Aichach    

Aichacher Kunstpreis wird geteilt

Aichach - Kunst könne demaskieren, Licht im Dunkeln sein, Brücken bauen und stehe für Toleranz und Weltoffenheit. Gerade deswegen sei sie den Populisten und rechten Dunkelmännern suspekt, sagte der Aichacher Bürgermeister Klaus Habermann gestern bei der Vergabe des 26. Kunstpreises. Und beide ausgezeichneten Werke stehen exemplarisch für diese Funktion von Kunst.


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Verleihung des 26. Aichacher Kunstpreises (von links): die beiden stellvertretenden Kunstvereinsvorsitzenden Beate Berndt und Jakob Steinberger, der Aichacher Bürgermeister Klaus Habermann, die Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, Birgit Cieschek, die beiden Preisträger Christine Metz und Thomas Bergner, Kunstvereinsvorsitzender Werner Plöckl Zweiter Bürgermeister und Kulturreferent Helmut Beck mit Enkelin Selina und stellvertretender Landrat Manfred Losinger. Fotos: Berndt Herrmann


Sowohl "Terrain" von Christine Metz aus Ried wie auch "idyll (pause)" von Thomas Bergner aus Nürnberg sind nicht das, was sie zunächst scheinen, verlangen den genauen tiefen Blick, Zeit und Geduld, widersetzen sich dem schnellen Urteil ebenso wie der Reduzierung auf einen hingeworfen Begriff. Sie stehen quer zur Gegenwart und ihren Deformationen und setzen sich gleichzeitig intensiv mit ihr auseinander.
Was zunächst wie eine Fotografie aussieht, ist eine virtuose Bleistiftzeichnung. Christine Metz "Terrain" blickt auf den Boden, das Gelände, die "Terra", und vor allem auf das, was wir mit dem Boden machen und wie wir ihn nutzen. "Es geht um die Oberfläche, die geschundene Erde", wie es der stellvertretende Kunstvereinsvorsitzende Jakob Steinberger in der Laudatio formulierte.
Die Natur, eine Waldlandschaft voller Bäume, Sträucher, Pilze, nimmt auch Thomas Bergner in den Blick. Was aber wie eine romantisch beeinflusste Malerei wirkt, ist eine Fotografie. Um das zu erkennen, muss der Betrachter tief in das Dunkel eindringen, sich sozusagen erst in dem Wald etwas verlaufen, um ihn dann zu erkennen. Als Gegenentwurf zu allem Plakativen und Schnellen und damit als eine herausfordernde Position versteht das Steinberger.
Beide Arbeiten "ent-täuschen", indem sie mit der Wahrnehmung spielen und sie hinterfragen, sie korrespondieren sowohl formal wie thematisch miteinander - natürlich ungewollt -, man kann sie als verwandt bezeichnen, obwohl oder auch weil sie bei aller Nähe wieder so unterschiedlich sind, wie nur Verwandte es mitunter sein können. Und sie beide sind nicht nur hochartifzielle selbstbezügliche Kunstwerke, sondern gleichzeitig genuin politische und zeitkritische Statements. Insofern war es nur konsequent, dass die Jury entschieden hat, den Kunstpreis in diesem Jahr von 2500 auf 3000 Euro aufzustocken und zu teilen. Das ist auch die Reaktion auf eine Ausstellung mit einer insgesamt sehr hohen Qualität - dieses Urteil wurde von vielen der Besucher am gestrigen Nachmittag geteilt. Ebenfalls ein Indiz dafür: Von 170 eingereichten und 47 für die Ausstellung ausgewählten wurden 27 im ersten Jury-Durchgang als preiswürdig erachtet.
Die Ausstellung ist bis 20. Oktober zu sehen, und die Besucher können bis dahin sich nicht nur ihr eigenes Urteil, sondern auch ihren Favoriten bestimmen: Wie seit einigen Jahren gibt es beim von der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, der Stadt und dem Kunstverein gemeinsam vergebenen Kunstpreis auch in dieses Mal wieder einen Publikumspreis. Er wird bei der Finissage am Sonntag, 20. Oktober, um 17 Uhr bekannt gegeben.

Von Dr. Berndt Herrmann

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Eine Fotografie , aber im Foto kaum adäquat zu vermitteln: Thomas Bergners "idylle (Pause)". Rechts: die Bleistiftzeichnung "Terrain" von Christine Metz.



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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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