Affing    

Pappelreihe wird gefällt

Affing - Vor rund 50 Jahren wurden sie gepflanzt, nun sollen sie fallen: 72 Pappeln am Affinger Bach in Haunswies weisen nach der Einschätzung des Revierförsters Schäden auf - zum Teil sind die Stämme hohl, die Äste dürr. Weil sich auch der Zustand weiterer Bäume in den nächsten Jahren wohl verschlechtern wird, empfahl er die Fällung aller Pappeln. In Zeiten der Klimawandeldiskussion stößt das nicht überall auf Verständnis.


Eigentlich wurden die Pappeln auf Privatgrund gepflanzt, allerdings stehen einige auf der Grenze und liegen damit im Verantwortungsbereich der Gemeinde Affing. Bei Gewässerpflegemaßnahmen wurden Schäden an einigen Bäumen festgestellt, die damit ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die Gemeinde sei für die Beseitigung der Gefahrenlage mitverantwortlich, heißt es in einer Beschlussvorlage des Gemeinderats.
Im Flächennutzungsplan ist das Areal, auf dem die Baumreihe steht, als "Einzelbäume mit besonderer Bedeutung" ausgewiesen. Deshalb ist eine komplette Fällung ohne adäquate Aufforstung ausgeschlossen. Mit der Planung der Ersatzpflanzung wurde Landschaftsarchitekt Hans Brugger beauftragt. Die Planungskosten von rund 1000 Euro übernimmt zu zwei Dritteln der Besitzer, ein Drittel trägt die Gemeinde. Auch die Kosten für die Fällung und der Erlös aus dem Holzverkauf, werden in diesem Verhältnis aufgeteilt. Die neuen Bäume werden nur mehr auf Privatgrund gepflanzt.
Ohne Diskussion billigte der Affinger Gemeinderat die Planung für die Ersatzpflanzung in seiner jüngsten Sitzung mit 14:1 Stimmen. Die Maßnahme soll im Herbst umgesetzt werden.
Aus den Reihen der Affinger Bürger kommt Kritik. "In Zeiten von dramatischem Klimawandel, heißen Sommern, Friday-for-Future-Demos, rasantem Artensterben und Verlust an prägenden Landschaftselementen wie diesen Bäumen am Bach ist die diskussionslose Entscheidung des Gemeinderates nicht nachzuvollziehen", meinen Josef und Renate Moll aus Affing. Ein Baum produziere etwa 10 000 Liter Sauerstoff am Tag, genug für zehn Menschen, außerdem verbrauche ein Baum dieser Größe vier Tonnen Kohlendioxid für sein Wachstum und binde es im Holz. "Keine noch so großartige Ersatzpflanzung kann die Leistung dieser ,grünen Lunge' in den nächsten Jahrzehnten auch nur annähernd ersetzen", sind Josef und Renate Moll überzeugt.
Ähnlich sehen das auch die Familien von Günter Vonay und Judith Wintersberger aus Affing: "Ein gesunder jahrzehntelanger Baumbestand, der Heimat für viele Tiere ist, wird leichtfertig zum Abschuss freigegeben. Diese kurzsichtige Handlungsweise, Bäume zu fällen, nur weil diese einen Ast oder Laub verlieren, und das noch an einer Stelle, die niemanden gefährdet, ist sehr bedenklich. Gerade in unserer derzeitigen Situation, in der wir froh sein sollten, wenn in der dauernden Monokultur einmal keine Fichten zu finden sind. Durch diesen Entschluss hat unser Gemeinderat dazu beigetragen, dass das Klima weiter verschlechtert wird und ohne Nachzudenken die Natur weiter zurück gedrängt."

Von Verena Heißerer


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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