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Der Vorhang fällt, die Lichter gehen an. Jetzt wird geredet, und laut wird es bei knapp 5000 Menschen vor der Bühne auch. Im Film - oder sollten wir sagen, jeder Art der darstellenden Kunst - gibt es die schöne Lehre "Show, don't tell". Soll heißen: Zeig mir, was Du mir sagen willst. Und halt die Klappe. Warum sollte man sich einen Film ansehen, in dem ein Erzähler das erklärt, was Menschen (!) gerade tun? Der Kollege aus dem Hinterland duldet den sogenannten auktorialen Erzähler sowieso nur bei Tiersendungen wie Warzenschwein, Auerochse und Co. samt seiner 1250 Adaptionen. Oder in Filmen wie "Die Wüste lebt".


Im Passionsspielhaus in Oberammergau aber hat der Kollege bemerkt, dass er den Erzähler nicht braucht. Der saß dort hinter ihm und war vielleicht fünf Jahre alt. Grüße gehen raus an die Frau Mama, die sich für ihren Nachwuchs vielleicht eine spannendere Beschäftigung hätte ausdenken können. Dass dem kleinen Bub nach viereinhalb Stunden biblischen Spiels auf der großen Bühne etwas fad geworden ist, kann ihm auch der Kollege nicht verübeln. Der durchaus erwachsenere Vordermann des kleinen Pimpfs musste ebenfalls an sich halten, nicht auf den Rängen zu rauchen, was wiederum den Spießer vor ihm geärgert hätte, der seine Nachbarn mehr als einmal fragte, "ob sie denn noch Interesse" hätten an der Geschichte vom Leiden Christi. So ein Wasser mit Sprudel kann ganz schönen Lärm machen, weiß der eigentlich gar nicht so katholische Schreiberling, der einfach sehen wollte, wie sich Jesus und die zwei Schächer am Kreuz unterhalten. Er ist, wie so mancher Kollege aus der Redaktion, ein großer Fan der berühmten Bibelszene aus England, in der Brian (so heißt er wirklich) mit seinen Leidensgenossen am Kreuz singt und pfeift.
Genug der Blasphemie: Auch die diesjährige Adaption des Monty-Python-Klassikers in Ogau ist spannend, wenn auch etwas grauer als das Original. Wer Kaiphas war und wer nicht, war nicht immer leicht zu sagen. Auch Judas war bis zu seinem Suizid eher verwechselbar. Und irgendwie war es daher gar nicht mehr so unpraktisch, den Buben immer wieder im Ohr zu haben. So konnte der Kollege zumindest hören, was er nicht gleich sah. "Hängt der sich jetzt auf? Warum ist da ein Strick? Ist der jetzt tot? MAMA!?" Gute Augen zu haben, kann auf den hintersten Rängen nicht schaden.


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Veröffentlicht am 26.09.2022 18:03 Uhr