Aichach    

Aichach for Future

Aichach - "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" "1, 2, 3, 4, alle Bäume bleiben hier, 5, 6, 7, 8, die Kohlekraft wird platt gemacht, 9 und 10 der Widerstand muss weitergehen!" Laut und friedlich demonstrierten gestern Vormittag in der Aichacher Innenstadt eine Stunde lang etwa 120 Leute - Kinder, Teenies, Eltern und Rentner. Aufgerufen zur ersten Aichacher Klima-Demo hatten Michael Wolf, Marion Zott und Hannah Herrmann. Die Organisatoren zeigten sich höchst zufrieden mit dem Zuspruch und dem Ablauf der Demonstration.

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"Ich bin überrascht, dass so viele gekommen sind", sagte Hannah Herrmann am Ende der Veranstaltung, "vor allem die Kinder haben toll mitgemacht." Eine Handvoll Buben und Mädchen war eine Weile ganz vorne mitmarschiert über den Stadtplatz, durch die Hubmann-, Steub- und Koppoldstraße und hatte kräftig gerufen. Sie sind trotz Sommerferien aus den Betten gekrochen, um pünktlich um 9.30 Uhr mit Schildern, Fahnen und Plakaten am Stadtplatz für mehr Klimaschutz zu werben.
Mit dabei war auch Familie Nehm aus Aichach mit drei Generationen: Großmutter, Mutter und zwei Kinder. Evelin Nehm sagt: "Bei uns hat Demonstrieren Tradition, wir waren schon gegen den Müllberg dabei und meine Kinder auch schon in Augsburg bei den Fridays for Future - in der Freizeit. Nur so kannst was erreichen."
Die weltweite Fridays-for-Future-Bewegung, die keine Sommerpause macht, wollten die Organisatoren und Teilnehmer der Aichacher Demo unterstützen. "Wer, wenn nicht ich, wann, wenn nicht jetzt", ist auf einem weiteren Transparent zu lesen. "Jeder kann und muss Kleinigkeiten ändern", hört man von mehreren Demonstranten.
Gabi Obst aus Aichach sagt: "Das Wichtigste ist das Bewusstsein, dass jeder jetzt was dazu tun kann. Mehr zu Fuß gehen, mehr Rad fahren, weniger konsumieren." Entstanden ist die erste Klima-Demo in Aichach aus einer Einzelaktion: Grünen-Ortssprecher Michael Wolf dreht schon seit vier Monaten seine einsamen Runden mit seinem Fahrrad - und hat unterschiedliche Reaktionen bekommen, von Anpöbeln bis Zuspruch.
Wie ihm erging es den Demonstranten am Freitag. Von einem Café-Tisch aus, rufen ihnen vier ältere Frauen zu: "Wisst ihr eigentlich, was ihr meint? Was die Kohle ist, von der ihr sprecht? Da müssen wir uns aufregen!" Eine echte Diskussion kommt nicht zustande.
Eigentlich hätte die Menschenschlange sich nur auf den Gehwegen rund um dem Stadtplatz bewegen sollen, schildert am Rande Peter Löffler, Stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Aichach, der als einziger Ordnungshüter die Demo begleitet. Als die Schlange unterwegs wächst und sich nicht mehr ganz an die Regel hält, achtet er souverän darauf, dass nichts passiert. Der Zug schlängelt sich durch die Marktstände auf dem Stadtplatz und umstellt quasi einen Termin mit Bürgermeister Klaus Habermann und Stadtarchivar Christoph Lang, die das Stadtmodell präsentieren (siehe eigener Bericht).
Auf die große Politik hoffen will Grünen-Stadträtin Magdalena Federlin nicht, fällt ihr dabei ein. "Jeder muss jetzt für sich selber was tun", meint sie. Die Ergebnisse des am Mittwoch vom Weltklimarat IPCC vorgelegten Berichts seien alarmierend. Das Fazit: Die Verbraucher müssen schnell umdenken, die Staaten müssen im Kampf gegen die Erderwärmung ihre Wälder besser schützen und eine klimafreundlichere Landwirtschaft fördern.
Ob es eine weitere Klima-Demo in Aichach geben wird, stand gestern noch nicht fest.

Von Ines Speck
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Veröffentlicht am 09.08.2019 23:00 Uhr




 

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