Aichach    

Rollentausch bei der Berufsorientierung

Aichach-Friedberg - 2001 fand der erste Girls' Day in Deutschland statt. Seit 2010 gibt es auch einen Boys' Day. Beide sind mittlerweile jährlich wiederkehrende, wichtige Termine für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Unternehmen geworden. Dabei können Mädchen mehr über Berufe erfahren, in denen männliche Mitarbeiter dominieren - und Jungen erhalten Einblicke in eher weiblich besetzte Berufsfelder. Auch in Aichach-Friedberg beteiligten sich gestern viele Unternehmen.


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Viele Unternehmen ermöglichten Schülerinnen und Schülern gestern erste Einblicke in mögliche Ausbildungsberufe. Cornelius Hackenberg (linkes Bild) durfte bei Notar Dr. Thomas Kilian eine Urkunde besiegeln, acht Mädchen färbten Strümpfe bei Juzo (Mitte), Eileen Pieper (rechtes Bild, links) und Carina Schäfer reparierten Landmaschinen bei Schleger Landtechnik. Fotos: Nayra Weber & Schleger Landtechnik


Angebote zum Boys' Day waren zum Beispiel die Berufe Verwaltungsfachangestellter im Landratsamt in Aichach, Erzieher im Kindergarten Krambambuli in Affing und Fleischerei-Fachverkäufer im Kissinger V-Markt.
"Wir beteiligen uns immer sehr gerne an solchen Aktionen, um die jeweiligen Ausbildungsberufe praxisnah zeigen zu können", erklärt Janine Szymanski von V-Markt. Durch den Berufsfindungstag können auch Missverständnisse aufgeklärt und Tätigkeiten ins rechte Licht gerückt werden, zum Beispiel im Fall des Fleischfachverkäufers, "damit die Schüler genau wissen, was sich hinter diesem Beruf verbirgt, und dass es dabei um den Verkauf geht und nicht um das Metzgern, wie manche erst vermuten." Heuer konnte der angebotene Platz in Kissing allerdings nicht besetzt werden. Das Unternehmen will sich dennoch wieder an derartigen Aktionstagen beteiligen.
Beim Aichacher Notar Dr. Thomas Kilian hat sich ein Praktikant gefunden, der Einblicke in das Tätigkeitsfeld in einem Notarbüro erhalten wollte. Cornelius Hackenberg drückt normalerweise die Schulbank im Aichacher Deutschherren-Gymnasium. Gestern erfuhr er, was ein Notar macht und was seine Mitarbeiter. Die Grundlage bildet die dreijährige Ausbildung zum Notarfachangestellten. Die Branche bietet gute Aufstiegschancen und einen sicheren Arbeitsplatz, wie Dr. Thomas Kilian unserer Zeitung berichtet. Wer sich nämlich zusätzlich zum Notarinspektor ausbilden lässt, arbeitet im öffentlichen Dienst. Viele Jahrzehnte lang war das Notariat eine männerdominierte Branche. In den vergangenen Jahren habe sich das allerdings gewandelt, weiß Dr. Thomas Kilian. Das ist der Grund, warum sein Büro Teil des Boys' Day wurde - um diesen "ganz besonderen Beruf" in die Wahrnehmung der Schüler zu rücken. "Vielen ist nicht bekannt, welche Tätigkeiten, welchen Werdegang und vor allem welche Perspektiven das Notariat als Berufszweig mit sich bringt." Cornelius Hackenberg wusste das vorher auch nicht, deswegen hat sich der 13-Jährige für das Tagespraktikum angemeldet. Er durfte bei Vorgesprächen mit Mandanten zuhören, Mitarbeitern beim Erstellen von Vertragsentwürfen und bei der Beurkundung von Verträgen über die Schulter schauen und am Ende sogar selbst eine Urkunde besiegeln.
Von Nayra Weber


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Veröffentlicht am 29.04.2016 12:00 Uhr



 
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