Aichach    

Migrationstag mit Podiumsdiskussion: Erst Unterbringung, dann Integration

Aichach - Eigentlich sollte es beim Migrationstag, den die Gesellschaft für Internationale Entwicklung München in Aichach organisiert hatte, um nachhaltige Lösungsansätze zur politischen und sozialen Integration von Migranten und Flüchtlingen gehen. Doch bereits zu Beginn der Podiumsdiskussion wurde klar: Der aktuelle Flüchtlingsstrom steht im Vordergrund.


migrationstag-podium-asyl
Sie diskutierten beim Migrationstag in Aichach über die aktuelle Flüchtlingssituation: Dr. Joy Alemazung, Projektleiter Engagement Global, SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Simone Strohmayr, Landrat Dr. Klaus Metzger, CSU-Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko und Uche Akpulu, Mitglied im Bayerischen Flüchtlingsrat. Foto: Verena Heißerer


 "Wir bemühen uns alle - natürlich auch über Parteigrenzen hinweg - die Situation so gut wie möglich zu gestalten und bekommen es auch hin. Aber wir denken noch gar nicht an Integration", erklärte Landrat Metzger. Derzeit gehe es vor allem darum, das Tagesgeschäft zu bewältigen und wöchentlich bis zu 50 Flüchtlinge wenigstens unterzubringen.
Von den Milliarden, die der Bund den Ländern nun zur Verfügung stellt, werde bei ihm nicht viel ankommen, fürchtet Metzger und verwies darauf, dass die Belastung der kommunalen Haushalte nicht angemessen sei.
Dass es im Landkreis ganz gut funktioniere und es nur wenige Spannungen gebe, liege zum einen an der hervorragenden Arbeit, die die Ehrenamtlichen leisten, und zum anderen daran, dass der Landkreis auf dezentrale Strukturen setze: Die knapp 1200 Asylbewerber sind auf 86 Einrichtungen verteilt. Doch das werde man nicht mehr allzu lange durchhalten können. "Wir kommen um Wohneinheiten mit 80 bis 150 Flüchtlingen nicht mehr herum", fürchtet Metzger. Die von Diskussionsleiter Kayode Salau vorgeschlagene Stärkung der interkulturellen Kompetenzen stellte der Landrat zurück: Dafür sei schlicht keine Zeit. "Wir dürfen nicht in eine Überforderungssituation geraten - am Ende kippt die ganze Sache. Die Stimmung ist gut, und das soll so bleiben."
Die einfache schnelle Lösung der aktuellen Krise hatte Dr. Simone Strohmayr nicht parat. Doch sie ist überzeugt, dass ein neues Einwanderungsgesetz, das legale Einwanderung und Zugang zum Arbeitsmarkt, der mit Blick auf die Demografie sehr bald viele vakante Stellen bieten werde, die man auffüllen müsse, ein Teil der Lösung sei.
Die Forderung nach dem Einwanderungsgesetz brachte Peter Tomaschko beinahe auf die Palme. Es gebe bereits Möglichkeiten, Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Doch die aktuelle Situation sei nicht mehr zu bewältigen.
Dr. Joy Alemazung gab Landrat Metzger Recht, dass es manchmal wichtigere Dinge gebe als Integration. Oberste Priorität habe nun, "den Menschen ein zu Hause zu geben". Aber er verwies auch auf die Migranten, die schon hier seien. "Wir brauchen keine Willkommens-, sondern eine Anerkennungskultur."
Enttäuscht von der Diskussion zeigte sich Dasings Zweite Bürgermeisterin Anne Glas. Sie ist seit Langem im Dasinger Asylkreis aktiv und hält es für sehr gefährlich, immer mit Zahlen zu arbeiten. Dadurch würden Ängste weiter angekurbelt. In Bezug auf den angespannten Wohnungsmarkt appellierte Metzger an die gemeindliche Solidarität: "Die Landkreis-Wohnbau-Gesellschaft steht bereit, aber wir können nicht viel tun, wenn wir keine Grundstücke bekommen." Man müsse gemeinsam weiterdenken. Versöhnliche Worte am Ende der teils hitzigen Diskussion fand Dr. Joy Alemazung. Gemeinsam könne man die Situation meistern. "Wir sind allgemein auf einem guten Weg." Notstand nur inszeniert?

Von Verena Heißerer


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 24.01.2016 22:04 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief