Aichach    

Weniger Flammen im Frühling

Aichach/Dachau - Das Brauchtum in der Region lebt - noch. Am Karsamstag werden auch in diesem Jahr an vielen Orten im Wittelsbacher und Dachauer Land Jaudusfeuer entzündet. Doch ihre Zahl ist seit Jahren rückläufig, und einige Organisatoren befürchten jetzt: Der Brauch könnte aussterben. Die Schuld daran sehen sie in größerer Verantwortung und strengeren Auflagen. Schon die Entsorgung der Asche ist aufwendig.

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Unterm ersten Frühjahrsvollmond bestaunen jährlich tausende Menschen in der Region die Verbrennung des "Jaudus". Engagierte Dorf- oder Stadtbewohner fahren teilweise tagelang mit Traktoren und Anhängern durch die Gegend - immer auf der Suche nach Heizmaterial.
Größer und höher als der des Nachbardorfes soll der eigene Jaudus sein. Um das zu erreichen, wird auch gerne mal ein fremder Haufen vorzeitig in Brand gesteckt - über manchen von ihnen hängt noch heute eine Strohpuppe, der Judas, der biblische Verräter Christi. Sobald die Sonne ein letztes Mal vor Jesu Auferstehung untergeht, wird der Haufen entzündet.
So hat der Katholizismus ein heidnisches Frühjahrsfeuer umgedeutet, das einst Winter und Tod austreiben sollte. Vor diesem Hintergrund sieht das Feuer heute wohl kaum noch jemand. Für die meisten ist "der Jaudus" nur ein schöner Brauch. Und den sehen einige in Gefahr. Die Scheiterhaufen im Landkreis Aichach-Friedberg werden weniger. Wer sich umhört, erfährt schnell: Vielen wird die Sache zu heiß.
Michael Schneider aus Paar bei Kühbach war jahrelang an der Organisation eines Jaudusfeuers für Kühbach beteiligt. In diesem Jahr gibt es in der gesamten Verwaltungsgemeinschaft, also der Gemeinde Schiltberg und dem Markt Kühbach, genau ein Jaudusfeuer: in Unterbernbach.
Die Kühbacher richten heuer keinen Haufen auf. "Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die das Feuer anmelden", meint er. Der Grund: "Die Auflagen werden strenger und die Verantwortung größer." Wer das Feuer meldet, haftet im Schadensfall. Seit 1992 ist eine Haftpflichtversicherung Pflicht für den Veranstalter. Sie ist teil der sogenannten "Jaudus-Verordnung". Damit reagierte der Landkreis Aichach-Friedberg 1992 auf den Einsturz eines Jaudus 1991 bei Mühlhausen, der für einen 24-jährigen Affinger tödlich geendet hatte. Er war zusammen mit einem weiteren Mann unter dem Haufen begraben worden. Das zweite Unfallopfer sitzt im Rollstuhl. Gezahlt hat der Veranstalter.
Auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen oder Dachau lässt sich der Trend nicht erkennen. Und eine Debatte über Strauchschnitt wird dort auch nicht geführt. Sibylle Hein von der Unteren Naturschutzbehörde in Dachau meinte dazu im Gespräch: "Wir vermeiden lieber, dass das alte Sofa der Großmutter verbrannt wird." Grüner Strauchschnitt nur in Maßen sinnvoll

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 17.04.2019 23:00 Uhr




 

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