Aichach    

Aichachs Stadthexe geht online

Aichach - Kann man eine Stadtführung in Zeiten von Corona organisieren? Ja, das ist möglich, auch wenn der Lockdown zum Improvisieren zwingt. Die Lösung: Der Gast bleibt zu Hause und erlebt vor dem Bildschirm live einige Sehenswürdigkeiten der Stadt und lässt sich die Geschichte und die Kultur erzählen. Dabei kann er auch virtuell lustige Begebenheiten und Anekdoten genießen.


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Gezeigt, erzählt, aber auch gelacht: Sabine Dauber und Franz Gutmann begeisterten die Besucherinnen und Besucher bei ihrem virtuellen Rundgang durch Aichach. Foto: Xaver Ostermayr


Historisch, unterhaltsam und amüsant: Sabine Dauber aus Peutenhausen und Franz Gutmann aus Untergriesbach hatten am Samstag für kurzweilige eineinviertel Stunden gesorgt. Die "Stadthexe" und der "Nachtwächter" nahmen die User ab 19 Uhr mit auf einen Spaziergang durch das historische Zentrum der Herzogstadt. Und sie plauderten über "Aichacher Frauengeschichten". Die kostenlose Live-Onlineführung vor Ort fand über das Meeting-Tool Zoom statt.
Bereits um 18.15 Uhr treffen sich die beiden Stadtführer am Brunnen vor dem Heilig-Geist-Spital. Rund 30 Interessierte haben sich zur Stadtführung angemeldet, erzählen sie. Sehr viel Aufwand und viel Know-how ist nötig, erzählt Sabine Dauber, die für die Technik vor Ort zuständig ist. Regie führt an diesem Abend ein Spickzettel, er ist quasi das Drehbuch. Und vorab haben sich die beiden Vorreiter der Echtzeit-Stadtführung natürlich zusammengesetzt und den Ablauf durchgesprochen. "Während der Führungen gibt es bei uns immer Essen und Trinken", plaudern die Geschichtskenner. Im Rotkäppchenkorb ist alles geordnet untergebracht.
Auch die Online-Teilnehmer werden vorab zum diesbezüglichen Mitmachen aufgefordert. "Also gehen wir's noch kurz durch", sagt die Stadthexe um 18.30 Uhr zum Nachtwächter. Um 18.45 Uhr stellt Sabine Dauber eine Onlineverbindung zu ihrem "Bua" her. "Was steht, das steht." Der "Bua" heißt Alexander, wohnt in Augsburg, ist für die Technik im Hintergrund zuständig und fungiert als Co-Kommentator. Derweil schenkt Franz Gutmann am Brunnenrand Prosecco ein. Nun ist die Zeit gekommen, die Mikrofone an die Gewandungen anzubringen.
"Wir machen immer lustige Führungen, dennoch historisch sehr fundiert, das muss sein", so Franz Gutmann. "Irmi ist schon da." Um 18.46 Uhr kann die Peutenhausenerin die erste Zuschaltung registrieren. Nun wird nochmals Kontakt zu Sohn Alexander aufgenommen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht gleichzeitig reden", erinnert die Stadthexe den Nachtwächter. Um 18.54 Uhr sind schon 18 User zugeschaltet. "Pauline ist da, Herbert ist da", freut sich Dauber, die Ideengeberin dieser virtuellen Tour.
Dann werden den Online-Teilnehmern die Sprechblase beziehungsweise Textblase erläutert. "Wie spät haben wir es?", will Sabine Dauber nun wissen. 18.58 Uhr. "Hockt ihr trocken da?", erkundigt sich Sabine Dauber bei einem Teilnehmer. Die Antwort beinhaltet das Wort Rotwein. Mit dem 19 Uhr-Glockenschlag vom Kirchturm geht's los. "Griaßt eich", sagt Franz Gutmann. Sabine Dauber weist die Teilnehmer der Stadtführung darauf hin, dass das Mikrofon und die Kamera nicht durchwegs eingeschaltet sein sollen, damit keine Störungen vorkommen. Allerdings kann im Chat jeder Fragen stellen. Und dann heißt es zum bevorstehenden Muttertag: "Alle Mütter, nehmt euren Sekt." Sodann gibt es bereits die erste Frage an die Zugeschalteten: "Wer weiß, wo wir hier sind?"
Anschließend gibt es beim digitalen Spaziergang viel Geschichtsträchtiges zu erfahren und netten Anekdoten von anno dazumal zu lauschen. Vorlagen benötigen die beiden qualifizierten Gästeführer während des Live-Streamings nicht, sie haben alles "intus". Ob es nun beispielsweise um historische Gebäude mit ihrer Geschichte geht, um die Ordensgemeinschaften oder um "Aichacher Frauengeschichten". Wohltäterin Eleonore Beck, Brauereieigentümerin Therese Reithmeier oder die Olympiasiegerin im Diskuswurf, Gisela Mauermayer, zählen zu diesen verdienten Bürgerinnen. Fehlen dürfen auch nicht Anekdoten aus dem Alltag des Aichacher Weibsvolkes aus längst vergangenen Zeiten.
Der Rundgang führt über das Obere Stadttor zum Josefsplatz zu folgenden Stationen: Schlossplatz, Stadtpfarrkirche, Danhauserplatz, Hubmannstraße, Essiggasse, Unteres Tor und Hinterm Turm. Gerhard Bauer, Chef der Bäckerei und Konditorei Bauer, trifft in der Essiggasse unverhofft auf die Stadthexe und den Nachwächter. Spontan erzählt er von der Bauer'schen Bäckereigeschichte und vom Wittelsbacher Ur-Brot. Mit viel Gestik und Mimik klärt Franz Gutmann an dieser Stelle auf, was man unter Schlüsselgewalt versteht. Natürlich werden auf der Strecke auch kleine Törtchen genossen. "Habts ihr zuhause auch was zum Naschen?", fragt Sabine Dauber nach. Allerdings gibt es für die Teilnehmer immer wieder mal was zum Nachdenken. "Welche drei Konditoreien haben wir in Aichach?" oder "Was ist ein Batzen?" lauten die Fragen der Stadtführer. Aber auch seitens der Besucherinnen und Besucher wird nachgefragt. "Seit wann gab es in Aichach Nachtwächter?", will jemand wissen. "Wir könnten euch noch so viel erzählen", meint Sabine Dauber zum Schluss des Rundgangs. Dann genehmigen sich die Stadthexe und der Nachwächter noch einen Eierlikör. Es war eine informative, lockere, humorvolle und kurzweiligeTour.

Am Vorabend des Vatertages, am Mittwoch, 12. Mai, werden ab 19 Uhr "Aichacher Biergeschichten" präsentiert. Hierfür benötigen die Teilnehmer einen PC, Laptop oder ein Smartphone. Informationen sind erhältlich über stadtführung-aichach.de. Die Anmeldung hat per Mail zu erfolgen an aichach-online@web.de. Geschichten über bedeutende Frauen

Von Xaver Ostermayr


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Veröffentlicht am 10.05.2021 16:34 Uhr