Der Jahresrückblick 2023 der Aichacher Zeitung
Veröffentlicht am 06.11.2023 08:00

Trennkost statt Hochzeitssuppn

<b>”Gstanzlsänga Lucky”</b> führte barfuß und mit seiner Quetschn souverän durchs Programm. Zeitweise auch mitten durchs Publikum, wo er in bester bayerischer Tradition die Gäste derbleckte. (Foto: Alice Lauria)
”Gstanzlsänga Lucky” führte barfuß und mit seiner Quetschn souverän durchs Programm. Zeitweise auch mitten durchs Publikum, wo er in bester bayerischer Tradition die Gäste derbleckte. (Foto: Alice Lauria)
”Gstanzlsänga Lucky” führte barfuß und mit seiner Quetschn souverän durchs Programm. Zeitweise auch mitten durchs Publikum, wo er in bester bayerischer Tradition die Gäste derbleckte. (Foto: Alice Lauria)
”Gstanzlsänga Lucky” führte barfuß und mit seiner Quetschn souverän durchs Programm. Zeitweise auch mitten durchs Publikum, wo er in bester bayerischer Tradition die Gäste derbleckte. (Foto: Alice Lauria)
”Gstanzlsänga Lucky” führte barfuß und mit seiner Quetschn souverän durchs Programm. Zeitweise auch mitten durchs Publikum, wo er in bester bayerischer Tradition die Gäste derbleckte. (Foto: Alice Lauria)

Das Pfarrzentrum St. Michael in Aichach verwandelte sich am Samstagabend in einen Ort der Heiterkeit und Lachtränen. Bei „Boarisch glacht“, dem bayerischen Kabarett- und Gstanzlabend mit Tradition, blieb im ausverkauften Pfarrzentrum kein Auge trocken.

Vier Künstler nahmen heuer teil. Durch den Abend führte der erste bayerische Witzemeister aus dem Jahr 2018 und mehrfache Gewinner verschiedener Witzemeisterschaften, Marcus Lukas alias „Gstanzlsänga Lucky“. In Schurz, Sepplhut und barfuß war allein das Erscheinungsbild des Oberpfälzers aus Kohlberg ein Grund zum Schmunzeln.

2019 hatte Lucky mehrere Gastauftritte in der Erfolgsserie des Bayerischen Rundfunks „Dahoam is Dahoam“. Er stellte sich selbst vor mit den Worten: „Ich bin der schönste aus Kohlberg, da könnts euch vorstellen, wie die anderen ausschauen.“ Er spielte gekonnt mit Worten, Dialekten und machte sich die Abneigungen von Oberpfälzern und Franken sowie Oberbayern und Schwaben für seine Witze zu Nutze. Einen Gast aus verpflichtete er direkt, sein persönlicher Bierbringer zu werden und stellte schnell den Unterschied zwischen „echten“ und „bio“ Landwirtinnen fest. Erstere habe ein Intim-Piercing, Letztere „a Zeckn“. Außerdem findet er „Frauen sollte man erfinden, die wie Sterne am Abend erscheinen und am Morgen verschwinden“.

Zweimal treibt es den Gstanzlsänger mitten ins Publikum, wo er souverän, spontan und sehr zur Erheiterung der Gäste einige Zuschauer derbleckte. „D’Hundsbuam“ – Florian Sedlmeier am Akkordeon und Daniel Lugauer an der Gitarre – sangen und lieferten sich einen humoristischen Schlagabtausch. Mit teilweise nicht ganz jugendfreien Liedern wie „Laßmas quietschn auf da Prietschn“, „Schleifer aus Paris“ oder „Schnucki fahrma nach Kentucky“ war die Gunst des Publikums garantiert. Die Zuschauer sangen lauthals mit, klatschten im Takt und schunkelten.

Ebenfalls aus dem Bayerischen Fernsehen, und zwar von den Prunksitzungen zum Fasching „Schwaben weiß blau, hurra und helau“, ist Josef Nieser bekannt. Er nennt sich selbst „Loch Sepp“, nach seinem Heimatort im Schrobenhausener Land. Der Alleinunterhalter, Hochzeitslader und Gstanzlsänger begeisterte durch Anekdoten aus dem Eheleben und über Hochzeiten. „Im Ehehafen gibt’s auch Kriegsschiffe“, stellte er fest und überlegte sich schon mal ein Menü für eine Scheidungsfeier: „Trennkost statt der Hochzeitssuppn und Brautentführung machma, aber mia suchens nimmer.“

Außerdem plauderte er aus seinem ganz privaten Ehe-Nähkästchen, „Mei Freundin hätt gern a Kind von mir, aber mei Frau will koans hergebn“ und etwas wehmütig ließ er verlauten „I wollt immer a Frau, die kocht wie mei Mama, aber momentan saufts wie mei Vater“. Er gab Tipps, um das Eheleben im Schlafzimmer durch Doktorsiele wieder aufzupeppen und zum Abnehmen, die Brigitte-Diät („mei Frau ist stinksauer, weil die Diät ist längst vorbei, aber mit der Brigitte triff i mi immer noch“).

Außerdem lüftete er das Geheimnis, warum König Charles seine Camilla geheiratet hat: „Er wollte auf Familienfotos ned immer der Hässlichste sein.“ Der „Loch Sepp“ zündete ein schier endloses Feuerwerk an Witzen und Geschichten, untermalt von Liedern und Gstanzln. Das Publikum war sichtlich begeistert und wischte sich zwischen Klatschen und Jubeln die eine oder andere Lachträne weg.

Alex Bolzer aus Diepoltshofen im Schrobenhausener Land, bekannt aus der Volkssänger-Revue „Brettl-Spitzn“ im Bayerischen Fernsehen, zeigte ein kurzweiliges Potpourri aus Liedern zum Lachen, solchen zum Mitsingen und welchen zum Schunkeln, zwischendurch bewies er ein großes Talent für Witze und Anekdoten. Sein „Lied der Winde“ über die übelriechenden Darmbewegungen verschiedener Berufsgruppen amüsierte ebenso wie sein Mitmachlied für alle „Trinket aus, schenket ein“.

Der zuweilen derbe Inhalt des dreieinhalbstündigen Abends vereinte Wirtshauskomik in Reinkultur mit bester bayerischer Mundart sowie Musik für Herz und Lachmuskeln. Hier wurde wahrlich „Boarisch glacht“.

north