Aichach    

Betreuung von Flüchtlingskindern im Wittelsbacher Land

Aichach - Immer mehr Flüchtlingskinder werden in Kindergärten und Krippen im Wittelsbacher Land betreut. Die sprachliche und soziale Integration von Anfang an ist eine wichtige Herausforderung, die sich die Erzieherinnen und Erzieher zur Aufgabe gemacht haben.


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Die Flüchtlingskinder Bahir (links) und Majid Kange aus Syrien gehen in Ecknach in den Kindergarten. Foto: privat


Die Stadt Aichach betreibt acht Einrichtungen, in denen inzwischen 13 Kinder von Asylbewerbern untergebracht sind. Drei weitere warten bereits auf einen Platz. Die meisten Kinder kommen aus Nigeria, die anderen aus Uganda, Eritrea und Afghanistan.
Landkreisweite Zahlen zur Unterbringung von Flüchtlingskindern in Kindergärten und Krippen gibt es nicht, in der Statistik wird nicht nach Kindern von Asylbewerbern oder Migranten und Kindern deutscher Herkunft unterschieden, wie das Landratsamt Aichach-Friedberg auf Rückfrage unserer Zeitung erklärt.
Im Stadtgebiet Aichach gibt es neben den städtischen Kindertageseinrichtungen auch zwei katholische. Im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es insgesamt 91 Einrichtungen in unterschiedlichen Trägerschaften.
Im Katholischen Kindergarten und der Krippe St. Peter und Paul in Ecknach werden derzeit rund 80 Kinder betreut, die Schulkinderbetreuung eingerechnet. Der Migrationsanteil unter den Kindern beträgt 12,5 Prozent. Unter den 15 Krippenkindern ist auch ein Flüchtlingskind, der zweijährige Tain. In den Kindergarten gehen rund 50 Kinder, darunter zwei Kinder von Asylbewerbern, der vierjährige Majid und der fünfjährige Bahir. Die drei Jungen stammen aus Syrien und sind Geschwister, sie werden seit Februar in Ecknach betreut.
Abgesehen davon gehen viele Kinder mit Migrationshintergrund in Ecknach in den Kindergarten.
In vielen Einrichtungen wird das Konzept "Deutsch 240" angewandt. Dieser "Vorkurs Deutsch", wie er auch genannt wird, wurde in Bayern im Schuljahr 2001/02 eingeführt. Er wird zu gleichen Anteilen (je 120 Stunden) von pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen (für Kinder ab ungefähr vier Jahren) und von Grundschullehrkräften (ein Jahr bis Schulbeginn) durchgeführt.
Der Ecknacher Kindergarten ist wie viele andere zudem auch Teil des Sprachkurses "Kinder in Kulturen und Sprachen", kurz Kikus, das für Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren entwickelt wurde. Auch dieses Konzept arbeitet mit Bildern zur Veranschaulichung. Zudem werden die Muttersprachen einbezogen, was eine Zusammenarbeit mit den Eltern begünstigt.
Nicht nur sprachlich, sondern auch gesellschaftlich müssen sich die Flüchtlingskinder erst an ihre neue Heimat gewöhnen. Beim Spielen mit den anderen Kindern und beim Radfahren wird der unterschiedliche soziokulturelle Hintergrund deutlich, was nicht immer - man denke an den Straßenverkehr - ungefährlich ist, erklärt Susanne Heinz. Mindestens genauso wichtig ist die psychologische Betreuung der Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht optimal umsetzbar ist. Manfred Müller von der Stadt Aichach erklärt auf Rückfrage unserer Zeitung, dass zwar "Screenings" bei den Kindern gemacht werden, was jeweils am Anfang einer Aufnahme bei allen Kindern steht, um psychische und kognitive Entwicklungsrückstände auszumachen. Bei psychischen Auffälligkeiten müsse man die Eltern aber an Facheinrichtungen verweisen.
Momentan arbeiten die deutschen Pädagogen und Pädagoginnen angesichts des Erziehermangels und der steigenden Anzahl an Migranten- und Flüchtlingskindern bis an die Grenzen des Machbaren, um auch die deutschen Kinder angemessen betreuen und fördern zu können. "Man macht es nach bestem Wissen und Gewissen", erklärt Susanne Heinz. Gezählt wird auf Deutsch, Russisch, Türkisch, Polnisch, Albanisch - und natürlich auch auf Bayerisch

Von Nayra Weber


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Veröffentlicht am 21.11.2015 12:00 Uhr



 
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