Aichach    

Pflanzaktion des Landratsamts: 190 Bäume für 190 Tonnen CO2

Aichach - Ahorn Olaf, Kastanie Elsa und die Elsbeere Sevn, sie bevölkern nun eine Projektfläche im Kreisgutwald. Schülerinnen der Wittelsbacher Realschule Aichach verpassten den frisch gepflanzten Bäumchen die Namen aus dem Disneyklassiker "Die Schneekönigin". Mit einem Spaten bewaffnet steht auch Landrat Klaus Metzger im Hennental und setzt die nächste Elsa-Kastanie.


190 Bäume für 190 Tonnen CO2 - das ist das Ziel. Das Landratsamt möchte den CO2-Ausstoß des Hauptgebäudes aus dem Jahr 2018 kompensieren. 190 Tonnen CO2 wurden von dem Gebäude samt Mitarbeitern in diesem Jahr erzeugt, dementsprechend viele Bäume sollen jetzt gepflanzt werden. Eingerechnet wurden in die Bilanz beispielsweise Strom, Heizung und Papierverbrauch.
Fleißige Helfer bei der Pflanzaktion sind 17 Mädels aus der zehnten Klasse der Realschule Aichach. Sie besuchen gemeinsam den Sportunterricht, und ihre Lehrerin habe sie auf die Aktion aufmerksam gemacht, erzählt eine Schülerin. "Es ist einfach cool und wichtig, dass man solche Aktionen macht und es macht auch großen Spaß", sagt die Zehntklässlerin. Auch der Landrat selbst, Schulleiter Hans-Friedrich Stock und die Vertreterin der Fachstelle für Klimaschutz im Landratsamt, Charlotte Martin-Stadler, packen mit an. Sportlehrerin Ulrike Maiterth ist ebenfalls dabei, denn, sagte sie, für solche Aktionen sei sie immer zu haben.
Fachliche Unterstützung bekommen die Teilzeit-Waldarbeiter von Revierförster Ralf Lojewski und dem Forstdienst Augsburg.
Die Idee, Bäume zur CO2-Kompensation zu pflanzen, sei nicht neu, erzählt Metzger. Ganz nach dem Vorbild des damals neunjährigen Felix Finkbeiner, der 2007 die Organisation "Plant for the Planet" gründete, pflanzen auch die Aichacher für den Planeten. Bäume binden CO2 und filtern es somit aus der Luft. Die Menge des gebundenen CO2 ist dabei abhängig von Faktoren wie der Art des Baums, Bodenbeschaffenheit, Klima, Alter und Trockenmasse. Die gepflanzten Bäumchen werden, so klein sie heute noch sein mögen, in 80 Jahren jeweils etwa eine Tonne Kohlendioxid gebunden haben. Es wurde bereits ein Pflanzenkonto für das Landratsamt auf der Plattform der Organisation "Plant for the Planet" angemeldet. Dort werden die gepflanzten Bäume aufgezeichnet und gezählt.
Charlotte Martin-Stadler erzählt: "Es wäre durchaus möglich gewesen, Zertifikate zu erwerben und somit andere Projekte zu finanzieren, die den eigenen CO2-Ausstoß ausgleichen. Jedoch war es uns und vor allem dem Landrat wichtig, selbst Bäume zu pflanzen."
Und hier ist noch nicht Schluss. Das Landratsamt Aichach-Friedberg will grüner werden, und es ist auf einem guten Weg. Seit 2008 ist der Landkreis Teil des Projekts Ökoprofit. Ein Umweltmanagementsystem für Betriebe und Schulen. 2018/19 entschloss sich auch das Landratsamt als Verwaltungsbehörde mit ihrem Hauptgebäude an Ökoprofit teilzunehmen.
Das bedeutet, alle geforderten Umweltmaßnahmen einzuhalten, um schlussendlich Ökoprofit zertifiziert zu werden. "Das ist gar nicht so einfach", so Martin-Stadler. Das Hauptgebäude beziehe zwar schon seit 2014 Ökostrom, allerdings müsse auch bei Produkten wie Toner oder Papier auf Hersteller und Umweltverträglichkeit geachtet werden. Außerdem sei im Landratsamt jeder Mitarbeiter aufgerufen, aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun, und das nicht nur am Arbeitsplatz, erklärt Landrat Metzger.
Auf die Frage nach einem klimafreundlichen Fuhrpark des Landratsamts, also beispielsweise Elektro-Dienstfahrzeugen, erklärt Metzger stolz: "Wir haben seit neustem einen E-Transporter im Einsatz und versuchen, E-Mobilität in unseren Fuhrpark zu integrieren". Charlotte Martin-Stadler ergänzt: "Das Projekt besteht aus einem weiteren E-Transporter und zwei Ladesäulen, die folgen werden."
Und auch in Zukunft soll noch viel in Sachen Klimaschutz passieren. Sowohl der geplante Anbau an das Landratsamt, als auch die damit einhergehende Sanierung des Hauptgebäudes soll durch bessere Dämmung und ein neues Heizsystem umweltschonender werden. Auch die Erweiterung der Photovoltaik-Anlage und die Erstellung eines Energienutzungsplans für den Landkreis ist angesetzt.
Ein langer Weg, doch der Anfang ist gemacht. Zurück im Wald und mit dem Blick auf die frisch gepflanzten Setzlinge wendet sich Landrat Klaus Metzger an die Schülerinnen. "Das ist ein Versuch, der größten CO2-Belastung aller Zeiten entgegenzutreten. Überall, wo jetzt ein Holzstecken ist, wächst ein neuer Baum. Das haben wir zusammen geschafft". Die Frage, ob es denn auch Spaß gemacht habe, beantworten alle Beteiligten mit heftigem Nicken und Zustimmung.
Und es bleibt nicht bei einer Baumpflanzung des Landratsamts. An diesem Morgen wurden nur 100 der 190 Bäume gesetzt. Zwei weitere Pflanzaktionen gemeinsam mit der Mittelschule Aichach werden folgen. Das Landratsamt will grüner werden

Von Carla Holz


baum2
Landrat Klaus Metzger pflanzt gemeinsam mit den Zehntklässlerinnen Marie Hartung (Mitte) und Lena Dietrich (rechts) einen jungen Baum. Fotos: Carla Holz



Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 14.01.2020 16:29 Uhr



 
Drucken Speichern Senden Leserbrief