Aichach    

Weihnachtsgeschichte mal anders: Musical am Deutschherren-Gymnasium

Aichach - Anfangs wirkt es, wie die klassische Weihnachtsgeschichte. Maria und Josef machen sich auf nach Bethlehem und das Jesuskind wird in einer Krippe geboren. Ist es aber nicht.


dhg-rocknativity-ensemble


Das moderne Weihnachtsmusical "Rock Nativity", das vergangenes Wochenende von den Schülern des Deutschherren-Gymnasiums Aichach, unter der Leitung von Arnold Fritscher, inszeniert wurde gestaltet sich um einiges vielschichtiger. Ein virtuoses Zusammenspiel aus Chor, Solisten, Band und Orchester zeichnen den Abend aus. Es wechseln sich klassische Lieder mit modernen und jazzigen Rhythmen ab.
Maria und Josef, dargestellt von Jana Küster und Tom Markowski, erfahren ganz nach dem klassischen Vorbild von der Empfängnis Jesu durch den Engel Gabriel. Dieser wird gespielt und vor allem gesungen von Kim Scheidler und ist während des gesamten Stücks als Berater und Beobachter präsent.
Ein Überraschungsmoment beschert den Zuschauern der Herrscher Herodes. Inmitten der Freude über die bevorstehende Geburt des Königs der Juden platzt er in die Aufführung: "Ich bin der König der Juden!" Gespielt von Sophia Wagner, stellt Herodes den Antagonisten dar und überzeugt in seinem Auftreten als die Verkörperung des Bösen. Der Chor hingegen fungiert als Repräsentant der Gesellschaft, des Volkes. Er ist ständig zugegen und kommentiert das Geschehen. "Gib auf!", "Dank ab!", "Du bist alt und wahnsinnig!", ruft er Herodes zu.
Für einen Lacher sorgen die drei Könige aus dem Morgenland, genauso, wie die drei Hirten auf dem Feld. Die Könige, dargestellt von Samuel Kluge, Benedikt Weiß, Fouad Negida und Ruben Württenberger, überraschen in Schlips und Kragen. Sie sind Astronauten und Sterndeuter aus Persien. Schlaue Männer, die die Geburt Christi am Firmament abgelesen haben.
Die Hirten, gespielt von Johanna Deißer, Chiara Kapl und Anna Sturm, sind lustige Gesellen und ein gesangliches Highlight. Sie beeindrucken mit ihren dreistimmigen Stücken und amüsanten Auftreten.
Und in mitten des bunten Treibens auf der Bühne muss doch immer wieder inne gehalten und das musikalische Können des Orchesters und der Band bestaunt werden. Dies wird besonders im Willkommenslied für das Jesuskind deutlich. Hier singen und spielen alle mit und ernten großen Applaus.
Als es zum sagenumwobenen Kindsmord von Bethlehem kommt, wird das Publikum bestürzt Zeuge, wie Herodes aus Angst um seine Krone zum Mord an allen männlichen Säuglingen aufruft. Durch den treuen Soldaten des Herrschers, dargestellt von Julian Böhm, lassen zwei Kinder noch auf der Bühne ihr Leben. Unterstrichen wird diese grausame Tat durch Bilder aus dem echten Leben. Fotos hungernder Kinder in Kriegsgebieten werden auf die Wand projiziert. "Während den Vorbereitungen ist die Erkenntnis gereift, dass Kindsmord heute tagtäglich stattfindet. Vor allem wenn Kinder unter Krieg, Vertreibung und wirtschaftlicher Not zu leiden haben", erklären die Veranstalter ihre Inszenierung. So entstand die Idee, überschüssige Einnahmen an die Jemen-Kinderhilfe zu spenden.
In einem dramatischen Finale, in welchem sich Chor und Maria mit den Ausrufen "Stirb!" und Leb!" gegenüber stehen, stirbt Herodes und Jesus ist gerettet. Am Ende des zweistündigen Weihnachtsspektakels halten sich alle Sänger und Sängerinnen an den Händen und singen gemeinsam: "Öffne das Herz" und fordern "Liebe und Verständnis".
Das mehrstimmige Zusammenspiel des Chores gemeinsam mit den Solisten und der Instrumentalmusik ist beeindruckend und sorgt für Gänsehautmomente. Dieser Meinung ist auch das Publikum. Begeistert klatschend, pfeifend und johlend verabschieden sie die Darsteller. Es wird nach einer Zugabe gerufen und auch die Standing Ovations bleiben nicht aus.
Da die ersten beiden Vorstellungen ausverkauft waren, wird am 5. November eine zusätzliche Aufführung folgen. Ausgelassen präsentiert der Chor das Schlussstück des Musicals. (linkes Bild). Die Hirten singen gemeinsam über den "Schäferschläferblues" (rechtes Bild).

Von Carla Holz

 


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 02.12.2019 23:01 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief