Der Jahresrückblick 2023 der Aichacher Zeitung
Veröffentlicht am 17.10.2022 17:21

Dringend notwendig, aber München blockiert

In diesem Fall kann man den etwas abgedroschenen Begriff getrost verwenden: Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) ist im Landkreis Aichach-Friedberg ein Erfolgsmodell. Schulleiter, Lehrer, aber auch Eltern und vor allem Schülerinnen und Schüler können sich den Alltag ohne Sozialpädagogen kaum noch vorstellen, und mittlerweile haben 25 Schulen JaS-Stellen. Darunter sind Grund- und Mittelschulen, Realschulen und Berufschulen; dazu kommen noch zwei Fachkräfte für Schulsozialarbeit an den beiden Förderzentren. Was fehlt sind die Gymnasien.

Warum das so ist, kann kaum begründet werden, weil soziale oder emotionale Probleme nicht mit dem Wechsel aufs Gymnasium enden. Nicht nur die Kreistags-Grünen fordern deshalb seit Jahren den Aufbau von JaS auch an Gymnasien. Bei der jüngsten Sitzung des Kreis-Jugendhilfeausschusses wurde aber einmal mehr deutlich, wie schwierig das ist. Wobei der Haken seit Jahren derselbe ist: Es gibt keine staatliche Förderung dafür.

Der Landkreis müsste die Stellen also selbst finanzieren, und zwar auch dann, wenn es einmal staatliche Zuschüsse geben sollte. Denn steigt man jetzt in eine eigenfinanzierte Jugendsozialarbeit ein, gilt das als sogenannter vorzeitiger Maßnahmenbeginn. Der schließt für das Thema eine zukünftige Bezuschussung aus.

Gleichwohl hätte eine Eigenfinanzierung auch ihre Vorteile: Wie der stellvertretende Jugendamtsleiter Markus Haberle den Ausschussmitgliedern erklärte, wäre man dann bei der Gestaltung der Stellen und Aufgaben nicht an die staatlichen Vorgaben gebunden. "Wir hätten alle Möglichkeiten offen."

Nachdem eine staatliche Förderung laut Regierung von Schwaben nicht absehbar ist, das Vorhaben aber zu wichtig erscheint, als es einfach weiter auf Eis zu legen, sollen nun alle "konzeptionellen Möglichkeiten geprüft und ausgeschöpft werden, um ein bedarfsgerechtes Angebot zu verankern". Dabei sollen die Kinder- und Jugendhilfe, die Jugendarbeit in den Gemeinden und die freien Träger in der Jugendarbeit miteinbezogen werden. Ist das getan und sind alle finanziellen Rahmenbedingungen auf dem Tisch, soll eine Entscheidung getroffen werden. "Wir überprüfen, was für andere Möglichkeiten wir haben. Es wird aber schwierig, eine freiwillige Aufgabe ohne Förderung zu finanzieren", sagte Landrat Dr. Klaus München.

Zu welchen Verzerrungen die nicht nachvollziehbare Förderpraxis führt, verdeutliche er den Kreisrätinnen und Kreisräten an einem Beispiel. Er habe, berichtete er, von einem maßgeblichen Politiker in München – also dort, wo seit Jahren kein Geld locker gemacht wird - die Nachricht erhalten, dass Eltern sich darüber beschweren würden, dass der Landkreis Einführung von JaS an den Schulen blockiert...

north