Aichach    

Tod im Awo-Heim: Angehörige erstattet Anzeige

Aichach - Wegen eines Corona-Todesfalls im Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Aichach ist jetzt Anzeige erstattet worden. Eine Angehörige eines Verstorbenen hat die Polizei eingeschaltet. Die Anzeige lautet auf fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge. Das bestätigte die Polizei gestern auf Nachfrage.


Im Maria-Simon-Seniorenheim der Awo verstarben seit dem 29. März 17 Bewohner, elf davon an Corona, sechs "mit Corona". Sie hatten also Vorerkrankungen, die Sars-CoV-2-Infektion kam hinzu; alle Leiden zusammen führten zum Tod. Um einen solchen Fall handelt es sich auch bei dem angezeigten: Ein 82-jähriger Mann, der seit längerer Zeit im Awo-Heim lebte und mehrere Schlaganfälle hinter sich hatte, verstarb im April.

Das Gesundheitsamt Aichach wirft den Betreibern des Awo-Hauses Versäumnisse vor (wir berichteten). 
Ob es wegen der Toten aus dem Seniorenheim zu einer Anklage kommt, kann bisher niemand sagen. Derzeit ermittelt die Kriminalpolizei die Hintergründe. Sie muss klären, ob es im Awo-Heim zu Nachlässigkeiten gekommen ist, die den Tod von Menschen verursacht haben. "Danach werden wir prüfen, welche Strafnormen angewandt werden", erklärt der Augsburger Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai.

Eines wird bei den polizeilichen Ermittlungen eine besondere Rolle spielen: die Kausalität. Also die Frage: Was hat zu welchen Folgen geführt, und wer ist schuld daran? Bei einer Infektion beispielsweise mit dem HI-Virus ist das nachzuvollziehen: Ein Mensch hat einen anderen durch Geschlechtsverkehr direkt angesteckt. Bei einer Epidemie wie der von Sars-CoV-2 ist die Verursacherkette allerdings schwieriger nachzuvollziehen.

Von Wolfgang Glas



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Veröffentlicht am 11.05.2020 16:10 Uhr



 
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