Aichach    

"Wir behandeln jeden unserer Patienten"

Aichach - Vehement weisen Ärzte die Vorwürfe des Gesundheitsamts und des Landratsamts zurück, Praxen im Wittelsbacher Land würden sich weigern, Patienten mit Infektionsanzeichen zu behandeln. Mehrere Mediziner sprachen mit der AICHACHER ZEITUNG über ihre aktuell schwierigen Arbeitsbedingungen.

Schockiert und wütend waren die Reaktionen auf die Kritik, die Gesundheitsamtschef Dr. Friedrich Pürner und Landrat Klaus Metzger in dieser Woche bei einem Pressegespräch geäußert hatten. Unter anderem sei es vorgekommen, dass Ärzte erst negative Corona-Tests verlangt hätten, ehe sie Menschen mit Symptomen behandeln wollten. "Dieser Vorwurf stimmt nicht", sagt zum Beispiel der Allgemeinmediziner Dr. Mathias Glück aus Kühbach.
Glück hat wie viele seiner Kollegen keine Schutzausrüstung, kann also Menschen mit Verdachtssymptomen und an Covid-19-Erkrankte nicht behandeln, ohne sich, seine Mitarbeiter und den gesamten Praxisbetrieb zu gefährden. Für den Nachschub an Schutzausrüstung wäre die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Die habe zwar gesagt, dass Material automatisch verteilt werde. Angekommen ist in Kühbach bislang aber nichts. Mit Schutzausrüstung wäre es leichter: "Ich könnte meine Garage ausräumen, einen Heizstrahler reinstellen und eine Sprechstunde für Menschen mit Symptomen anbieten."
Glücks Praxis ist fast leer, alle Routineuntersuchungen wurden abgesetzt, die Betreuung von Menschen mit grippeähnlichen Symptomen läuft telefonisch. "Man kann eine diagnostische Abfrage machen, wie die Symptome aussehen und versuchen, einen bakteriellen Infekt auszuschließen, der nicht häufig vorkommt.", sagt der Mediziner. Bei Bedarf gibt es eine Krankschreibung, Rezepte werden auf Wunsch direkt an die Apotheke weitergegeben, die auch ausliefert.
Derzeit überlegt Mathias Glück, ob er eine Videosprechstunde einführen soll.
Einer seiner Kollegen, Dr. Christoph Bringmann vom Ärztehaus Aichach, hat einen Vorteil: Er hat noch Schutzbekleidung, die er an einem Samstagmorgen um 6 Uhr bestellt hat, als die Corona-Welle über Italien hereinbrach. Zu diesem Zeitpunkt hat die Praxis damit begonnen, eine räumlich komplett getrennte Infektionssprechstunde anzubieten, die Ärzte in Schutzkleidung mit Maske und Brille durchführen. So kann das Ärztehaus auch positiv getestete Personen behandeln, wobei Dr. Christoph Bringmann darauf hinweist, dass seine Praxis das für ihre Patienten macht und nicht für alle anderen Coronafälle anbieten kann.

Von Carina Lautenbacher



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Veröffentlicht am 26.03.2020 17:35 Uhr



 
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