Aichach    

Mammutprojekt Klimawandel

Aichach - Die Waldbesitzervereinigung Aichach blickte auf der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend im Gasthaus Wagner in Untergriesbach auf ein witterungsmäßig schwieriges Jahr zurück. Es war das zweite Jahr in Folge mit einer ausgeprägten Trockenheit, was den Waldbesitzern zu schaffen macht. Dabei sei die Region noch mit einem blauen Auge davon gekommen, sagte Vorsitzender Peter Erhard. Es habe immer wieder rechtzeitig geregnet, die lehmigen Standorte konnten das Niederschlagswasser gut speichern.


waldbauern-aic-fh
Der Klimawandel stellt die Waldbauern vor große Herausforderungen. Darüber berichteten bei der Jahreshauptversammlung der Waldbauernvereinigung Aichach Vorsitzender Peter Erhard (rechts), die Geschäftsführer Martin Hollfelder (links) und Bernhard Breitsameter (Dritter von links) sowie der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes Josef Ziegler, der ein Präsent aus dem Wittelsbacher Land erhielt. Foto: Franz Hofner


Der hohe Anfall an Kalamitätsholz in den nördlichen und östlichen Landesteilen durch Stürme und Borkenkäferbefall führte jedoch zu einem Zusammenbruch des Holzmarktes. Durch ein schnelles und schlagkräftiges Handeln in den Wäldern und ständiger Kontrolle sei im Landkreis Schlimmeres verhindert worden. Der Klimawandel stellt die Waldbesitzer dennoch vor große Herausforderungen, sagte Erhard. Die Bäume seien geschwächt, immer mehr und bisher nicht bekannte Schädlinge kommen an den Bäumen vor, gleichzeitig belastet das in- und ausländische Schadholz den Holzmarkt erheblich.
Durch die miserablen Preise und den geringen Käferholzanfall hat die WBV Aichach heuer nur 40 000 Festmeter Holz vermarktet. Das sind 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Der WBV-Vorsitzende gab den Waldbesitzern den Rat, den Frischholzeinschlag einzuschränken und zuerst den Schadholzanfall aufzuarbeiten. Trotzdem dürfe die Durchforstung der Jungbestände nicht vernachlässigt werden, um den Wald stabil zu halten. Auch der notwendige Waldumbau darf nicht aus den Augen verloren werden, damit der Wald auch zukünftig die Nutz-, Schutz-und Erholungsfunktion nachhaltig erfüllen kann. Es müsse alles unternommen werden, um die Wälder zu stabilisieren. Als hilfreich erweise sich dabei der Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit dem Amt für Landwirtschaft und Forsten in Augsburg (wir berichteten). Diese Kooperationsvereinbarung ermöglicht eine noch intensivere Zusammenarbeit mit dem Amt, um die gewaltigen Herausforderungen des Klimawandels und auch gesellschaftlichen Veränderungen zu bestehen.
Sorge bereitet dem Vorsitzenden, dass die aktuellen Waldschäden dazu hergenommen werden, die forstliche Bewirtschaftung der Wälder in Frage zu stellen. "Diese Aktivisten wollen einen unbewirtschafteten Naturwald", sagte er. Dies wäre bei einer umfassenden Betrachtung ein gravierender Rückschritt für die Zukunftsfähigkeit der Wälder. Die nachhaltige Erzeugung des nachwachsenden Rohstoffes Holz dürfe nicht aufgegeben werden. Der Verzicht auf die forstwirtschaftliche Nutzung wäre auch kein Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels, er wäre sogar kontraproduktiv. Das betonte auch Reinhard Herb, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis Aichach-Friedberg. Er stellte in seinem Grußwort fest, der Wald sei krank, das Klima habe ihn angesteckt, die fortschreitende Erderwärmung halte der Wald nicht mehr aus. Jetzt müsse jeder seinen Beitrag leisten, die Klimaerwärmung einzuschränken, nicht nur die Bauern.
Auch Forstdirektor Günter Biermayer vom benachbarten Amt für Landwirtschaft in Fürstenfeldbruck und Mitglied der Vorstandschaft der WBV hat darauf hingewiesen, dass die Waldbauern alleine die großen Herausforderungen des Klimawandels nicht meistern könnten. In Bayern habe sich das Klima stark erhöht. Die Konzepte für den Waldumbau müssen deswegen vorangebracht werden. Es gelte, zukunftsfähige Wälder zu begründen, damit standortgerechte Mischbaumarten aufwachsen können. Auch die Naturverjüngung sei nicht aus dem Auge zu verlieren. Dazu sei es auch notwendig, die Wildbestände anzupassen. Landrat Klaus Metzger sagte, der Landkreis sei sich der Bedeutung der Wälder voll bewusst. Er dankte der WBV und den Waldbauern für ihre professionelle Arbeit und verwies im Hinblick auf den Waldumbau auf die Auszeichnung des Landkreises zur Begründung von Zukunftswäldern.
Ein Bericht über den Holzmarkt folgt auf unserer Seite Lokale Wirtschaft. Naturverjüngung weiter fördern

Von Franz Hofner

käferholz
Borkenkäfer haben in diesem Jahr für große Mengen an Schadholz gesorgt - die Holzpreise sind jetzt im Keller. Foto: Josef Abt



Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 01.12.2019 23:01 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief