Aichach    

Vom Virus ausgebremst: Zwei Aichacher in Marokko gestrandet

Aichach - Die beiden Aichacher Pia Kneißl und Michael Wollmann nutzen ein Sabbatjahr für eine ausgedehnte Reise. Von der Corona-Krise überrascht, sitzen sie mit ihrem Wohnmobil in Marokko fest. Die AICHACHER ZEITUNG erreichte die beiden gestern Mittag an der Grenze zur spanische Enklave Ceuta. Dort wollen sie versuchen, nach Spanien überzusetzen. Im Gespräch mit der AZ berichten sie über ihre Situation und die Lage in Marokko.


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Ein Sabbatjahr nehmen , auf Reisen gehen und dem Alltag entfliehen: Diesen Traum erfüllten sich die Aichacher Pia Kneißl und Michael Wollmann. Dann setzte sie das Coronavirus in Marokko fest.


AZ: Frau Kneißl, Herr Wollmann, wo befinden Sie sich gerade?
Kneißl/Wollmann: Wir befinden uns gerade etwa 50 Meter vor der spanischen Grenze. Es werden aber nur Spanier eingelassen. Mit uns warten schon jetzt 50 bis 60 Wohnmobilfahrer, viel mehr sind unterwegs. Die deutsche Botschaft hat uns über ihre Facebook-Seite aufgefordert, nach Ceuta zu fahren, die Grenze sei offen. Seit Mitternacht ist sie aber geschlossen. Wegen eines Sturms mussten wir unsere Fahrt gestern Nacht unterbrechen. Wären wir durchgefahren, hätten wir es wohl noch geschafft. Ob wir dann aber auf das spanische Festland gekommen wären, ist unklar, wie die ganze Lage hier.
AZ: Sind Sie gesund, geht es Ihnen gut?
Kneißl/Wollmann: Ja, wir sind beide gesund und wohlauf. Auch wenn wir traurig über die Tatsache sind, dass unsere einjährige Reise unter diesen Umständen so abrupt abgebrochen werden muss. Die Lage hier an der Grenze dürfte aber chaotisch werden.
AZ: Sie sind seit November unterwegs. Wo und wie haben Sie vom Coronavirus erfahren?
Kneißl/Wollmann: Da wir ohne Fernseher unterwegs sind, jedoch über Internet täglich verbunden sind, haben wir vom Coronavirus sehr bald über die sozialen Medien erfahren. Anfangs sind wir wie alle anderen nicht von einer Pandemie ausgegangen und haben unsere Reise fortgesetzt. In Marokko sind wir seit dem 3. Januar und haben dieses wunderschöne Land und die große Freundlichkeit der Menschen in vollen Zügen genossen.
AZ: In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist das öffentliche Leben ganz oder zum großen Teil stillgelegt. Wie sieht es in Marokko aus?
Kneißl/Wollmann: Es gibt Gerüchte, dass auch eine Ausgangssperre im Land verhängt werden soll. Wir wären dann bis auf weiteres auf dem Campingplatz, wo wir bis heute früh standen, "gefangen" gewesen. Vor kurzem waren wir in Marrakesch in einem großen Supermarkt einkaufen. Die Marokkaner sind sehr diszipliniert. Die meisten tragen Einweghandschuhe, viele auch Mundschutz. Bei kleinen Straßengeschäften wird draußen gewartet, bis man an der Reihe ist, damit man nicht zu eng aneinander steht. Man merkt aber, dass der Umgang mit Europäern von offenherziger Sympathie zu besorgter Vorsicht umschlägt. Von anderen Reisenden und in den sozialen Medien hört man von angeblichen Anfeindungen. Touristen seien mit "Corona-Corona" beschimpft, teils sogar bespuckt worden. So wie es in Deutschland am Anfang der Krise zu Übergriffen seitens einiger besorgter Bürger gegenüber den Chinesen kam, liegen auch hier die ersten Nerven blank. Die Lage ist aus unserer Sicht eher besorgniserregend als beängstigend, von Panik ist derzeit noch nichts zu spüren.
AZ: In Deutschland gab es einen Ansturm auf die Supermärkte und Hamsterkäufe. Wie ist die Versorgungslage in Marokko?
Kneißl/Wollmann: Im Moment ist alles ohne Einschränkungen zu bekommen, das Land scheint sehr gut versorgt und vorbereitet zu sein. Die Regale sind voll, Hamsterkäufe konnten wir nicht beobachten. Der größte Versorgungsmangel besteht bei Wasser, weil es hier seit drei Jahren nicht mehr geregnet hat. Landwirtschaft und Menschen leiden offensichtlich unter der ausweglosen Situation.
AZ: Wie ist die Stimmung unter den Menschen dort?
Kneißl/Wollmann: Bis auf die erwähnten beginnenden Anfeindungen konnten wir keinen Unterschied im sozialen Leben feststellen. Die Marokkaner sind ein sehr soziales Volk, das seit Generationen darauf angewiesen ist, sich gegenseitig zu helfen.
AZ: Wie können wir uns die medizinische Versorgung vorstellen?
 

Das komplette Interview in der Freitagausgabe der AICHACHER ZEITUNG oder im E-Paper.



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Veröffentlicht am 19.03.2020 17:28 Uhr



 
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