Aichach    

Osama und die Box

Aichach - Dreieinhalb Stunden Flugzeit. München - Damaskus. 2625 Kilometer Fluglinie. Erstaunlich, wie heute jedermann nach Australien, Dubai oder in die Karibik reist, zehn, zwölf, fünfzehn Stunden Flug, während drei Stunden Flugzeit entfernt von unseren Doppelhaushälften und Baggerseen Krieg herrscht. Osama Saleh ist nicht mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen. Seine Mutter und seine drei Geschwister sind, wie viele syrische Flüchtlinge, mit einem Boot aus der Türkei in die EU gekommen. "Wir sind dann durch ganz viele verschiedene Länder gereist, auch nach Schweden, bis wir schließlich nach Deutschland gekommen sind. Das hat ein Jahr gedauert.", erzählt der 14-Jährige heute - in ziemlich gutem Deutsch. Das ist auch ein Erfolg für Brigitte Grimm, seine Sprachpatin.


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"Wenn jemand lernen möchte, dann kann er lernen" : Osama Saleh und seine Sprachpatin Brigitte Grimm. Foto: Theo Harzer


Osamas Vater ist noch in Syrien. Er hat eine kleine Schwester, sie ist in der dritten Klasse. Sein jüngerer Bruder ist elf, sein älterer 18. "Der will mal studieren!", erzählt Osama stolz. 2015 sind sie in Deutschland angekommen.
Wenige Monate nach seiner Ankunft lernte er Brigitte Grimm kennen. Die Rentnerin engagiert sich ehrenamtlich als Sprach- und Lesepatin für Kinder mit Migrationshintergrund.
"Nachdem ich in Rente gegangen bin, habe ich eigentlich sofort eine ehrenamtliche Beschäftigung gesucht", erzählt sie. "Lesen macht mir unheimlich Spaß, und daher ergab sich das mit der Lesepatenschaft."
Lesepatenschaften: Das ist eine Initiative der Freiwilligenagentur "Miteinand und füreinand im Wittelsbacher Land". Die Paten treffen sich einmal in der Woche mit einer Gruppe von Kindern, dann wird zusammen ein Buch gelesen. Die Sprachpatenschaften sind etwas jünger und ein Kooperationsprojekt der Freiwilligenagentur, des Schulamtes und des Kreisjugendrings Aichach-Friedberg. "Die Besonderheit ist, dass sich die Sprachpaten einzeln mit ihren Schützlingen treffen und Deutsch üben, wobei der Spaß dabei für beide im Vordergrund steht", erklärt Sabine Grandel, Sprachpatenkoordinatorin und Assistentin der Geschäftsleitung des Kreisjugendrings.
Dabei sind die Kinder und Jugendlichen keineswegs nur Flüchtlinge. Auch Kinder aus der Türkei, Russland oder Polen können in den Genuss eines so speziellen Sprachtrainings kommen.
Osama hat sich auch abseits des Schullebens bereits gut integriert. "Ich spiele Fußball, beim BC Aichach. Am liebsten im Mittelfeld, aber wenn wir einen Verteidiger brauchen, mache ich das auch!" Sport ist für ihn sehr wichtig, er boxt auch noch beim TSV Aichach. "Wenn ich groß bin, möchte ich Fußballspieler oder Boxer werden", lächelt Osama. Falls das nicht klappen sollte, hat er aber auch einen Plan B in petto. Als die Berufsberatung nämlich an der Schule war, hat er sich dort umgeschaut. "Maler würde ich gerne werden. Erst dachte ich Bäcker, aber Maler gefällt mir mehr." Für Osama ist all das, was wir als selbstverständlich betrachten - Schule, ein sicheres Heim, eine Ausbildung mit Perspektive - ein großes Privileg. Ihm gefällt es gut in Deutschland, "klar, hier gibt es keinen Krieg." Unglaublich ist es, wie schnell sich ein so junger Mensch in einem fremden Land anpassen kann, wie schnell er die Sprache lernt. Die Sprachpatin Brigitte Grimm war ihm dabei eine große Hilfe.
Von Theo Harzer Lesen Sie den ganzen Artikel in der Mittwochsausgabe der Aichacher Zeitung.


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Veröffentlicht am 23.08.2017 12:00 Uhr