Aichach    

Sensationell professionell: Premiere beim Pegasus-Theater

Schrobenhausen - Die Schrobenhausener Stadthalle wünscht sich das Pegasus-Theater von Herzen als Spielort zurück und tatsächlich ist es so, dass sich das Ensemble längst eine große Bühne verdient hätte. Laientheater ist das, was bei der Premiere des Dürrenmatt-Stückes "Ein Engel kommt nach Babylon" geboten wird, eigentlich nur, weil die Akteure eben keine Darsteller von Berufswegen sind.


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Grandios gespielt: Die Schauspieler des Pegasus-Theaters legten eine beeindruckende Vorstellung hin. Federführend für die Regie zuständig war Ferdinand Kreitmair, der auch selbst in der Rolle des Bettlers Akki (oben links) zu sehen war. In den weiteren Hauptrollen spielten Alexander vom Stein als König von Babylon und Anna Singer als das Mädchen Kurrubi (oben rechts). Fotos: Heidrun Budke


Die Inszenierung selbst, die am Mittwochabend im Konzertsaal der Maria-Ward-Realschule zur Aufführung kam, ist fesselnd, faszinierend, unterhaltend, bewegend, kurz gesagt: äußerst professionell.
Der Konzertsaal hat Atmosphäre - keine Frage - und es ist ein Glück, dass die Rektorin der Realschule, Petra Schiele, diese Räumlichkeit zur Verfügung stellt. Andererseits ist und bleibt die "Heimatlosigkeit" des Pegasus-Vereins, wie Karin Oberacher es nennt, ein Problem, vor allem aus diesem Grund: Der Saal fasst - nach der für die Aufführung notwendige Erweiterung der Bühne - knapp unter 100 Menschen. Außerdem kann, um den Schulbetrieb nicht zu stören, nur eine recht kurze Spielzeit, stattfinden. Da ist es um die viele Arbeit und Zeit, die investiert wurde, fast schade, denn das Ergebnis sollte einem viel größeren Publikum präsentiert werden können.
Seit August vergangenen Jahres beschäftigt sich das Team mit der Komödie von Dürrenmatt; in einem Workshop wurde die Entscheidung getroffen, "Ein Engel kommt nach Babylon" zu spielen. Oberacher ist als Schneidermeisterin verantwortlich für die wunderbaren Kostüme und eine der wenigen im Team, die eben kein Laie ist. Sie erzählt: "Wir haben uns fast gestritten, als es darum ging, ob der Text gekürzt werden soll oder nicht." Für immerhin fast drei Stunden, inklusive halbstündiger Pause, wird nun die Aufmerksamkeit des Publikums gefordert. Bei der Premiere war das, trotz schwüler Temperaturen im Saal, überhaupt kein Problem. Und auch, wenn man es ob der Aktualität mancher Wendungen und Aussagen, die Dürrenmatt in dem 1953 erschienen Stück schreibt, glauben könnte: Auch inhaltlich wurde der Text nicht überarbeitet.
Verantwortlich dafür, dass das Publikum wie gefesselt auf seinen Stühlen sitzt, ist das hohe Niveau, auf dem die ganze Inszenierung daher kommt: Licht, Musik, Kostüme und Maske sind nahezu perfekt gelungen und bringen die Ausstrahlung der Schauspieler und damit die Wirkung des Stückes bestens zur Geltung. Eine gewisse Bekanntheit haben die beiden männlichen Hauptdarsteller ja schon durch vergangene Aufführungen erreicht.
Ferdinand Kreitmair, hier als Bettler Akki, und Alexander vom Stein, der den König von Babylon, Nebukadnezar, verkörpert, überzeugen erwartungsgemäß - auch als Regisseure, denn jeder von ihnen sowie Elena Ludwig zeichnen für je einen der drei Akte verantwortlich.
Aber auch unter den weiteren 19 Darstellern gibt es keinen, der am Premieren-Abend wirkliche Kritik verdient hätte. Auffällig durch das Kostüm mit ausladenden Flügeln und Reifrock ist auf den ersten Blick vor allem Nicole Mahrenholz als Engel, der so wenig Empathie mitbringt wie ein Stück Holz und nicht in der Lage ist, menschliche Gefühle auch nur annähernd richtig zu deuten. Er sieht immer nur Frohsinn und Glück, auch wenn soeben Wut und Verzweiflung herrschen. Das Publikum kann darüber herzlich lachen. Dann muss natürlich Anna Singer genannt werden, die das Mädchen Kurrubi spielt und zwar mit einer Emotionalität, die berührt: von naiv-erwartungsvoll, glücklich und verliebt wandelt sie sich zu verängstigt und deprimiert bis zu enttäuscht, verletzt, einsam und hoffnungslos. Fast möchte man als Zuschauer auf die Bühne gehen und sie trösten.
Keine Figur ist nachlässig gestaltet, jeder wird Wichtigkeit und Ausdruck verliehen. Seien es die größeren Rollen wie Erzministerin oder Obertheologin über kleineren Rollen wie den Eselmilchverkäufer und die Arbeiterfrauen bis zu dem in wenigen Szenen ziemlich intelligenzgemindert über die Bühne hüpfenden Kronprinzen - alle haben ihren Anteil am Gelingen der gesamten Inszenierung. Allen voran aber dann doch die Hauptrollen, nicht zuletzt wegen der raumfüllenden Stimmen der Akteure: Alexander vom Stein wird zu Nebukadnezar. Der Zuschauer sieht in ein von Geltungsdrang, Ehrgeiz, Einsamkeit und zuletzt beinahe Wahnsinn zerfressenes Gesicht. Dagegen steht der Bettler Akki. Ferdinand Kreitmair verleiht der Figur die notwendige intelligente Überlegenheit, Witz, Eloquenz und den Ausdruck eines unabhängigen Freiheitsdenkers. Und spätestens am Ende ist klar: Der Bettler ist der eigentliche Gewinner in Babylon.

Für die weiteren Vorstellungen am Samstag, 12. Mai, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 13. Mai, um 11 und um 18 Uhr gibt es noch Karten und zwar online unter www.pegasus-theater.de, telefonisch unter der Nummer 08251/204 60 46 oder auch per E-Mail an karten@pegasus-theater.de. Licht, Musik, Kostüme und Maske sind nahezu perfekt gelungen Aufmerksamkeit des Publikums für knapp drei Stunden gefordert

Von Heidrun Budke

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Veröffentlicht am 12.05.2018 12:00 Uhr