Aichach    

Den Landkreis ein Stück gesünder machen

Aichach - Es war nicht unbedingt ein langer Kampf, aber einer, bei dem doch erhebliche Widerstände überwunden werden musste. Seit 1. April ist es aber nun so weit: Der Landkreis Aichach-Friedberg ist, wie auch die Nachbarn in Dachau, eine "Gesundheitsregion plus", und seit 2. Mai ist mit Andreas Michel auch der Leiter der Geschäftsstelle an Bord. Das Ziel ist klar: Die Gesundheit der Bürger und die Gesundheitsvorsorge im Wittelsbacher Land verbessern.


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Keine Angst vor Schnupfen: Gruppenbild im Regen mit (von links) Landrat Dr. Klaus Metzger, Andreas Michel, Leiter der Geschäftstelle der Gesundheitsregion plus Aichach-Friedberg, und Dr. Friedrich Pürner, Leiter des Gesundheitsamts. Foto: Berndt Herrmann


Es ist vor allem das Verdienst von Dr. Friedrich Pürner, dem Leiter des Gesundheitsamtes, dass der Landkreis zu den 50 Gesundheitsregionen in Bayern gehört. Er verfolgte das Projekt zielstrebig und mit guten Argumenten - und auch mit viel Geduld. Denn im Kreistag gab es Zweifel, ob eine solche Einrichtung notwendig ist. Erst ein einstimmiges Votum der Bürgermeister gab dann den Ausschlag.
Dass es in einer Region, die allgemein gut und grundsätzlich auch im Gesundheitsbereich gut aufgestellt ist, dennoch genug Aufgaben für Andreas Michel gibt, macht schon eine erste Befragung, die Pürner im vergangenen Jahr durchgeführt hat, deutlich.
So wird die Versorgung mit Kinderärzten und Psychotherapeuten in den Gemeinden als eher schlecht bewertet, die Zahl der Kinderärzte liegt im Landkreis tatsächlich deutlich unter dem schwäbischen Schnitt; das gilt auch für die Quote bei der zweiten Masernimpfung. Und in den kommenden Jahren wird die Nachbesetzung von Hausarztpraxen eine große Aufgabe werden. Vom Thema Hebammen, aktuell wohl das wichtigste, gar nicht zu reden.
Wobei man sich nicht der Illusion hingeben sollte, dass allein durch die Einrichtung einer Gesundheitsregion auf einmal eine große Zahl von Hebammen und jungen Ärzten, die unbedingt eine Landpraxis wollen, herein drängen werden. Allerdings haben andere Landkreise bei dem Thema Landarztpraxen durchaus gute Erfahrungen gemacht.
Wie geht aber die Arbeit einer Gesundheitsregion, die dem Gesundheitsamt zugeordnet ist, vor sich? Ihre Aufgabe ist zunächst einmal, alle, die in einer Region im Gesundheitswesen zu tun haben, zusammenzubringen, ein Netzwerk aufzubauen, ihre Aktivitäten zu koordinieren. Das reicht von den Krankenkassen über die sozialen Verbände und Wohlfahrtseinrichtungen und die Politik bis hin zu den Ärzten, dem Pflegepersonal und anderen. Das geschieht vor allem in einem Gremium, dem Gesundheitsforum. Dort wird analysiert und besprochen, welche Aufgaben anstehen und am dringendsten sind. Mit denen beschäftigen sich dann einzelne Arbeitsgruppen. Gemanagt und koordiniert wird das von der Geschäftsstelle beziehungsweise dem Leiter, zu dessen Aufgaben es auch gehört, regelmäßig einen Gesundheitsbericht zu erstellen.
Andreas Michel bringt trotz seiner erst 26 Jahre eine Menge Erfahrung im Gesundheitswesen und damit für diese Aufgabe mit. Nach einer Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger studierte er Angewandte Gesundheitswissenschaften und war dann bei einem Wohlfahrtsverband tätig, bevor es ihn wieder näher zur Heimat - Michel stammt aus der Ingolstädter Gegend - zog.
Landrat Dr. Klaus Metzger hat schon konkrete Vorstellungen, wie eine Gesundheitsregion dazu beitragen kann, die Versorgung zu verbessern. Mit genauen Analysen und entsprechenden Daten zum Bedarf hofft er, bestimmte Projekte besser durchsetzen zu können, etwa bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB). Ein Beispiel wäre die Weiterentwicklung der Psychiatrischen Institutsambulanz, die nach langem Kampf endlich nach Aichach kommen wird, zu einer stationären Einrichtung.
Michel hat auch schon zwei erste Schwerpunktthemen ausgemacht, die er bearbeiten wird: zum einen die sexuell übertragbaren Krankheiten; Zielgruppe sind hier die 17 bis 25-Jährigen. Dann das Thema Demenz. So wird die Gesundheitsregion Aichach-Friedberg zum Beispiel bei der ersten Bayerischen Demenzwoche vertreten sein.
Für den Landkreis bedeutet die neue Einrichtung übrigens keine große Investition: Weil der Freistaat eine Vollzeitkraft für fünf Jahre mit 70 Prozent fördert, bleiben für ihn etwas mehr als 20 000 Euro jährlich. Nicht viel für ein Projekt, in dessen Mittelpunkt, wie Landrat Metzger betont, der Bürger stehe und dessen Ziel es ist, die Gesundheit aller zu verbessern.

Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 11.09.2019 23:00 Uhr




 

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