Der Jahresrückblick 2023 der Aichacher Zeitung
Veröffentlicht am 11.11.2022 11:14

Demokratie ist Arbeit

<b>Matthias Matuschka und Götz Gölitz</b> (rechts) sind Trainer des Projekts &quot;Profil zeigen! Für eine starke Demokratie&quot;. Am Donnerstagabend fand dazu der erste Workshop im Wittelsbacher Land statt, weitere werden folgen zum Beispiel in Schulen und mit Mitarbeitern der Ulrichswerkstätten in Aichach. Zum Auftakt allerdings war nicht einmal eine Handvoll Interessierter in die Außenstelle des Landratsamtes in der Friedberger Konradinstraße gekommen.  (Foto: Ines Speck)
Matthias Matuschka und Götz Gölitz (rechts) sind Trainer des Projekts "Profil zeigen! Für eine starke Demokratie". Am Donnerstagabend fand dazu der erste Workshop im Wittelsbacher Land statt, weitere werden folgen zum Beispiel in Schulen und mit Mitarbeitern der Ulrichswerkstätten in Aichach. Zum Auftakt allerdings war nicht einmal eine Handvoll Interessierter in die Außenstelle des Landratsamtes in der Friedberger Konradinstraße gekommen. (Foto: Ines Speck)
Matthias Matuschka und Götz Gölitz (rechts) sind Trainer des Projekts "Profil zeigen! Für eine starke Demokratie". Am Donnerstagabend fand dazu der erste Workshop im Wittelsbacher Land statt, weitere werden folgen zum Beispiel in Schulen und mit Mitarbeitern der Ulrichswerkstätten in Aichach. Zum Auftakt allerdings war nicht einmal eine Handvoll Interessierter in die Außenstelle des Landratsamtes in der Friedberger Konradinstraße gekommen. (Foto: Ines Speck)
Matthias Matuschka und Götz Gölitz (rechts) sind Trainer des Projekts "Profil zeigen! Für eine starke Demokratie". Am Donnerstagabend fand dazu der erste Workshop im Wittelsbacher Land statt, weitere werden folgen zum Beispiel in Schulen und mit Mitarbeitern der Ulrichswerkstätten in Aichach. Zum Auftakt allerdings war nicht einmal eine Handvoll Interessierter in die Außenstelle des Landratsamtes in der Friedberger Konradinstraße gekommen. (Foto: Ines Speck)
Matthias Matuschka und Götz Gölitz (rechts) sind Trainer des Projekts "Profil zeigen! Für eine starke Demokratie". Am Donnerstagabend fand dazu der erste Workshop im Wittelsbacher Land statt, weitere werden folgen zum Beispiel in Schulen und mit Mitarbeitern der Ulrichswerkstätten in Aichach. Zum Auftakt allerdings war nicht einmal eine Handvoll Interessierter in die Außenstelle des Landratsamtes in der Friedberger Konradinstraße gekommen. (Foto: Ines Speck)

Fake News, Populismus, Stammtischparolen, Rechtsradikalismus und Verschwörungstheorien, Krisenjahre und Krieg in Europa machen das Leben der Menschen nicht einfacher, Zusammenhalt und Demokratie scheinen zu bröckeln. Eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD zur aktuellen Themenwoche „Wir gesucht - Was hält uns zusammen?“ hat etwa ergeben, dass 48 Prozent der Befragten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland als eher schlecht beurteilen, 16 Prozent als sehr schlecht und immerhin 32 Prozent als eher gut. Diese und noch mehr Umfrageergebnisse zeigten Matthias Matuschka und Götz Gölitz, pädagogische Mitarbeiter des Landratsamtes Aichach-Friedberg, am Donnerstagabend beim Workshop "Profil zeigen für eine starke Demokratie" in der Außenstelle des Landratsamtes in Friedberg. Gekommen war zu dem kostenlosen Angebot von Landratsamt und Volkshochschule nicht einmal eine Handvoll Interessierter; und die waren im Großeltern-Alter.

Dieser Workshop war der erste für Bürger des Landkreises Aichach-Friedberg. Die beiden Demokratie-Trainer Matuschka und Gölitz haben weitere Termine: In der kommenden Woche werden Mitarbeitende der Ulrichswerkstätten in Aichach ein Seminar besuchen, zudem sind Besuche in Schulen geplant. Ab der achten Klasse ist für Schüler die Teilnahme möglich.

Demokratiebildung sei ein Schwerpunkt des Bildungsbüros, der zweite liege auf der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), erklärte Götz Gölitz. Er ist im Landratsamt zuständig für das Bildungsmanagement im Bildungsbüro. Matuschka ist in der kommunalen Jugendarbeit tätig. Beide haben bei Dr. Christian Böser-Schnebel, Experte für politische Bildung an der Universität Augsburg, eine Ausbildung gemacht für die Workshops "Profil zeigen für eine starke Demokratie". In diesem Projekt, in dem das Netzwerk Politische Bildung Bayern und die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit kooperieren, geht es um die Stärkung demokratischer Streitkultur; eine Streitkultur, die das Grunddilemma zwischen eigener Positionierung und Offenheit für andere Meinungen, Haltungen und auch Emotionen anerkennt.

Beim angebotenen Workshop für Bürger am Donnerstagabend in Friedberg stellten die beiden Referenten Kommunikationsmodelle und Strategien vor, wie es gelingen kann, trotz unterschiedlicher Ansichten im Gespräch zu bleiben. Sie erläuterten der kleinen Runde, was denn überhaupt Fake News sind, was Stammtischparolen und Populismus kennzeichnet. Diese drei Schlagworte machten sie als Gefährder von Demokratie aus. Diskutiert wurde auch, was Demokratie überhaupt ist und welche Erfahrungen die Anwesenden mit ihr gemacht haben, was zu einem durchaus interessanten Austausch im familiären Rund führte.

Als Rezepte für eine konstruktive Auseinandersetzung gaben die beiden pädagogischen Landratsamtsmitarbeiter ihren Gästen eigentlich ganz einfache Tugenden mit auf den Weg: offen sein, zuhören, eventuell über seinen Schatten springen und gegebenenfalls "rote Linien" setzen. Mit Nachfragen und Wiederholen, mit einer Situationsanalyse und auch dem Benennen von Zielen, Wünschen und Gefühlen sei es durchaus möglich, Konfliktgesprächen zu begegnen und "Teufelskreise" zu durchbrechen. Demokratie lebe auch von Spannungsverhältnissen, und Spannungen müsse man auch aushalten können, so die Trainer.

Als ein Fazit des Workshops lässt sich vielleicht festhalten: Demokratie ist Arbeit zwischen Menschen, die Offenheit und Respekt voraussetzt. Laut Gölitz sei die "größte Herausforderung: Gehen Sie in die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, um deren Engstirnigkeit zu überwinden - und Ihre eigene." Eine Empfehlung etwa lautete, bewusst an der politischen Willensbildung mitzuwirken und dazu einzuladen.

Gesammelte Schlussworte, die vielleicht neugierig machen auf Demokratiebildung: "Die Haltung zu haben, offen zu sein, ist wichtig und anstrengend." (Matthias Matuschka)

"Versuchen Sie, einander zuzuhören und sich mit Respekt zu begegnen." (Götz Gölitz)

"Wir brauchen Vielfalt nicht nur in der Natur, sondern auch in den Menschen und Meinungen." (Der einzige männliche Workshopteilnehmer, mit denen vereinbart wurde, dass sie anonym bleiben).

Weitere Bausteine der Demokratiebildung sind neben Workshops für Schulen, politische Gremien und verschiedensten Einrichtungen etwa auch die "Lange Nacht der Demokratie", die 2023 wieder stattfinden soll, der Jugendkreistag, der "Lernort Rathaus" und auch die Kinderspielstadt, die der Kreisjugendring schon mehrfach in den Sommerferien in verschiedenen Ortschaften des Landkreises durchgeführt hat.

north