Aichach    

Prägende Figur für Aichach

Aichach - Immer mehr ist Lorenz Aloys Gerhauser in den vergangenen Jahren in den Blick der Lokalhistoriker gerückt. Der frühere Aichacher Bürgermeister hat sich nicht nur in den Napoleonischen Kriegen um die Stadt verdient gemacht, er hat vor allem durch seine Chronik einen archivalischen Schatz hinterlassen, der eine wichtige Zeitspanne in Aichachs Geschichte beleuchtet. Nun hat ein Team um den Leiter des Stadtmuseums, Christoph Lang, eine 44-seitige Broschüre über Gerhauser aufgelegt, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 250. Mal jährt.


gerhauser-broschüre
Sie alle haben am Entstehen der Broschüre mitgewirkt (von links): Franz Friedl, Horst Lechner, Justina Bayer, Konrad Cremer und Museumsleiter Christoph Lang. Die Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, für die Vorstandsvorsitzende Birigt Cischek beim Vorstellungstermin war, hat die Herausgabe der Broschüre über einen der Vorgänger von Bürgermeister Klaus Habermann mitfinanziert. Auf dem Bild fehlt Mitautor Gottfried Hecht. Foto: Carina Lautenbacher


Dezidiert soll das mit vielen Illustrationen versehene Heft keine Fachliteratur für Experten sein. Vielmehr zeichnet das Autorenteam nach ausgiebigem Quellenstudium eine Persönlichkeit nach, die sich einerseits um ihre Heimatstadt sehr verdient gemacht hat, die aber auch in der Leitung der elterlichen Brauerei überfordert, am Ende hoch verschuldet und vor allem ein Leben lang sehr unglücklich war.
Wer also war dieser Lorenz Aloys Gerhauser, der aus seinem Privatvermögen einen Teil der Kosten für die Einquartierung der Soldaten in den Jahren 1791 bis 1809 trug, weil die Stadt und ihre Bürger dazu nicht imstande waren - und der zugleich ein geradezu glühender Verehrer des Königs und der ganzen Familie der Wittelsbacher war? Mit neun Jahren wurde das begabte Kind auf die Jesuitenschule St. Salvator in Augsburg geschickt. Es folgten sechs Jahre "im Schoß des Glücks", wie er in seinem Rückblick schreibt. Denn mit 15 Jahren wurde er als das einzige Kind nach Hause zurückbeordert, um in die elterliche Brauerei einzusteigen. "Vielleicht", spekuliert Christoph Lang, "wäre er gerne Geistlicher geworden" - mit allen damit verbundenen Möglichkeiten, seinen Studien nachzugehen. Offensichtlich war er ein fleißiger Schüler und ein sehr frommer dazu.
Statt Latein und Griechisch, statt Rhetorik und Poesie musste er aber das Bräuerhandwerk erlernen. Es wirkt, als habe er es nicht gern, aber klaglos getan. Denn wie Konrad Cremer, der einen der Texte für die Gerhauser-Broschüre geschrieben hat, bemerkt: So gottgefügig das Jesuiten-Kind Gerhauser gewesen ist, so gefügig scheint der heranwachsende junge Mann und spätere Bürgermeister gewesen zu sein: Was immer der Vater bestimmte - der Sohn tat es. Obwohl auch das zum späteren Ruin einer der reichsten Familien der Stadt beitrug. Konrad Cremer arbeitet in seinem Beitrag heraus, dass Gerhauser durchaus ein Wohltäter war, am finanziellen Ruin waren aber nicht nur seine Großzügigkeit, sondern auch seine falschen wirtschaftlichen Entscheidungen sowie die seines Vaters schuld.
Ab 1791 gehörte Gerhauser verschiedenen politischen Gremien an, 1805 wurde er zum Bürgermeister gewählt. Obwohl er 1807 wiedergewählt wurde, nahm er das Amt nicht an. 1824 wählten ihn die Aichacher noch einmal. Auch da lehnte er ab - wegen seiner schwierigen finanziellen Lage.
Die Broschüre über Lorenz Aloys Gerhauser wurde vom Stadtmuseum Aichach herausgegeben und erscheint im Holzheu Verlag. Beitrage wurden verfasst von Justina Bayer, Konrad Cremer, Franz Friedl, Gottfried Hecht, Christoph Lang und Horst Lechner. Sie ist für vier Euro im Stadtmuseum und im örtlichen Buchhandel erhältlich. "Oberwittelsbach zu einem Ort der Geschichte gemacht"

Von Carina Lautenbacher


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 24.11.2018 12:00 Uhr



 
Drucken Speichern Senden Leserbrief