Aichach    

20 abgemagerte Kühe: Besitzerin vor Gericht

Aichach - Weil in ihrem Stall 20 abgemagerte Kühe standen, muss sich derzeit eine 46-Jährige vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Ihr wird die Misshandlung der Tiere vorgeworfen. Mehrfach hatte das Veterinäramt auf den schlechten Zustand der Kühe hingewiesen und eine bessere Fütterung angemahnt. Ehe ein Urteil fällt, wird nächste Woche noch ein weiterer Zeuge gehört.


Auf einem Video, das vor Gericht gezeigt wurde, sind abgemagerte Kühe zu sehen, deren Beckenknochen überdeutlich hervorragen, unter dem ebenfalls deutlich sichtbaren Gerippe fällt der Bauch ein. Auf einer eigens dafür von Fachleuten verwendeten Skala von eins bis fünf stufte der Leiter des Veterinäramts diesen Zustand als zwei ein. Eine zu fette Kuh wird als fünf eingestuft, eine wohlgenährte Kuh erreicht die Einstufung vier, drei ist mäßig, zwei ist schlecht und eins ist nur noch ein Gerippe. Eine weitere Mitarbeiterin des Veterinäramtes erklärte, dass die Tiere in einem solchen Zustand nicht nur Hunger haben und darunter leiden, sondern dass sie auch Folgeschäden davontragen. Das liegt unter anderem daran, dass Wiederkäuer ein anderes Verdauungssystem haben. Dauerhafte Unterernährung führe zu Übersäuerung, Krankheiten - etwa an den Klauen - können die Folge sein.
Die Angeklagte hat die Tiere von einem Bekannten geschenkt bekommen, dem ein Tierhalteverbot auferlegt worden war. Er hat ihr auch den Stall im Großraum Aichach kostenlos verpachtet. Die Kühe habe sie "immer mindestens ausreichend" gefüttert, erklärte sie.
Die 46-Jährige ist gelernte Immobilienkauffrau, hat nach eigenem Bekunden aber als Kind viel von Landwirtschaft und Tierhaltung in einem benachbarten Betrieb gelernt. Unter Umständen aber nicht genug. Als Vertreter des Veterinäramts bei einer Inspektion über die Verabreichung einer Glucoselösung nachdachten, habe sie vorgeschlagen, einfach Traubenzucker in Wasser aufzulösen. Aus Sicht der Expertin ist das beim Pansen-Verdauungssystem der Tiere gänzlich unsachgemäß und würde unter Umständen sogar Schäden verursachen.
Der Betrieb wurde besonders engmaschig kontrolliert, weil schon beim Vorgänger einiges nicht in Ordnung war. Dabei ging es nicht um die Ernährung der Tiere, sondern um die hygienischen Zustände. Allerdings blieb der Helfer für Fütterung und Ausmisten nach der Schenkung derselbe, die Angeklagte ist seine Lebensgefährtin. Er erklärte den abgemagerten Zustand der Tiere damit, dass diese nach der Geburt der Kälber durch das Milch geben ausgezehrt seien. Gerade in dieser Zeit müsse aber die Fütterung angepasst werden, weil es sonst bleibende Schäden gebe, erklärte die Tierärztin des Veterinäramts. Abgesehen davon sind nur elf Kälber auf die Welt gekommen, abgemagert war aber der ganze Bestand.

Von Carina Lautenbacher Mehr dazu lesen Sie in der Ausgabe der AICHACHER ZEITUNG vom 27. Juni 2019.


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Veröffentlicht am 16.10.2019 23:00 Uhr




 

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