Aichach    

Ein Tattoo, das Leben retten kann

Aichach - Es gibt viele Gründe, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Man findet es schick oder cool, will "in" sein, oder man steht, auch das gibt es, auf den Schmerz und die Ausschüttung von körpereigenen Stoffen beim Tätowieren. Es gibt aber auch einen ganz praktischen Grund für ein Tattoo, es kann unter Umständen sogar Leben retten. Das ist zumindest der Sinn von sogenannten "Lebensretter-Tattoos" für Menschen, die an Diabetes leiden. Der Aichacher Tatöwierer Wolfgang Jung sticht die kleinen runden Symbole Diabetikern umsonst.


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Für ihn ist das Ehrensache. "So etwas muss man unterstützen. Natürlich bieten wir diese Aktion in unserem Studio dauerhaft und kostenlos für alle Diabetiker, die solch ein Tattoo möchten" an, sagt Jung, der in der Aichacher Hubmannstraße das Studio "Montagsmaler" betreibt. Entwickelt haben das Symbol Kollegen von ihm in Ungarn, in Zusammenarbeit mit Ärzten. Es ist ein Kreis mit der Inschrift "Typ I" , "Typ II" oder "IR". Er wird am linken Handgelenk tätowiert, dort, wo der Puls gemessen wird. Rettungskräfte können es dann sofort sehen.
Diabetes ist eine Krankheit, die im Alltag kaum auffällt, ein Diabetiker ist kaum als solcher zu erkennen. Hat er aber eine starke Überzuckerung, also einen zu hohen Blutzuckerwert, oder, was häufiger vorkommt, eine starke Unterzuckerung, also einen zu niedrigen Blutzuckerwert, kann er sich unter Umständen nicht mehr selbst helfen und fällt möglicherweise sogar ins Koma.
Viele Diabetiker haben zwar einen entsprechenden Ausweis, möglicherweise sind sie aber nicht mehr fähig, ihn vorzuzeigen. Gerade bei Unterzuckerungen beginnen manche zu torkeln und wirken betrunken, weshalb Menschen manchmal falsch auf sie reagieren.
Das Lebensretter-Tattoo soll gewährleisten, dass Diabetiker im Notfall schnell die richtige Hilfe bekommen und Sanitäter - etwa auch bei einem Unfall - die richtigen Maßnahmen ergreifen.

Von Dr. Berndt Herrmann



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Veröffentlicht am 02.01.2020 17:35 Uhr



 
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