Aichach    

Der nächste Schritt zur Integration

Aichach - Rund 350 Flüchtlinge leben derzeit im Stadtgebiet von Aichach. Bisher herrscht eine positive Willkommenskultur in der Paarstadt, zu der nicht zuletzt das aufopferungsvolle Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher beiträgt. Bürgermeister Klaus Habermann geht mit gutem Beispiel voran und läutet gerade den nächsten Schritt der notwendigen Integration ein: die Schaffung von Wohnraum für anerkannte Asylbewerber.


Dass dies die vermutlich schwierigste Aufgabe sein wird, die es zu bewältigen gilt, machte Habermann am Freitagabend im Rahmen der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins deutlich (siehe auch weitere Berichte dazu auf der Seite 16). "Die Arbeit geht erst los", erklärte das Stadtoberhaupt. Derzeit ist er auf der Suche nach günstigem Wohnraum für mehrere Familien, deren Asylanträge anerkannt wurden. In der Folge müssen sie jetzt schnell ihre Zimmer in den Asylunterkünften räumen, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen. Doch wo sollen sie hin?
Eine Frage, die angesichts des überhitzten Immobilienmarktes kaum zu beantworten ist. Die Stadt Aichach schöpft eigene Ressourcen aus. Momentan schaffe man zwei bis drei Wohnungen, die Flüchtlingsfamilien zur Verfügung gestellt werden sollen. Wie Habermann am Rande der Versammlung erklärte, befinden sich die Räumlichkeiten in einem Gebäude auf dem Areal der alten Feuerwehrzentrale an der Martinstraße. Das Haus war früher bereits bewohnt und wird momentan hergerichtet.
Scharfe Kritik übte der Bürgermeister in diesem Zusammenhang am Gesetzgeber. Im Visier hatte er die Energieeinsparverordnung, die zum Jahreswechsel weiter verschärft wird. Mit der "EnEV 2016" sinkt der maximal zulässige Jahres-Primärenergiebedarf für Neubauten um 25 Prozent. Zugleich steigen die Anforderungen an die energetische Qualität der Gebäudehülle, denn durch eine veränderte Nachweismethode sollen die Wärmeverluste um 20 Prozent verringert werden. Aus Sicht von Habermann steigen die Kosten um ein Viertel, "ohne nennenswerten Nutzen". Wie man "solch einen Schwachsinn" angesichts der aktuellen Herausforderungen bei der Beschaffung sozialen Wohnraums machen könne, sei ihm ein Rätsel. Zumindest hätte man die künftigen Vorgaben vorübergehend aussetzen können. Die entsprechenden Aktivitäten vermisst Habermann von allen Parteien - auch von seiner eigenen.

Von Robert Edler


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Veröffentlicht am 14.12.2015 12:00 Uhr