Aichach    

Personalnot und Personal in Not

Aichach - Mit zwei großen Problemen kämpfen die Kliniken an der Paar zurzeit: hohes Defizit und zu wenig Personal. Trotz eines Fehlbetrags von fünf Millionen Euro allein in diesem Jahr, ist das Personalproblem sogar noch gravierender. Das zeigte sich gestern bei der Sitzung des Werkausschusses des Kreistags. Nach der Abberufung des langjährigen Klinik-Chefs trugen die Interims-Geschäftsführer ihren ersten Bericht vor.


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Es fehlt nicht nur Geld: Das Krankenhaus in Aichach (Bild) und besonders das in Friedberg brauchen dringend Personal. Archivfoto: Erich Hoffmann


Am Aichacher Krankenhaus sollen laut Stellenplan 200 Vollzeitkräfte beschäftigt sein, mit 195 Kräften und fünf in Elternzeit oder anderen beruflichen Auszeiten ist man fast im Plan. In Friedberg sollten 281 Vollzeitkräfte arbeiten, es sind aber nur 270, von denen wiederum fünf wegen Auszeiten fehlen. Die Lage wird angesichts mehrerer Schwangerschaften sogar noch angespannter. Hinzu kommen die Pflege-Untergrenzen, die seit diesem Quartal in der Unfallchirurgie gelten. Demnach darf eine Pflegekraft nur für zehn Patienten zuständig sein. Bisher waren es etwa 15 Patienten. Allein dadurch entsteht ein zusätzlicher Personalbedarf von sechs Stellen. Nur: Personal ist kaum zu finden. "Der Markt ist leer", erklärte Georg Großhauser, der mit Peter Schiele derzeit die Geschäfte der Kliniken führt. Neben der bestehenden Lücke wies er zudem auf die Altersstruktur hin: In den nächsten Jahren werden viele Mitarbeiter aus dem Berufsleben ausscheiden. Zudem ist die Fluktuation derzeit außerordentlich hoch, ebenso der Krankenstand.
Ulrike Gastl, Pflegedirektorin im Friedberger Krankenhaus, berichtete von 30 Kündigungen allein in diesem Jahr. Nicht alle haben mit dem Arbeitsklima zu tun, ein häufiger Grund sei auch der Wunsch, weniger an den Wochenenden und in Nachtschichten zu arbeiten. Der Versuch, die Stellen mit ausländischen Kräften zu besetzen, ist auch nicht immer von Erfolg gekrönt. Von sechs Mitarbeitern aus Balkanländern seien nur noch zwei da: Sprache und Qualifikation sind mitunter zu große Hürden.


Der Personalmangel führt dazu, dass nahezu täglich die Dienstpläne nicht aufgefüllt werden können. Überstunden sind die Folge, zugleich können nicht alle Patienten aufgenommen werden, die einen Eingriff in den Kliniken an der Paar durchführen lassen wollen. Betten müssen leer bleiben, weil es kein Pflegepersonal gibt. "Für die Menschen ist das natürlich schwer verständlich", sagt Großhauser. Da heiße es immer, die Wirtschaftszahlen seien schlecht, aber dann würden Patienten abgewiesen.
Im Ausschuss herrschte Einigkeit, dass Personalgewinnung Priorität hat - ob aus dem Aus- oder dem Inland. Auch mit Mitarbeitern, die in der jüngeren Vergangenheit gekündigt haben, werden Gespräche geführt.

Von Carina Lautenbacher



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Veröffentlicht am 07.10.2019 23:00 Uhr




 

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