Aichach    

Schluss mit dem Grauen - Ausstellung wirbt für naturnahe Gärten

Aichach - "Schluss mit dem Grauen" könnte die Devise einer Ausstellung lauten, die noch bis 6. Februar im Aichacher Landratsamt besichtigt werden kann. "Tatort Garten" zeigt eindrucksvoll, wie wenig aufwendig die Anlage eines sowohl ökologisch wertvollen als auch pflegeleichten Gartens sein kann. Zugleich schockiert die Schau mit Bildern von Steinwüsten, die ein Haus anstelle eines Gartens eher zu umzingeln und einzuengen scheinen, als ihm zu schmeicheln und es harmonisch in die Umgebung einzufügen.


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Manuela Riepold , die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Aichach-Friedberg, führte die rund 40 Zuschauer durch die Ausstellung "Tatort Garten", eine Leihgabe der Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz. Fotos: Bastian Brummer


Dieser Eindruck ist rein subjektiv, klar ist hingegen: Graues Pflaster und bunter Kies mögen einigen Grundstücksbesitzern gefallen, dem Klima und der Umwelt tut man mit der Anlage allerdings nichts Gutes, selbst dann nicht, wenn der Form halber ein Buchs oder eine kleine Thuje im Schotter stehen.
Zur Eröffnung der Ausstellung erschienen kürzlich etwa 40 Interessierte, die von dieser Tatsache eigentlich nicht mehr überzeugt werden müssten, wie die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Aichach-Friedberg, Manuela Riepold, zu Anfang erklärte.
Viel mehr soll die Ausstellung künftigen Hausbesitzern, Bauwerbern, die ihre Anträge aufs Amt bringen, Denkanstoß und Inspiration sein. "Sie soll zum Wandeln einladen", meinte Riepold - wobei sowohl der gedankliche Wandel als auch ein Spaziergang durch die Stockwerke gemeint ist.
Auf den nahm Riepold die Gäste mit und zitierte dabei Verse, die auf den Bildern stehen. "Wo Treppen führ'n ins Gartenglück, geschieht auch mal ein Missgeschick", las sie. Dieser Reim ist auf zwei Bilder aufgeteilt, die zum einen eine alte Backsteintreppe zeigen, deren Rändern von blühendem Frauenmantel kaschiert werden - zum anderen eine große graue Schotterfläche, die den Blick auf eine Betontreppe lenkt.
Zusammengestellt hat die Ausstellung die Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz (BN). Ernst Haile, Kreisvorsitzender des BN im Landkreis Aichach-Friedberg, und diverse Mitglieder haben sie sich ausgeliehen, um sie im Wittelsbacher Land zu präsentieren. Haile lobte zu Beginn die Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der sich allein durch Projekte wie "Wittelsbacher Land blüht und summt" für den Erhalt der Biodiversität im Aichacher Land einsetze.
Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass Besitzer grauer Gärten ihrer Umwelt schaden wollen. "Die Anlage von Gärten folgt auch immer einem gewissen Trend", erklärte Riepold während des Rundgangs durch die Ausstellung. In den 70er-Jahren seien noch sehr eintönige Gärten mit großen Pflasterflächen entstanden, später kam die Naturgartenbewegung dazu. Weil viele Gartenbesitzer seinerzeit allerdings falsche Materialien verbauten, die schnell verwitterten oder verfaulten, folgte Frustration.
Die Kreisfachberatung am Landratsamt stehe Gartenbesitzern und solchen, die es werden wollen, gerne mit Rat und Tat zur Seite. Den Zeigefinger heben wolle allerdings niemand, wie Ernst Haile betonte. Oftmals wollten Gartenbesitzer eine pflegeleichte Anlage, ist sich Riepold sicher und präsentierte dazu Bilder von der Facebook-Seite "Gärten des Grauens", auf der anonyme Fotografen besonders steinreiche Gärten fotografieren. Im Flyer zur aktuellen Ausstellung ist eine Blume aus weißem Schotter in einem dunkelgrauen Kiesbeet zu sehen. "Pflegeleicht? Fehlanzeige", ist daneben zu lesen.
Zu Anfang möge es stimmen, dass ein solcher Garten kaum Arbeit mache, setzt sich nun aber Staub aus der Luft in den Ritzen ab, keinen dort bald eigentlich unerwünschte Pflänzchen. "Richtig beschäftigt" seien Gartenbesitzer dann, wenn sie tiefwurzelnde Gräser wie eine Quecke entfernen wollten, ergänzte Riepold. Wenn ein kleiner Buchs inmitten des Schotters steht, hat die Pflanze schnell mit großer Hitze zu kämpfen und Schädlinge stellen sich rasch ein, die bekämpft werden müssen. "Der Busch in diesem Lavabade, nährt nicht mal eine Made - schade", heißt es auf dazu passenden Fotografien in der Ausstellung.
Ein bunter Garten bereite tatsächlich nicht mehr Aufwand, wie die Expertin erklärt. Davon abgesehen, das ergänzte Ernst Haile, verbanne man mit einem Schottergarten die Natur aus den Kommunen, den Städten und dem eigenen Grundstück, "um dann mit dem Hund in der Natur spazieren zu gehen und sie zu genießen." Derartige Widersprüche solle die Ausstellung erkennbar machen und überwinden. "So schaffen wir den Weg in eine enkeltaugliche Zukunft", schloss Ernst Haile.

Die Fotoausstellung "Tatort Garten" ist bis 6. Februar in Aichach von Montag bis Freitag zwischen 7.30 und 12.30 Uhr, Montag bis Mittwoch von 14 bis 16 Uhr und an Donnerstagen von 14 bis 18 Uhr im Aichacher Landratsamt zu sehen. Ab 10. Februar sind die Bilder in der Meringer Bücherei ausgestellt, ab 24. Februar im Friedberger Pfarrzentrum. Steine und Pflaster sind pflegeleicht? Ein Irrtum

Von Bastian Brummer

 


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Veröffentlicht am 27.01.2020 15:34 Uhr



 
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