Aichach    

Gemeinsam für die Geburtshilfe

Aichach - Es ist das seit Wochen am meisten diskutierte Thema im Wittelsbacher Land: Die Geburtsstation im neuen Aichacher Krankenhaus wurde gar nicht erst eröffnet, der in Friedberg droht am 1. April die Schließung. Bei einer Veranstaltung der Kreis-Frauen-Union in Aichach wurde das Thema einmal mehr umfassend diskutiert. Klar wurde dabei, dass die Situation in Aichach und Friedberg durchaus unterschiedlich ist, und es für Ärzte und Hebammen unterschiedliche Lösungen geben muss. Basis ist aber die Einrichtung einer Hauptabteilung in Friedberg in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Augsburg (UKA).

Georg Großhauser, Leiter der Abteilung 1 im Landratsamt, brachte es auf den Punkt: "In Aichach fehlten uns Hebammen, dann kamen uns in Friedberg die Ärzte abhanden." Für Zweiteres scheint die Hauptabteilung mit fest angestellten Ärzten, die ab 1. Mai kommen soll, die richtige Lösung zu sein. Bei der Diskussion war man sich einig, dass das Belegarztmodell in der Gynäkologie keine Zukunft habe.
Die Gespräche mit der UKA seien sehr positiv verlaufen, hört man aus dem Landratsamt. Nicht zuletzt gibt es in Augsburg ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit, weil die dortigen Kliniken zusätzliche Geburten aus dem Landkreis Aichach-Friedberg gar nicht aufnehmen könnten. Sie sind schon jetzt an ihrer Belastungsgrenze.
Schwieriger gestalten sich offenbar die Verhandlungen mit den Friedberger Belegärzten über eine Überbrückung von 1. April bis 1. Mai. Scheitern sie, bleibt der Landkreis für vier Wochen ohne Geburtsstation. Immerhin haben die Augsburger Kliniken zugesagt, ihre Kapazitäten in dieser Zeit zu erhöhen.
Etwas anders ist die Situation in Aichach, wo nicht mehr genug Hebammen zur Verfügung standen und auch kein Ersatz gefunden wurde. "Wir haben Lösungen für Aichach gesucht, aber niemanden gefunden", sagte Großhauser. Er erläuterte das Problem so: In Friedberg hätten acht Hebammen etwa 800 Geburten im Jahr gehabt, in Aichach vier Hebammen etwa 400 Geburten. Der "Kuchen" wurde als jeweils gleich aufgeteilt; nur muss auch in Aichach 365 Tage im Jahr ein 24-Stunden-Dienst gewährleistet sein. Die Aichacher Hebammen verdienen also weniger, vor allem für die von auswärts wurde das immer unwirtschaftlicher, weil zuletzt auch die Fahrkostenvergütung geändert wurde.
Zu der Veranstaltung am Montagabend im Aichacher Re(h)staurant hatte die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Iris Eberl, neben Hebammen unter anderem auch Dr. Christian Alex, den Landesvorsitzenden des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU, und Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek, der im Ausschuss für Gesundheit und Pflege sitzt, eingeladen. Beide verwiesen unter anderem auf die verschiedenen Maßnahmen und auch finanziellen Hilfen, die bereits geschaffen wurden: etwa eine Niederlassungsprämie oder Förderungen.
Dafür seien die Hebammen auch sehr dankbar, wie Christina Steinocher erklärte, die Sprecherin der Hebammen in Augsburg Stadt und Land ist. Das alles könne die grundlegenden Defizite des Systems aber nicht ausgleichen.
Klar wurde in dem Gespräch: Die Hebammen hätten sich in Aichach mehr finanzielle Unterstützung vom Landkreis gewünscht, wie sie auch, so ihre Argumentation, andernorts möglich sei. Großhauser und der stellvertretende Landrat Manfred Losinger betonten, Angebote in dem Rahmen gemacht zu haben, der rechtlich zulässig ist. Den schwarzen Peter will dabei keiner behalten. Kritik am Landkreis und seinem Umgang mit dem Hebammenmangel in Aichach gab es auch von SPD-Stadträtin Kristina Kolb-Djoka. Sie war ebenso wie die ÖDP-Kreisrätin Berta Arzberger zu der Veranstaltung der politischen Konkurrenz gekommen.

Von Dr. Berndt Herrmann


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Veröffentlicht am 10.07.2019 00:00 Uhr




 

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