Aichach    

Rückzug in der Box?

Aichach - Im neuen Aichacher Krankenhaus soll es einen Rückzugsraum für Patienten geben, einen "Raum der Stille", in dem sie alleine sein, nachdenken, meditieren oder beten können. Der Werkausschuss des Kreistags beauftragte die Geschäftsführung der Kliniken an der Paar, eine solche Möglichkeit zu schaffen. Damit reagierte man auf einen entsprechenden Antrag der ÖDP - und auf die Tatsache, dass es so etwas in dem 50-Millionen-Euro-Neubau nicht gibt.


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Eine Kapelle und einen Raum der Stille gibt es nur im Gebäude des alten Aichacher Krankenhauses. Im Neubau (Foto) soll nun auch eine solche Möglichkeiten geschaffen werden. Foto: Berndt Herrmann


Das scheint erstaunlich, noch erstaunlicher ist aber die Tatsache, dass Krankenhauskapellen und Rückzugsräume nicht öffentlich gefördert werden. Im Gegenteil: Der Landkreis muss wohlüberlegt vorgehen, sonst droht die Rückzahlung von 300 000 Euro an Fördergeldern.
Dass es keine Kapelle und keinen Raum der Stille gibt, liegt auch daran, dass beides im Altbau eigentlich vorhanden ist. Es war auch geplant, die dortige Krankenhauskapelle aufzuwerten und den Vorraum als Raum der Stille umzubauen. Allerdings ist der Weg dorthin, so unter anderem die Kritik der ÖDP, weit und gerade für ältere, kranke Menschen beschwerlich. Bei Messen scheint das noch lösbar. Die finden zu einem festgesetzten Zeitpunkt statt, es lässt sich ein Transport- und Begleitdienst organisieren.
Während Dr. Krzysztof Kazmierczak die Räume im alten Krankenhaus für ausreichend hält und im Werkausschuss über eine bessere Beschilderung und freundlichere Gestaltung nachdachte, waren die meisten Kreisräte anderer Meinung. "So ein Raum gehört in ein Krankenhaus", betonte Berta Arzberger (ÖDP), Dr. Renate Magoley hält ihn ebenfalls für "sehr wichtig".
Einig sind sich alle Kreisräte, dass der Raum allen Menschen jedweden Glaubens zur Verfügung stehen soll.
Auf Verständnis und Unterstützung stieß das Anliegen auch bei Landrat Dr. Klaus Metzger. "Wir brauchen einen solchen Raum und wir ringen um eine gute und vernünftige Lösung, und das darf auch keine Sache des Geldes sein", versicherte er den Kreisräten. Von denen mochten einige, darunter auch der Aichacher Bürgermeister Klaus Habermann, nicht glauben, dass sich in einem so großen neuen Gebäude nicht etwa ein geeignetes Zimmer finden ließe. Problematisch bleibt allerdings die sogenannte "Förderschädlichkeit"; also die Gefahr, dass bei der Umwidmung eines Zimmers in eine nicht förderfähige Nutzung Zuschüsse an den Staat zurückgezahlt werden müssen.
Eine nicht nur dafür mögliche Lösung, die sich viele Kreisräte durchaus vorstellen können, brachte Dr. Renate Magoley ins Spiel: eine flexible, mobile "Box", die man an verschiedenen Standorten aufstellen und auch wieder verschieben könnte. Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 01.06.2019 12:00 Uhr



 
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