Der Jahresrückblick 2023 der Aichacher Zeitung
Veröffentlicht am 20.05.2024 23:00

Kürzlich hat sich eine gewisse Irine Melikian an die AZ-Redakteurin gewandt, um ihr mitzuteilen: „Netflix vor dem Schlafen hilft Ihnen beim Abnehmen.” Diese Tatsache kann die Schreiberin nicht bestätigen – und sie muss es wissen, ist die Streaming-Plattform doch regelmäßig ihr „Betthupferl”. Doch vielleicht macht sie ja einen Anwendungsfehler. Mal sehen, was diese scheinbare Expertin aufzeigt, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Die Dame beruft sich auf die Erfahrungen von Robert Veres, dem Gründer der Pomaly-App, die bei der Gewichtsabnahme helfen soll, und „solide wissenschaftliche Forschungen”, erklärt sie in Ihrem Anschreiben.

Stress macht dick, weil er den Heißhunger fördert, zeigen Studien. Wer allerdings netflixt und chillt, lenkt sich von den täglichen Sorgen ab – und soll so leichter die Traumfigur erreichen. „Mäßige Aktivität ist besser als keine”, meint die angebliche Journalistin außerdem. „Obwohl es eine sitzende Tätigkeit ist, fördert das Anschauen von Netflix minimale körperliche Aktivitäten – gelegentliches Strecken oder ein lockerer Spaziergang”, und jeder weiß ja, „dass leichte körperliche Aktivitäten den Stoffwechsel ankurbeln und die Gewichtsabnahme unterstützen können”. Sitzen? In der Regel liegt die Redakteurin horizontal auf ihrer Couch, wenn sie einen Film oder eine Serie schaut. Ist das der Fehler? Und streckt sie sich vielleicht zu wenig? Spaziergänge während des Schauens hat sie auch abgeschafft, nachdem die Streaming-Anbieter keine Pausen dafür in Form von Werbung einbauen.

Es soll zudem einen Zusammenhang zwischen nächtlichem Snacken und Gewichtszunahme geben. Das zeigen Forschungen der National Library of Medicine. Wow, was für eine bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis. Doch es gibt Abhilfe: Wer beschäftigt ist, isst weniger – wenn er oder sie zum Beispiel gespannt eine Serie oder einen Film sieht. Die Redakteurin denkt an die vielen Abende, an denen die Chipstüte schneller zu Ende war als der Film und fragt sich, welche Probanden dieses Studienergebnis erbracht haben.

Darüber hinaus soll das TV-Glotzen einen besseren Schlaf fördern. Und das ist wichtig, weil lang anhaltender Schlafmangel mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht einhergeht. Letzteres hat die Redakteurin schon öfter gelesen und gehört, den Zusammenhang mit Streaming-Angeboten allerdings nicht. Ohne die Wissenschaft enttäuschen zu müssen, erinnert sie sich eher daran, wie sie beim Schauen irgendwann auf dem Sofa einschläft und schließlich erst mitten in der Nacht mit Rückenschmerzen und dröhnendem Kopf ins Bett wandert. „Besserer Schlaf” sieht anders aus. Die Redakteurin kann also wohl nur noch

auf einen Placebo-Effekt hoffen


Nayra Weber
Nayra Weber

Redakteurin

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