Musik und Wasser sind an zwei Wochenenden wieder das Thema des diesjährigen Festivals der Kulturen „Water and Sound”. Das Grundthema gibt heuer der Atlantik vor und die Beiträge nehmen das - nicht nur musikalische - Spannungsfeld zwischen den Kontinenten Europa, Afrika und Amerika in den Blick.
Ausgangspunkt ist die Forschung des britischen Soziologen Paul Gilroy, der zur gemeinsamen Vergangenheit der Kontinente aus Kolonialismus und Sklavenhandel den Begriff „Black Atlantic” prägte.
„Weitergedacht stellt das Bild des 'Black Atlantic' auch einen Kompass, ein Werkzeug, eine Sichtweise dar, die es uns allen ermöglicht, durch die gemeinsame Vergangenheit Afrikas, Europas und Amerikas zu navigieren und uns in der Gegenwart zu orientieren, um gemeinsam in die Zukunft zu blicken und um den Atlantik kreativ zu überqueren”, so Girisha Fernando, der Künstlerische Leiter des Festivals. Das Programm will er auch als eine Einladung „zur Empathie und zum Austausch, und ein Weg zum Verständnis der modernen Welt in all ihrer Vielschichtigkeit” verstanden wissen.
Fernando hat vom 25. bis 27. Juli und vom 2. bis 4. August mit Künstlerinnen und Künstlern von den drei Kontinenten vierzehn Konzerte zeitgenössischer globaler Musik geplant - eines davon findet im Kuhsee statt: Das Projekt Akutuk Origins bringt am 3. August, ab 18 Uhr eine ursprünglich aus Kamerun stammende Technik der Wasserperkussion zu Gehör. Eine besondere Zusammenarbeit ist am Wochenende davor zu erleben. Die Portugiesin Ana Lua Caiano steht am 27. Juli ab 20.30 Uhr zusammen mit dem Festival-Ensemble The Waterbirds aus Augsburg auf der Bühne. Caiano, die Festivalleiter Fernando mit „Sie hat so was Björk-artiges” beschreibt, verbindet traditionelle portugiesische Musik mit Elektronik. „Mit ihrer Musik bringt sie das traditionelle Erbe in die moderne Welt”, heißt es im Programmheft.
Ebenfalls am 27. Juli findet wieder die für alle offene Wasservogel-Parade statt. Der Zug vom Siebentischpark entlang der Augsburger Kanäle in die Augsburger Innenstadt ist inzwischen fester Bestandteil des Festivalprogramms. Zur ersten Wasservogelskulptur, inspiriert von der altägyptischen mythologischen Figur Bennu, die die Prozession anführt, stößt im Laufe der Parade „Nuun - the Subaquatic Bird of the Atlantic” hinzu.
Diskutiert wird auch und das gleich zu Beginn des Festivals am 25. Juli im Glaspalast. Zum „Atlantic Exchange” reden miteinander Wissenschaftlerin Mascha Salgado de Matos (Akademie der Bildenden Kunst München), Kulturhistorikerin Rachel Gillett (Utrecht University) und Musikerin und Aktivistin Kokonelle. Im zweiten Teil des Abends ergründen die Musikerinnen Diana Sanmiguel und Giovanna Mogollón die Vielfalt der kolumbianischen Musik. Im Anschluss findet die Vernissage zur Ausstellung „Underwater Disobedience” des portugiesisch-französischen Künstlerduos Diogo da Cruz und Fallon Mayanja in Zusammenarbeit mit Sebastian Giussani statt.
Komplettiert wird das Programm durch eine Reihe von Führungen, die verschiedene Welterbe-Objekte rund um die Festival-Spielorte beleuchten.
Zum Festival-Abschluss gibt es am 4. August ein Doppelkonzert auf der Freilichtbühne mit der kapverdischen Sängerin Mayra Andrade und Oumou Sangaré aus Mali.
Kulturreferent Jürgen Enninger freue sich, dass in diesem Jahr „in besonderem Maße Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen” eine Bühne geboten werde.
Die Konzerte im Annahof, auf dem Rathausplatz und auf der Bühne am Kuhsee finden bei freiem Eintritt statt. Für die Panels und Artist Talks werden Reservierungen empfohlen. Für das Konzert auf der Freilichtbühne sind Tickets unter waterandsound.de erhältlich. Dort findet sich auch das komplette Festival-Programm.