaut. Normalerweise sind in Aichach acht und in Friedberg sechs Intensivbetten vorgesehen. Durch sogenannte Intermediate-Care-Betten kann die Kapazität in Aichach auf maximal 16 und in Friedberg auf maximal zehn Betten ausgebaut werden. Das alte Krankenhaus in Aichach war als Notfallkrankenhaus vorbereitet worden und wäre dafür als einziges in Schwaben zur Verfügung gestanden.
Im März seien die Intensivbetten mit Corona-Patienten zeitweise ausgelastet gewesen, sagte Mayer. Nach dem Ausbau der Kapazität waren aber immer Betten zur Verfügung gestanden, es hätten also auch dann noch Menschen angemessen versorgt werden können, wenn die Pandemie in der Region schlimmer verlaufen wäre. Die Erhöhung sei "vorausschauend und weitsichtig gewesen", stellte der Geschäftsführer klar.
Nachdem alle Nicht-Corona-Patienten nach Friedberg gewandert sind und generell Operationen und Untersuchungen wegen der Ansteckungsgefahr nicht möglich waren, oder weil die Kapazitäten vorgehalten werden mussten, gingen die Einnahmen der beiden Krankenhäuser zurück. Davon ist vor allem Aichach mit einem Minus von etwa 30 Prozent betroffen.
In den Notaufnahmen hat es eine Verschiebung gegeben. Laut Mayer hat die Zahl der Verletzungen zugenommen, weil nach seinen Worten offensichtlich viele Menschen (sportlich) aktiv geworden seien, die das schon länger nicht mehr gemacht hätten. Das habe zu zum Teil "kuriosen Verletzungen" geführt. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass gleichzeitig viele kranke Menschen, die eigentlich im Krankenhaus hätten behandelt werden müssen, aus Sorge vor Ansteckung nicht gekommen sind. Das betrifft aus seiner Sicht zum Beispiel Schlaganfälle oder Herz-Lungen-Erkrankungen.
Die Ausfälle bei den Erlösen sollen vom Staat ausgeglichen werden. Wann und in welcher Höhe das geschehen wird, ist noch unklar und muss noch verhandelt werden. Nachdem die meisten Verordnungen mittlerweile gelockert wurden oder ganz aufgehoben sind, nähern sich die Kliniken an der Paar, wenn auch zögerlich, wieder dem Normalbetrieb an.

Von Dr. Berndt Herrmann



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Veröffentlicht am 02.07.2020 17:50 Uhr



 
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