Aichach    

Kein Notarzt verfügbar: Dienste in Aichach und Friedberg mehrfach unbesetzt

Aichach - An Weihnachten ist das System endgültig an seine Grenzen gekommen. Zwischen 24. und 26. Dezember war am Standort Aichach gar kein Notarzt im Dienst. Auch Friedberg war vorübergehend unbesetzt. Hilfe im Notfall hätte also nur aus den umliegenden Landkreisen Dachau, Schrobenhausen und Augsburg kommen können. In Aichach setzte sich das stundenweise bis in diese Woche fort. Nun hat Landrat Klaus Metzger bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern Alarm geschlagen. Sie ist für die Sicherstellung der Notdienste verantwortlich. Insgesamt sind in Aichach in den vergangenen Monaten zwischen neun und zehn Prozent der Dienste nicht mehr besetzt gewesen. Das berichtete der Leiter des Rettungsdiensts beim BRK Aichach-Friedberg, Thomas Winter, nach den Feiertagen in einem Gespräch mit unserer Zeitung.


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Die Rettungssanitäter haben eine Hilfsfrist von zwölf Minuten von der Alarmierung bis zum Einsatzort. Für Notärzte gibt es keine entsprechenden Einsatzfristen. Foto: Thorsten Töller/Pixabay


Das Problem: Notärzte arbeiten freiwillig gegen gesonderte Vergütung. Im Wittelsbacher Land gibt es mit Aichach und Friedberg zwei Standorte für Notärzte, die im freiwilligen Schichtmodell organisiert werden: Wer will, trägt sich in die Liste ein. In der Bereitschaftszeit verdient ein Notarzt 20 Euro pro Stunde, für jeden Einsatz, der in dieser Zeit passiert, rund 80 Euro (Entgelt und Pauschale). Mit anderen Worten: Es muss viel los sein, damit sich das für einen Arzt lohnt, der in dieser Zeit nicht seiner eigentlichen Arbeit in der Praxis oder dem Krankenhaus nachgehen kann.
Die Lage hat sich seit 2015 bayernweit verschärft. Davor gab es im Wittelsbacher Land so gut wie nie unbesetzte Zeiten. Von einem "eingeschworenen Team", das alles möglich gemacht habe, berichtet Thomas Winter. Dann gab es eine Änderung der Vergütung, die erhebliche finanzielle Einbußen mit sich brachte. Viele altgediente Ärzte haben seither ganz aufgehört, andere machen weniger Dienste. Die Kassenärztliche Vereinigung versucht, die Engpässe mit Springern von auswärts zu besetzen, doch das funktioniert nicht immer. Hinzu kommt noch, dass der besonders schwach besetzte Standort Aichach auch im benachbarten Schrobenhausen mitunter ins Leere greift, denn auch dort sind gelegentlich keine Notärzte verfügbar.
Der Rettungswagen mit den Sanitätern muss innerhalb von zwölf Minuten beim Patienten sein, für den Notarzt gibt es keine vorgeschriebene Frist. Die gute Nachricht: Häufig können die gut ausgebildeten Sanitäter helfen und im schlimmsten Fall auch Leben retten. Ärzte sind sie aber nicht, zumal sie bestimmte Maßnahmen schlicht nicht anordnen dürfen. Wenn es hart auf hart kam, "habe ich mitunter schon aus meinen Privatkontakten Ärzte angerufen", sagt Thomas Winter. Zumal es auch gar nicht vorgesehen ist, Noteinsätze ohne Arzt zu bewältigen.
Rund 4700 Notarzteinsätze gab es in Aichach-Friedberg im Jahr 2018, das sind im Schnitt knapp 13 pro Tag. Als Notärzte arbeiten Mediziner jeder Fachrichtung, besonders häufig sind es Anästhesisten. Aber auch jeder andere Arzt kann mit einer Weiterbildung Notarzt werden.

Von Carina Lautenbacher



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Veröffentlicht am 09.01.2020 18:48 Uhr



 
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