Aichach    

Kröten vor dem Straßentod bewahren

Aichach (mth) Warm und feucht muss es sein und das lange genug, nur dann wagen sich Kröten und andere Amphibien aus ihren Winterverstecken und treten die gefährliche Reise zu ihren Laichgewässern an. Um sie vor dem Straßentod zu bewahren, scheuen der Bund Naturschutz (BN) und seine freiwilligen Helfer keine Mühen. Auch Autofahrer werden zur Mithilfe aufgefordert.

aufbau-krötenzaun

In diesem Jahr findet sie durch den in vielen Regionen zu milden Winter und einen warmen Februar besonders früh statt, die Wanderung der Kröten, Frösche und Molche.
Nachdem sie den Winter eingegraben in ihren Verstecken verbracht haben, machen sie sich zum Laichen mit den ersten Sonnenstrahlen auf, in die Gewässer ihrer eigenen Geburt. Die kleinen Wanderer müssen auf ihrer Reise oftmals Straßen überqueren, was für sie eine sehr große Gefahr darstellt.
Das Risiko besteht einerseits darin, von Autos überrollt zu werden, wenn die Kröten auf dem aufgeheizten Asphalt verweilen, um die Wärme zu genießen. Dies erklärt die Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Aichach, Helga Fritscher. Andererseits kann auch der Luftdruck, der durch zu schnell vorbeifahrende Autos verursacht wird, tödlich für die Tiere sein.
Eine "spannende Stelle" in der Region liegt am Hieslinger Weiher, berichtet Helga Fritscher weiter. Vor zwei Jahren wurde die Straße von Hiesling Richtung St. Georg geteert und ist seitdem deutlich stärker befahren. Der BN fand dort 2017 ein wahres "Kröten-Massaker" vor und mit den bisher ergriffenen Maßnahmen erzielte man noch keine großen Erfolge. Der errichtete Amphibientunnel wird von den Tieren kaum genutzt, und eine nächtliche Straßensperre im letzten Jahr sei von einigen Autofahrern kurzerhand beiseite geschoben und so schlichtweg umgangen worden, erinnert sich Fritscher.
Aktuell soll deshalb ein mobiler Krötenzaun die Amphibien am Leben erhalten, ein Teil des Zaunes steht bereits, der Rest wird am Samstag errichtet. Die Tiere suchen entlang der Absperrung nach einem Durchgang und fallen in Eimer, die in regelmäßigen Abständen ebenerdig in den Boden eingegraben werden. Zweimal täglich müssen diese von freiwilligen Helfern geleert werden, länger überleben die Tiere in den Behältern nicht.
Fritscher erinnert daran, dass selbst wenn man keinen unmittelbaren Nutzen in den Tieren sieht, das Verschwinden einer jeden Art schwerwiegende Folgen mit sich bringe, da jedes Tier Teil von Nahrungsketten ist. Der BN ruft deshalb Autofahrer auf, ihre Geschwindigkeit vor allem in der Dämmerung zu reduzieren und sich zu melden, falls sich ein "Brennpunkt", so nennt es Helga Fritscher, erkennen lässt, also ein Abschnitt, an dem besonders viele Tiere eine Straße überqueren. In diesem Fall sollte man, nach Möglichkeit mit einer Warnweste zum eigenen Schutz ausgerüstet, auch Tiere selbst über die Straße tragen. Besonders hilfreich ist es natürlich auch die Nutzung von Strecken mit hohem Amphibien-Vorkommen zu vermeiden.

Wer sich weiter einbringen möchte, kann sich jederzeit als freiwilliger Helfer beim BN engagieren. Die nächste Aktion findet in Hiesling statt. Freiwillige, die bereit sind bei der Errichtung des restlichen Amphibienzaunes zu helfen, treffen sich am Samstag, 16. März, um 9 Uhr an der Straße Richtung St. Georg. Rückfragen und eine Anmeldung zur Fahrgemeinschaft ist telefonisch unter der Nummer 08251/939 484 möglich.


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Veröffentlicht am 14.03.2019 23:00 Uhr




 

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