Aichach    

Urlaub ins Ungewisse

Aichach - Wird es schon bald wieder möglich sein, ins Ausland zu verreisen? Am Montag hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) angekündigt, die weltweite Reisewarnung zum 15. Juni für die EU aufzuheben. An deren Stelle sollen Reisehinweise treten, die über die derzeit geltenden Risiken und Beschränkungen in den jeweiligen Urlaubsländern informieren. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) allerdings sprach sich gegen vorzeitige Lockerungspläne aus.


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Ein Strandurlaub im Ausland ist für viele Menschen das Highlight im Jahreskalender. Heuer fällt er für viele Familien aus. Foto: Pixabay/pexels


"Man muss einfach abwarten, es ergeben sich ständig neue Entwicklungen", weiß Robert Reichle, Betreiber des Reisebüros am Tandlmarkt. Hinzu kämen unterschiedliche Regelungen in den jeweiligen Bundesländern, in den entsprechenden Urlaubszielen und letztlich in den Lokalitäten vor Ort, also zum Beispiel den Hotels. Für Einreisende nach Spanien etwa gilt noch voraussichtlich bis mindestens 7. Juni eine zweiwöchige Quarantäne.
"Diese Ungewissheit, das ist halt ein bisschen schwierig", gibt Reichle zu verstehen. In den vergangenen Wochen habe er hauptsächlich Stornierungen und die damit verbundenen Rückabwicklungen sowie Umbuchungen zu bearbeiten gehabt. Vereinzelt hätten sich auch schon Kunden wegen der Planung eines neuen Urlaubs gemeldet. Das Reisebüro ist momentan per Mail und telefonisch zu erreichen. "Über zu wenig Arbeit können wir uns nicht beklagen", resümiert Reichle. Doch weil derzeit noch eine weltweite Reisewarnung gilt und daher so gut wie keine Reisen gebucht werden, sei es auch so: "Es ist einiges zu tun, und im Prinzip machen wir das alles ehrenamtlich."
Selbst wenn die Lockerungen für Reisen innerhalb der EU eintreten, ist sich Reichle sicher: "Normal anlaufen wird es nicht." Zuerst würden "die Unerschrockenen" wieder verreisen, zudem sei die jeweilige Reiselust der Kunden zu Corona-Zeiten auch abhängig vom gewünschten Reiseziel. Es herrsche viel Unsicherheit, berichtet Reichle. "Aber der Rückhalt von den Kunden macht auch Mut." Viele würden bei einer Stornierung ihre Treue signalisieren für den Fall, dass eine erneute Buchung erfolgt.
Von sowohl ängstlichen Kunden als auch solchen, die sich schon sehr auf eine Urlaubsreise freuen, berichtet auch Stefanie Deiters-Galiläa, Inhaberin des Reisebüros Urlaubsoase.net. "Die stehen kopfmäßig schon in den Startlöchern, aber die Verunsicherung ist groß", weiß sie.
Rund 100 E-Mails und 30 Anrufe gehen derzeit in dem Reisebüro in der Bauerntanzgasse ein. Stefanie Deiters-Galiläa und ihr sechsköpfiges Team, das derzeit zu 50 Prozent in Kurzarbeit tätig ist, sind dabei, was die Abwicklung angeht, noch nicht einmal mit den Pfingstferien durch. Die Arbeit sei "immens zeitaufwendig", sagt die Chefin. Die Kunden hätten in der Regel Verständnis und Geduld. Ab 2. Juni ist das Reisebüro wieder vormittags für persönlichen Kontakt geöffnet.
Urlaubsoase.net nimmt aufgrund der unklaren Lage Buchungen erst wieder für Mitte August auf, außer für Reisen innerhalb Deutschlands, in die Schweiz und nach Österreich, da kann man ab Mitte Juni planen. Nachfragen kämen schon, sagt Stefanie Deiters-Galiläa, unter anderem besonders für Griechenland und Kroatien.
Sie hofft, dass sich die Lage spätestens mit Beginn des kommenden Jahres wieder richtig normalisiert hat, was die Buchungsfrequenz angeht. Denn das sei schon "eine ganze Weile, die man überbrücken muss" mit den Umsatzeinbußen. Man habe allerdings "gut gewirtschaftet" und könne bisher noch auf "eine sehr gesunde Rücklage" zurückgreifen. Entlassungen wären für Stefanie Deiters-Galiläa die allerletzte Konsequenz; sie hoffe, dass diese nicht notwendig werde, macht sie klar.
Während Reisehinweise lediglich eine allgemeine Informationsstufe sind zu relevanten Besonderheiten eines Landes und keinen Einfluss auf die Reisebedingungen der Tourismusindustrie haben, stellt die derzeitige Reisewarnung die höchste Warnstufe des Auswärtigen Amts dar. Sie wird nur ausgesprochen, wenn Reisenden eine konkrete Gefahr für Leib und Leben droht. Zum ersten Mal überhaupt weltweit entschloss sich das Amt dazu am 17. März dieses Jahres wegen der Corona-Pandemie. Eine offizielle Reisewarnung hat Auswirkungen auf die Stornierungsbedingungen zum Beispiel von Pauschalreisen, Kunden können dann kostenfrei stornieren.
Erneut beraten wird Maas mit den EU-Außenministern der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen in zwei Wochen. Die Lage wird Woche für Woche neu bewertet und daraufhin entschieden, wie weiter verfahren werden kann.

Von Nayra Weber



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Veröffentlicht am 20.05.2020 17:20 Uhr



 
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