Affing    

Tödlicher Streit in Asylunterkunft: Haftbefehl erlassen

Affing (tw) Nach dem tödlichen Streit in einer Affinger Asylunterkunft wurde der 34-jährige Beschuldigte zwischenzeitlich dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Augsburg vorgeführt, der den von der Staatsanwaltschaft Augsburg beantragten Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des Totschlags erlassen und in Vollzug gesetzt hat. Warum es zu dieser Auseinandersetzung gekommen ist und wie das Tatgeschehen genau abgelaufen ist, ist Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Die sofort eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen des Rettungsdienstes waren aufgrund des telefonischen Notrufes eines Bewohners der Asylunterkunft möglich.Wie berichtet, starb ein 48-jähriger Mann an den Folgen der gewalttätigen Auseinandersetzung. In der Asylunterkunft in Affing war es laut Polizeiangaben in den frühen Morgenstunden des Freitag gegen 5 Uhr zu dem Streit zwischen zwei eritreischen Flüchtlingen gekommen. Im Verlauf der körperlichen Auseinandersetzung wurde das 48-jährige Opfer derart massiv geschlagen und dabei so schwer verletzt, dass es trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen und Transport ins Uniklinikum seinen Verletzungen erlag.


Der 34-jährige Täter wurde am Tatort festgenommen und anschließend in den Polizeiarrest eingeliefert. Die Kripo Augsburg hat die Ermittlungen zu dem Tötungsdelikt aufgenommen. Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Nord zufolge war es aber wohl nicht die Absicht des 34-Jährigen seinen Landsmann so schwer zu verletzen. Es handelt sich also vermutlich um fahrlässige Tötung.
Wie das Landratsamt Aichach-Friedberg auf Nachfrage bekannt gibt, leben im Gemeindebereich Affing derzeit 36 Asylbewerber, aufgeteilt in drei Unterkünfte. Von den 36 Bewohnern haben bereits 14 Personen ein Bleiberecht.
Aufgrund der aktuellen Vorkommnisse werden die Bewohner der betroffenen Unterkunft auf andere Unterkünfte im Kreis verteilt. Dabei handelt es sich um neun Personen aus der Türkei, Gambia, Nigeria und Eritrea. Die Einrichtung werde nicht geräumt, weil weitere Auseinandersetzungen zu befürchten seien, erklärt Landkreis-Sprecher Wolfgang Müller. Vielmehr sei die Verlegung der Stimmung nach dem Todesfall geschuldet.
Ob es zwischen den beiden Flüchtlingen schon vorher zu einem Streit gekommen ist und wie genau das Opfer verletzt wurde, dazu wollte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai gestern noch keine Angaben machen. Zunächst müssten alle Details noch einmal genau geprüft werden.
Ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt wohl die Aufnahme der Zeugenaussagen, für die es Dolmetscher braucht. Insgesamt gibt es im Landkreis derzeit 42 Asyl-Einrichtungen, in denen rund 920 Personen untergebracht sind. Ein Teil davon, etwas mehr als 300 Personen, verfügen über ein Bleiberecht. Zudem leben mehr als 700 Asylbewerber mit Bleiberecht in privaten Wohnungen im Landkreis. In der Unterkunftsdependance in Mering sind aktuell etwa 50 Personen (wir berichteten).
Der Grund, warum viele Menschen aus Eritrea die Flucht ergreifen, liegt an dem diktatorischen Regime. Männer zwischen 18 und 50 Jahren werden zu einer jahrelangen Zwangsarbeit für Militär und Regierung verpflichtet. Von ihrem Sold lässt sich keine Familie ernähren. Sie sind gezwungen, dort zu leben, wo die Regierung sie hinschickt. Wer desertiert, wird laut UN-Angaben in Straflagern interniert.


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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