Der Jahresrückblick 2023 der Aichacher Zeitung
Veröffentlicht am 23.01.2023 15:30

Frauen und Sucht

Am Freitag, 27. Januar, startet in der Suchtfachambulanz Aichach ein besonderes Hilfsangebot für Frauen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe, die sich speziell an Frauen richtet, die bereits suchtmittelabhängig sind beziehungsweise Suchtstörungen aufweisen und solche mit problematischem, aber noch nicht abhängigem Suchtverhalten. Die Gruppe kommt jeweils 14-tägig am Freitag zusammen, und zwar von 10 bis 11.30 Uhr. Sie ist ist kostenfrei. Die geschulten Helfer der Suchtambulanz unterliegen der Schweigepflicht.

Marta Budna-Lamla, Leiterin der Aichacher Suchtambulanz in der Münchener Straße19, erklärt, warum es eine geschlechtersensible Vorgehensweise in der Sucht braucht. Studien belegten, dass Frauen besonders häufig Schmerz-, Schlaf-, Beruhigungsmittel oder Nahrungsmittel konsumierten. "Das Suchtverhalten von Frauen zeigt sich anders als bei Männern, es ist still und angepasst." Geschätzt bis zu 500▎000 Frauen seien in Deutschland alkoholabhängig, bis zu einer Million medikamentenabhängig.

Durch Suchtproblematik versuchten Frauen etwa die Doppelbelastung durch die Familienverantwortung, die Anforderungen des Alltags oder die Überforderung in der Arbeitswelt zu kompensieren. Die Suchtfachambulanz Aichach will mehr Frauen mit dieser Problematik erreichen, um sämtlichen destruktiven Prozessen der Suchtstörung entgegen zu wirken, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. "Da die Frauen vordergründig für die Erziehung der Kinder zuständig sind und somit auch die wichtigste Bindungsperson für ihre Kinder, wirkt der frauenspezifische Ansatz durchaus stark auf das Familiensystem." Dadurch zeige sich auch der präventive Anteil der Suchtarbeit, man versuche zu verhindern, dass die Kinder später einen ähnlichen Weg gehen wie ihre suchterkrankten Mütter.

In der Frauengruppe soll ein Rahmen für vertraute Gespräche für Frauen mit suchtproblematischen Verhalten geschaffen werden. Gesprochen werden kann über Traumaerfahrungen und das Konsumverhalten. Zusammen soll nach Lösungen gesucht werden. "Zudem unterstützen wir die Frauen beim Ausstieg aus der Suchterkrankung: von Beratung-Vermittlung in die Therapie bis hin zur Nachsorge." Die Klientinnen erfahren in der Gruppe Offenheit, Transparenz, Wertschätzung sowie therapeutisches Verständnis für ihr aktuelles Leben. Die Frauen erlernen weibliche Strategien im Umgang mit Lebenskrisen, so Marta Budna-Lamla weiter. "Sie lernen, sich von destruktiven Verstrickungen in der Partnerschaft, Beruf zu lösen und abzugrenzen.tw

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