Aichach    

Zukunftswald in Pöttmes

Aichach/Pöttmes - Zum ersten Mal vergab gestern das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg im Rahmen der Initiative "Zukunftswald Bayern" den Zukunftswaldpreis an Waldbesitzer aus den Landkreis Aichach-Friedberg. Sieger ist Leo Kammerer aus Immendorf (Marktgemeinde Pöttmes). Landrat Klaus Metzger übergab die Auszeichnung im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Wald des ersten Zukunftswaldpreisträgers.


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Damit der Umbau weitergeht, gab es Weißtannen für die Nominierten des Zukunftspreises: (von links) Bürgermeister Franz Schindele, Gerhard Granvogel (Aichach), Konrad Zeitlmeir (Anwalting), Landrat Klaus Metzger, Sieger Leo Kammerer mit Frau Ingrid, Wolfgang Sailer (Leiter des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten) und Emmeran Kopp aus Oberzell mit Ehefrau. Foto: Franz Hofner


Mit diesem Preis soll das hohe Engagement von heimischen Waldbesitzern gewürdigt werden, die sich besonders für einen stabilen, arten- und strukturreichen sowie zukunftsfähigen Mischwald einsetzen, sagte Forstdirektor Wolfgang Sailer.
Die beiden forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse im Landkreis sowie die Revierleiter des Amtes hatten vier Waldbesitzer für den Preis nominiert (siehe unten). Leo Kammerer erhielt von Landrat Klaus Metzger neben einer Urkunde und dem Geldpreis in Höhe von 500 Euro auch eine von Revierförster Ralf Bannholzer gestaltete Holzskulptur. Die Stele aus heimischer Eiche soll Durch-, Ein- und Überblick symbolisieren, sagte der Motorsägen-Künstler bei der Übergabe.
Die wirtschaftliche Nutzung der Wälder und Klimaschutz müssten in Einklang gebracht werden, sagte Landrat Metzger. Gerade in einer Ökomodellregion habe das große Bedeutung. Der Druck auf die Waldbesitzer sei gegenwärtig groß.
Über den Hauptpreis entschied eine fünfköpfige Jury mit den beiden Vorsitzenden der Waldbauernvereinigungen Aichach und Friedberg, einem Vertreter des Landschaftspflegeverbandes und der Privatwaldbesitzer sowie Forstdirektor Wolfgang Sailer.
Die Initiative Zukunftswald Bayern sei mit ihrem projektbasierten Förderprogramm auf sehr gutem Weg, sagte Forstdirektor Sailer. In den letzten zehn Jahren sei von den Waldbesitzern schon rund 60 000 Hektar Wald zukunftsfähig umgebaut worden, dazu kommen weitere 25 000 Hektar im Staatsbesitz. In den nächsten 30 Jahren sollen noch weitere 260 000 Hektar umgebaut werden. Auch in der Region Augsburg mit einem bisher sehr hohen Fichtenanteil seien noch 13 000 Hektar umbaubedürftig, im Landkreis Aichach-Friedberg werden es noch rund 530 Hektar sein. Im Landkreis mit seiner Waldfläche von insgesamt 19 228 Hektar sind 14 192 Hektar Privatwald, 99 Prozent seien private Waldbesitzer, von diesen werde die Zukunft der Wälder im Wittelsbacher Land entschieden, so der Forstdirektor. Den Hauptwaldanteil mit über 60 Prozent nimmt immer noch die Fichte ein. Die Fichte sei allerdings im Zuge des Klimawandels, den zunehmenden Wetterextremen wie Temperaturerhöhung, Trockenheit und Stürmen sowie durch den Borkenkäfer extrem gefährdet. In weiten Teilen fällt die Fichte als überlebensfähige Baumart bereits teilweise regional aus. Wie die Teilnehmer für den Waldpreis eindrucksvoll unter Beweis stellten, widmen sich im Landkreis bereits viele Waldbesitzer leidenschaftlich einem konsequenten Umbau in zukunftsweisende und nachhaltige Wälder.
Alle Kandidaten wiesen überzeugende Waldbilder mit zahlreichen klimatoleranten Mischbaum-Arten, viel Laubholz, guter Pflege und auch dem Belassen markanter Alt-Eichen und Buchen vor, sagte Ralf Gang, Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Ausschlaggebend für die Entscheidung war schließlich der Mut von Leo Kammerer: Nach großen Schäden durch Sturm Lothar im Jahr 1999 hat er bei der Wiederaufforstung nicht nur auf gängige Baumarten gesetzt, sondern neben den bereits bekannten klimatoleranten Baumarten wie Buche, Eiche, Douglasie auch Elsbeere, Robinie und Edelkastanie eingebracht. Auch die konsequente Wertästung seiner Zukunftsbäume sei ein mutiger Schritt in Richtung Wertschöpfung für die nachfolgenden Generationen. Der Nebenerwerbslandwirt und leidenschaftliche Jäger verbringt fast jedes Wochenende in seinem Wald. Den Zukunftswaldpreis, der wieder in zwei Jahren verliehen wird, erhielt er beispielgebend für die Vielzahl der Waldbesitzer, die mit großem Engagement an der Zukunft ihres Waldbesitzes arbeiten, sagte Forstdirektor Sailer.

Von Franz Hofner


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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