Kaum war das Hin und Her um den Patron der Egk-Schule erledigt, hatte der Augsburger Stadtrat am Donnerstag über eine neue Namensgebung zu entscheiden: die Straßenbahnhaltestelle „Messerschmitt” im Stadtteil Haunstetten.
Eigentlich wollten die Stadtwerke Augsburg im Zuge einer Vereinheitlichung die Haltestelle wie es bei den meisten anderen Haltestellen auch ist, nach einer nahe gelegenen Querstraße in „Schafweidstraße” umbenennen. Denn die Messerschmitt-Werke, die der Haltestelle den Namen gaben, gibt es nicht mehr. Doch im Stadtteil selbst stieß das Ansinnen der Stadtwerke auf wenig Gegenliebe, wie sich bei einer Bürgerversammlung zeigte. In großer Mehrheit hatten sich die Haunstetter gegen eine Umbenennung ausgesprochen. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) erhielt zudem eine Unterschriftenliste von Messerschmitt-Fürsprechern.
Die Messerschmitt-Werke gaben vielen Menschen im Stadtteil nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeit. Ab den späten 1950er Jahren wurden hier wieder Flugzeuge gebaut - aber eben auch vor 1945 und das macht die Namensgebung problematisch. Im Stadtteil Haunstetten erinnert die Professor-Messerschmitt-Straße an Willy Messerschmitt, den Gründer der Flugzeugwerke. Hier hatte die Kommission für Erinnerungskultur eine Beibehaltung des Namens, aber gleichzeitig eine Kontextualisierung empfohlen, was der Stadtrat 2019 bestätigte. Ein Ergänzungsschild weißt darauf hin, dass bei der Straßenbenennung 1980 Messerschmitts „Mitgliedschaft in NSDAP und SS, seine führende Position in der NS-Rüstungsindustrie sowie die Ausbeutung Tausender Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in den Messerschmitt-Werken während des Zweiten Weltkriegs” unberücksichtigt blieben.
Auch zur Haltestelle gab die Kommission eine Einschätzung ab und kam dabei zu dem Schluss, dass einer Haltestellenbezeichnung nur eine „untergeordnete Erinnerungsfunktion und stadtgeschichtliche sowie erinnerungskulturelle Bedeutung” zukomme. Praktische Aspekte sollten im Vordergrund stehen. Die Kommission sprach sich für eine sinnvolle Umbenennung aus. Weiterhin empfahl sie, eine Informationstafel in der Umgebung der Haltestelle aufzustellen, worauf die Unternehmensgeschichte der Messerschmitt AG nachgezeichnet wird, „ohne dabei problematische Aspekte wie den massenhaften Einsatz von Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs und die Verknüpfungen zu den KZ-Außenlagern auszusparen”.
Im Stadtrat war man sich größtenteils einig, dass die Informationstafel aufgestellt werden sollte. Was die Namensänderung anbelangte, gab es allerdings quer durch die Fraktionen sehr unterschiedliche Meinungen. Christian Pettinger (ÖDP) drängte darauf, den Willen der Bürger zu beachten. Auch Johann Wengenmeir (Freie Wähler) betonte die Bedeutung des Flugzeugbauers für den Stadtteil. Für Andreas Jäckel (CSU) sah die Namensdebatte eher nebensächlich. Für ihn sei die Informationstafel der wichtigste Aspekt. Mit der Beibehaltung des jetzigen Namens hätte er kein Problem.
OB Weber wiederum stellte ganz pragmatisch den Nutzen des Haltestellen-Namens in Frage. Denn: Messerschmitt gebe es dort nicht mehr. Auch die Siemens-Haltestelle sei deswegen umbenannt worden.
Letztlich sprach sich die deutliche Mehrheit im Augsburger Stadtrat für eine Umbenennung und die Errichtung einer Informationstafel aus. Welchen Namen die Haltestelle künftig tragen soll, steht noch nicht fest. Hier wollte der Stadtrat die Bürger mitentscheiden lassen.