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Premiere beim Volkstheater: Denn sie entzündeten kein Licht

Aichach - Die Dunkelheit deckt so manches gnädig zu. Sie kann aber auch Dinge aufdecken, die besser verborgen geblieben wären. Wenn man sein Gegenüber nämlich nicht sieht und Dinge ausplaudert, die man besser für sich behalten hätte. Das ist die Grundidee von Peter Shaffers Farce "Komödie im Dunkeln", an der sich das Aichacher Volkstheater in den kommenden Wochen versucht. Das nicht einfach zu spielende Stück fand beim Premierenpublikum am Montag in der TSV-Turnhalle großen Anklang.


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Was im Dunkeln so alles offenbar wird: Szene mit (von links) Marina Hermann, Elisabeth Drescher, Markus Schneider und Wolfgang Manhart. Fotos: Erich Hoffmann


Der verkrachte Künstler Brindsley Miller (Markus Schneider) erwartet einen reichen russischen Mäzen in seiner Wohnung, der sich für seine kühn aus Abfallprodukten zusammengeschusterten Plastiken interessiert und durch den er sich finanziell zu sanieren hofft. Da er sich soeben mit Carol Melkett (Marina Hermann) verlobt hat, taucht auch deren Vater (Robert Predasch) auf, um den Schwiegersohn in spe unter die Lupe zu nehmen. Dann fällt der Strom im Haus aus, und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.
Da das Stück fast ausschließlich in tiefer Finsternis spielt, greift Shaffer in die Physik ein und macht diese Szenen für die Zuschauer hell, während die kurzen Phasen der Helligkeit im Dunkeln ablaufen. Das Publikum bekommt daher deutlich mit, dass sich weitere Personen in Brindsleys Wohnung verirren: seine Nachbarn Miss Furnival (Elisabeth Drescher) und Harold Gorringe (Wolfgang Manhart), seine einstige Geliebte Clea (Sabine Schneider) und der Elektriker (Udo Artmann), der fatalerweise ebenso wie der erwartete Kunstsammler (Jörg Richartz) Russe ist. Der freilich erscheint erst ganz zum Schluss auf der Spielfläche, als alles schon zu spät ist.
Brindsley hat sich, um Eindruck zu schinden, einige Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Harolds Wohnung ausgeborgt, was der fanatische Antiquitätensammler unter keinen Umständen erfahren darf. Keine einfache Aufgabe, da Harold überraschend von einer Reise vorzeitig zurückkehrt. Aber für Brindsley doch nicht so schwierig, wie sein einst ziemlich vielseitiges Liebesleben vor den Melketts geheim zu halten - zumal Carols Vorgängerin Clea nicht bereit ist, sich so einfach abschieben zu lassen.
Das Stück hat aber mehr zu bieten als die üblichen Verwechslungen und Bloßstellungen. Hier agieren acht Figuren, die alle ihre eigenen komischen Charakteristika haben: Papa Melkett ist ehemaliger Armeeoffizier und ein Kontrollfreak, Miss Furnival eine frömmlerische alte Jungfer, Harold der hippe Nachbar, Clea eine passionierte Spaßverderberin, und Brindsley selbst erinnert mit seinen Neurosen und seiner zunehmenden Verzweiflung an den frühen Woody Allen. Hinzu kommt, dass zwei Mitwirkende einen überzeugenden russischen Akzent darbieten. Und die Dunkelheit verlangt allen Darstellern ein gewisses artistisches Können ab, wenn sie über Stühle fallen oder die Treppe hinunter stürzen.
Das Timing des Ensembles ist nicht schlecht - mitunter laufen in verschiedenen Ecken der Bühne beinahe parallele Szenen ab, was die Mitwirkenden flüssig hinbekommen. Selbstredend nimmt das Chaos auf der Szene, je länger alle im Dunkeln tappen, immer mehr zu. Eine Profibühne hätte das vermutlich noch etwas präziser gespielt und das Durcheinander weniger überdreht. Aber es ist den Amateurschauspielern nicht zu verdenken, dass sie lieber dem Affen nach Kräften Zucker geben. Einzelne Zuschauer dankten ihnen das während der Aufführung mit spontanen Lachanfällen, und am Ende gab es für die gelungene Inszenierung heftigen Applaus, der auch Regisseurin Dagmar Franz-Abbott und Souffleur Richard Bauch sowie sicher das ganze Team hinter den Kulissen mit einschloss.
¦ Weitere Termine sind für den 22., 23., 24., 29. und 30. April geplant, jeweils um 19.30 Uhr in der TSV-Turnhalle. Karten können online unter aichacher-volkstheater.de reserviert oder an der Abendkasse erworben werden. Darsteller geben dem Affen Zucker

Von Andreas Alt

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Aufregung bei Colonel Melkett (Robert Predasch) und Clea (Sabine Schneider).



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Veröffentlicht am 19.04.2022 17:59 Uhr