Aichach    

Geburtshilfe: Jetzt muss auch Friedberg schließen

Friedberg - Ab 1. April wird aller Voraussicht nach auch die Geburtshilfestation am Friedberger Krankenhaus geschlossen sein. Der von den Gynäkologen vorgelegte Dienstplan sieht ab diesem Zeitpunkt lediglich einen Frauenarzt in Rufbereitschaft vor - zu wenig für einen sicheren Betrieb. Jetzt kann nur noch die Einrichtung einer Hauptabteilung mit eigenem Chefarzt, fest angestellten Ärzten und Hebammen sowie eine entsprechende Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Augsburg helfen. Der Zeitplan ist ungewiss.


Es ist eine Hiobsbotschaft für das Wittelsbacher Land und besonders für junge Familien: Binnen eines Jahres hat der Landkreis erst die Geburtshilfestation in Aichach verloren und dann trotz aller Bemühungen auch noch diejenige in Friedberg. Diskussions- und Protestveranstaltungen, Unterschriftenlisten und Gespräche mit hochrangigen Politikern - all das hat am Ende nichts gebracht.
Entsprechend frustriert waren gestern die ersten Reaktionen. Es habe absolut keine Anzeichen für diese Entwicklung gegeben, teilte Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamts, mit. Die Entwicklung sei "extrem ernüchternd". Zuletzt war es dem Landkreis gelungen, vom Bayerischen Justizministerium eine positive Beurteilung von Prämienzahlungen für die Belegärzte zu bekommen. Bis dahin musste befürchtet werden, dass Zuschüsse zu den hohen Versicherungsprämien als Verstoß gegen das Antikorruptionsgesetz gewertet werden können. 1,5 Millionen Euro wurden vom Landkreis zur Unterstützung von Hebammen, die ebenfalls hohe Versicherungsprämien entrichten müssen bereitgestellt, zudem für die übertarifliche Bezahlung von Personal und für Zuschüsse zu den Versicherungsprämien von Gynäkologen. Zusätzlich haben die Krankenkassen rückwirkend zum 1. Januar die Sätze für belegärztliche Geburtshilfe erhöht. "Es entsteht aber der Eindruck, dass es hier am Willen zur Zusammenarbeit fehlt", sagt Wolfgang Müller.
Das sind am Ende des langen Ringens um die Geburtshilfe deutliche Worte. Die fand bereits Manfred Losinger, Stellvertretender Landrat, am Rande des politischen Aschermittwochs der Friedberger CSU (Seite 22), als schon das Schlimmste zu befürchten, aber noch nicht offiziell war: "Wir haben den Ärzten goldene Brücken gebaut. Der Landkreis hat regelrecht Kopfstände vollführt und jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen." Dass es offensichtlich seitens der Ärzte nicht einmal die Bemühung gebe, den Betrieb bis zur Etablierung einer Hauptabteilung aufrechtzuerhalten, findet Losinger einigermaßen erschütternd.
Schwangeren Frauen rät Klinik-Chef Dr. Krzysztof Kazmierczak, ihren jeweiligen Frauenarzt zu befragen, ob und wo die Entbindung durchgeführt werden kann. Denn die Belegärzte sind nicht weisungsgebunden, das Krankenhaus kann ihnen keine Vorschriften machen. Im Umkreis sind das Zentralklinikum und das Josefinum in Augsburg, Bobingen, Schwabmünchen, außerdem die Krankenhäuser in Dachau, Pfaffenhofen und Neuburg mögliche Anlaufstellen für Gebärende.
Kazmierczak nimmt in den nächsten Tagen die ohnehin geplanten Verhandlungen mit der Augsburger Uniklinik auf. Ob und wie eine Hauptabteilung gemeinsam betrieben werden kann, ist dabei einer der wesentlichen Diskussionspunkte. Man darf mit einem gewissen Interesse an einer Vereinbarung auf Augsburger Seite rechnen, schließlich haben die Kliniken an der Paar jährlich rund 1000 Entbindungen durchgeführt. Das kann Augsburg nicht problemlos auffangen.
Der Klinik-Chef peilt den 1. Januar 2020 als frühesten Termin einer Wiedereröffnung der Friedberger Geburtshilfe an. Dafür müssten aber schon im Vorfeld Ärzte eingestellt werden, sodass der Betrieb der Abteilung grundsätzlich bereits zu einem früheren Zeitpunkt denkbar sein könnte.
Hebammen, mit denen man ebenfalls seit langem schon in Gesprächen ist, sollen im Vorfeld fest angestellt werden. Erste Verträge sind bereits ab April angepeilt. "Es entsteht der Eindruck, dass es am Willen zur Zusammenarbeit fehlt"

Von Carina Lautenbacher


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Veröffentlicht am 08.03.2019 23:00 Uhr




 

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